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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 05:58 Uhr

Zierzow : Angst vor dem eigenen Trinkwasser

vom

Wie nach einem Krieg wirken die meterhohen Schuttberge, großen Betonbrocken und Gebirge aus altem Holz, die mit Gräsern bewachsen sind. Was befindet sich darunter?

svz.de von
erstellt am 03.Nov.2011 | 08:50 Uhr

Zierzow | Wie nach einem Krieg wirken die meterhohen Schuttberge, großen Betonbrocken und Gebirge aus altem Holz, die mit Gräsern bewachsen sind. Als ob sich die Natur hier das zurück holt, was ihr einmal gehörte. Könnte man nicht ahnen, was sich noch darunter befindet, die Bürger würden sich wohl nicht weiter darum kümmern.

Auf einem zerbrochenen Unternehmensschild auf dem weitläufigem Gelände, das sich vor dem Schuttgebirge erstreckt ist noch "Garten und Landschaftsbau, Schrottannahme und Bauschuttrecycling, Schuttannahme und Containerdienst" zu lesen. Trotz einiger Ziegen und Wagen mit der Aufschrift "Zirkus Renz", die von aktuellen Bewohnern zeugen, wirkt das Gelände verwaist.

Direkt an der L8 und im Gewerbegebiet von Zierzow gelegen, fristet dieses Gelände schon seit fast zehn Jahren unangetastet sein Dasein. Wie die Anwohnerin Brigitte B. (Name von der Redaktion geändert) berichtete, sei die beschilderte Firma bereits vor langer Zeit in Insolvenz gegangen. "Der Betreiber hat immer mehr Schutt angenommen und fast nie etwas weggefahren. Schutt ohne Ende. Dann hat er irgendwann eine Auflage bekommen, was wegfahren zu lassen und dann kam schon die Insolvenz." Eine Nachfrage der SVZ bei der Bürgermeisterin von Zierzow, Cornelia Wiedow, ergab, dass auch die Gemeinde schon oft genug versucht habe, "das Gelände wieder in die richtige Spur zu bringen". Dies sei aber immer an der Besitzfrage gescheitert. Sogar den Landwirtschaftsminister habe sie kontaktiert, so Cornelia Wiedow, um mit einer Förderung das Gelände in Ordnung zu bringen, aber alles scheiterte an der Eigentumsfrage. Die Insolvenz sei eingestellt und der Besitz wohl wieder an den alten Eigentümer zurückgegangen, war aus mehreren Quellen zu erfahren. "Dass in den Hallen Ungeziefer ist, ist bekannt und auch wir als Gemeinde würden es begrüßen, wenn dort endlich etwas geschieht, können aber nichts unternehmen", so Cornelia Wiedow und dann fügt sie noch an: "der Besitzer hatte auch eine Genehmigung, dass er Asbest annehmen kann."

Brigitte B. ist froh, dass sie sich nun "endlich mal den Frust von der Seele reden kann". "Auch eine Tankstelle wurde bis Ende der 90er Jahre hier noch betrieben, da ist auch nie was ausgebuddelt worden, die Tanks sind sicher noch in der Erde. Außerdem dringt nun das ganze Asbest und alles andere ins Grundwasser".

Die Mutter mehrerer Kinder schildert, wie enttäuscht sie seit langem ist, dass nichts passiert und auch, dass das Umweltamt sich noch nicht eingeschaltet hat. Aus Sicherheitsgründen trinkt sie ihr Leitungswasser "wenn überhaupt, dann nur noch abgekocht". Sorgen macht sie sich auch über die Zirkusleute, die jetzigen Nutzer des Geländes. Die Leute seien nett, so Frau B., leben hier nun aber auch schon seit fast vier Jahren direkt zwischen den Hallen, "indenen auch noch Fässer und Müll lagern". Und dann schließt sie mit den Worten; "meine Kinder hatten schon Angst, dass ich hier Depressionen bekomme, wenn ich jeden Tag auf dieses Gelände und die Unordnung schaue, sie wollten sogar schon einen Sichtschutz aufstellen - aber das wollte ich dann auch nicht."

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