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bresegard bei eldena : Angst um die ländliche Idylle

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Zwei junge Paare zogen von Hamburg nach Bresegard – und befürchten nun Lärm- und Geruchsbelästigung durch Hähnchenmast

von
erstellt am 10.Apr.2014 | 19:00 Uhr

Sie wollten dem Lärm, der Hektik und dem Gestank der Großstadt entfliehen und zogen von Hamburg nach Bresegard bei Eldena. Doch ihre ländliche Idylle sehen Melanie Czoske und Sebastian Przewodnik in Gefahr, wenn in der Gemarkung Karenz ein Hähnchenmastbetrieb mit Biogasanlage wie geplant entsteht. Matthias und Simone Flögel, die ein paar Häuser weiter wohnen, sehen das nicht anders.

Die vier Neu-Bresegarder befürchten Lärm, Gestank und Schadstoffbelastungen durch Lkw und Traktoren, aber auch durch die Anlage selbst. „Es ist jetzt schon schlimm, wenn Lkw oder Traktoren durchs Dorf fahren“, sagt Matthias Flögel. „Der Lärm und die Vibrationen beschädigen die alten Häuser und sind belastend. Künftig müssten wir das dann noch viel häufiger ertragen.“

Dabei hatte es für die Hamburger so gut angefangen in ihrer neuen Heimat. „Die ersten Nächte konnten wir wegen der ungewohnten Stille kaum einschlafen“, erinnert sich Melanie Czoske. „Dabei waren wir von der frischen Luft todmüde.“ Sie war gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian Przewodnik vor sieben Jahren nach Bresegard gezogen. „Wir wollten, dass unser damals siebenjähriger Sohn auf dem Land aufwächst ohne den Lärm, die Schnelllebigkeit und die Kriminalität in Hamburg“, erklärt die 38-Jährige. „Hier haben wir Tiere auf dem Hof, und wenn wir die Haustür aufmachen, stehen wir im Garten und an der frischen Luft.“

Auch viele Freunde fanden Gefallen am Landleben, so dass die Familie fast jedes Wochenende Besuch hatte. Simone und Matthias Flögel gehörten dazu. Sie kamen nach Bresegard, halfen beim Bauen und beschlossen irgendwann, sich auch hier niederlassen zu wollen. Als vor anderthalb Jahren in der gleichen Straße tatsächlich ein Haus frei wurde, griffen sie zu. Nun leben sie mit ihrem fünfjährigen Sohn Ben im Dorf. „Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen, und jetzt soll so eine Tierfabrik hierher, die keiner braucht“, sagt Matthias Flögel. Die Einzigen, die davon profitieren würden, wären die Investoren. Flögel fühlt sich übergangen. Als er von dem Vorhaben erfahren hat, sei das Verfahren sehr weit fortgeschritten gewesen. Vielleicht habe sich auch die Gemeindevertretung nicht ausreichend darum gekümmert.

Melanie Czoske treibt nicht allein die Sorge um Ruhe und ihr Haus um. Sie befürchtet Folgen für ihr Geschäft. Sie hat sich als Hochzeitsplanerin selbstständig gemacht und arbeitet mit dem Glaisiner Hochzeitshof zusammen, im vergangenen Jahr stieg sie auch noch in das Glaisiner Hofcafé Holunder mit ein. „Viele unserer Fahrradgäste kommen aus Richtung Dömitz über den markierten Radweg auf der Strecke zwischen Karenz und Bresegard zu uns“, erklärt sie. „Für sie könnte es zwischen den ganzen Lkw und Traktoren gefährlich werden.“ Und in Glaisin würden sie dann aus dem Bett fallen, wenn die großen Fahrzeuge über das Kopfsteinpflaster donnern. Sie versteht nicht, dass erst die touristische und dörfliche Entwicklung gefördert und dann alles kaputt gemacht werde.

Auch die Bürgerinitiative Bresegard macht sich gegen die geplante Mastanlage stark. Etwa 80 Bürger und die Gemeinde hatten gegen den Vorentwurf des Bebauungsplanes Einwendungen erhoben. Das hätte jedoch kaum zu Veränderungen der Planung geführt, so Sandra Duwe von der Bürgerinitiative (BI). Deshalb hat die BI im März auch gegen den jetzt vorliegenden Entwurf ihre Einwendungen erhoben. Bemängelt wird u.a., dass in der Schallprognose die Vorbelastungen etwa durch Schweinemastanlage oder Trockenwerk und der Straßenzustand nicht berücksichtigt würden. Ein anderer Punkt bezieht sich auf die Aussagen eines Sachverständigen, der im Auftrag der Gemeinde Bresegard die Immissionsprognosen aus dem Planentwurf geprüft hat. Seiner Meinung nach basieren sie zum Teil auf falschen Ansätzen. „Die Immissionsprognosen sind in einigen Bereichen nicht plausibel und nachvollziehbar“, heißt es in seiner Stellungnahme. Und weiter: „Alle Missstände lassen eine Unterschätzung der Immissionsbelastungen erwarten, so dass davon ausgegangen werden muss, dass die präsentierten Ergebnisse eine zu günstige Immissionssitutation widerspiegeln.“

Bei der Beratung über den Vorentwurf hatte die Planerin im Januar allerdings erklärt, dass nur 15 Prozent der anfallenden Fahrten – rund 330 pro Jahr – durch Bresegard führen würden (SVZ berichtete). Und Mit-Investor Willfried Pagung, bis vor kurzem Karenzer Bürgermeister, hatte mit Blick auf befürchtete Geruchsbelästigungen betont, dass man sich an gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte halten müsse, sonst gar keine Genehmigung erhalten würde.

Dass zum Leben auf dem Land auch Landwirtschaft gehört, ist für Matthias Flögel klar. „Aber solche großen Mastanlagen braucht die Welt nicht.“ Stattdessen würde sie gern frische Milch vom Bauern kaufen, fügt seine Frau Simone hinzu. Aber diese Möglichkeit gebe es in der Umgebung nicht.

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