Ludwigsluster Kleingärtner in Rage : Angst um das eigene Stück Natur

Reinhard Schwarz, Ernst-Otto Pätow und Helmut Wabra (v.l.n.r.) vom Kleingartenverein „Zur Eiche“ sind enttäuscht, dass sie aus der Zeitung von den Überlegungen der Stadt erfahren haben.
Reinhard Schwarz, Ernst-Otto Pätow und Helmut Wabra (v.l.n.r.) vom Kleingartenverein „Zur Eiche“ sind enttäuscht, dass sie aus der Zeitung von den Überlegungen der Stadt erfahren haben.

Kleingartenverein „Zur Eiche“ erfährt aus Zeitung von Überlegungen der Stadt zu seiner Fläche / Gespräch mit allen Vereinen geplant

von
14. November 2015, 07:00 Uhr

Als die Mitglieder des Kleingartenvereins „Zur Eiche“ diese Nachricht lesen, verschlägt es ihnen die Sprache: Die Stadt denke über ein neues Wohngebiet zwischen Laascher Weg und Georgenhof nach (SVZ berichtete). „Aber genau dort befinden sich unsere Gärten“, sagt Vereinsvorsitzender Reinhard Schwarz. „Uns ist klar, dass die Stadt den Pachtvertrag mit unserem Verein jedes Jahr kündigen kann. Aber muss man von solchen Plänen aus der Zeitung erfahren?“ Zudem sei damals, als für das Neubaugebiet Georgenhof auf der gegenüberliegenden Seite Kleingärten weichen mussten, gesagt worden, dass man für die Parzellen des Vereins „Zur Eiche“ nichts zu befürchten habe.

Die Kleingärtner sind in diesen Tagen dabei, ihre Gärten winterfest zu machen. Sträucher werden geschnitten, Laub geharkt, Beete gegraben und Pflanzen abgedeckt. Auch wenn es derzeit nicht grünt und blüht – die Anlage „Zur Eiche“ sieht gepflegt aus. „Bei uns ist es auch immer sehr ruhig“, sagt Reinhard Schwarz, der als 23-Jähriger zum Kleingärtner wurde. „Das ist mir besonders wichtig, weil ich in drei Schichten arbeite.“

Auch Ernst-Otto Pätow kann sich ein Leben ohne den Garten nicht vorstellen. „Für uns ist er trotz der Arbeit Erholung pur. Wir Mecklenburger brauchen die Natur und wollen unsere eigenen Kartoffeln haben.“ Für ihn und seine 82-jährige Frau wäre es eine Katastrophe, wenn sie den Garten aufgeben müssten. Nicht nur viel Schweiß, auch viel Geld sei da hineingeflossen, so der 79-Jährige.

Bürgermeister Reinhard Mach relativiert. Aktuell müssten sich die Kleingärtner der Anlage „Zur Eiche“ keine Sorgen machen, sagte der Verwaltungschef auf SVZ-Anfrage. Aber: „Wir machen uns in der Tat Gedanken, wo es stadteigene Flächen in der Nähe des Stadtzentrums gibt, die für eine Wohnbebauung geeignet wären“, so Mach. Dabei seien verschiedene Gebiete identifiziert worden, zu denen auch das Areal zwischen Georgenhof und Laascher Weg gehöre. Doch selbst wenn es dafür eines Tages einen Bebauungsplan geben würde, würde man nicht zuerst dem Kleingartenverein kündigen. „Die Fläche ist groß genug, um erstmal auch ohne die Gärten etwas machen zu können“, so Mach. Die Entscheidung müssten nach öffentlicher Beratung dann irgendwann ohnehin die Stadtvertreter treffen.

Ein Schreiben der Stadtverwaltung hatte Reinhard Schwarz und seine Vorstandskollegen allerdings sehr irritiert. Bis gestern sollte der Verein mitteilen, wie viele Gärten leer stehen. „Wollen die schon vorfühlen?“ fragte er sich. Verstecken muss sich der 58-jährige Vorsitzende mit den Zahlen seines Vereins allerdings nicht. Von den insgesamt 49 Kleingärten sind rund 40 belegt. „In diesem Jahr haben wir sechs Parzellen neu vergeben, zum Teil an junge Leute.“

Die Stadt will tatsächlich über die Auslastung der Kleingartenanlagen sprechen – aber mit allen Vereinen. Und auch um die Vereinsarbeit und die Zufriedenheit der Mitglieder soll es gehen. „Vielleicht wäre es schlau, ein bisschen zusammenzurücken anstatt zehn Anlagen mit 40-prozentiger Auslastung zu betreiben“, so Mach. Man wolle über verschiedene Optionen sprechen. „Aber wir werden nichts plattmachen, das extrem gut ausgelastet ist.“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen


 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen