Okantief Xavier in Ludwigslust : Am Stumpf der Eiche wächst Neues

Dietmar Braune an der von „Xavier“ zerstörten rund 200 Jahre alten Stieleiche nahe des Schweizerhauses. Vor dem Stumpf des einstigen Baumriesen wird eine neue Eiche gepflanzt.
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Dietmar Braune an der von „Xavier“ zerstörten rund 200 Jahre alten Stieleiche nahe des Schweizerhauses. Vor dem Stumpf des einstigen Baumriesen wird eine neue Eiche gepflanzt.

Rund 900 Bäume sind im Schlosspark Opfer von Okantief „Xavier“ geworden. Historisch bedeutsame Exemplare werden standortidentisch nachgepflanzt

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23. Januar 2018, 21:00 Uhr

Einst war es eine mächtige Stieleiche, die in der Nähe des Schweizerhauses stand. Aber auch dieser Baumriese fiel wie so viele andere im Ludwigsluster Schlosspark dem verheerenden Orkantief „Xavier“ zum Opfer. „Der Baum war rund 200 Jahre alt“, erklärt Dietmar Braune von der im Januar neu geschaffenen oberen Landesbehörde Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen in MV. Als Dezernatsleiter ist er künftig für alle Parks und Gärten in Mecklenburg-Vorpommern zuständig.

Der Experte zeigt auf die Reste des Stammes, der im Inneren schon durch Fäulniss zerstört und so dem Sturm nicht mehr gewachsen war. „Die Stieleiche gehörte zu den historisch bedeutsamen Bäumen, die den Schlosspark besonders prägen. Wo dieserart Bäume umgestürzt sind, wird ein neuer Baum standortidentisch nachgepflanzt.“ Das heißt, in die Stubben werden die neuen Gehölze gesetzt, ergänzt Dietmar Braune. Im Fall der einstigen Stieleiche wird der Baumstumpf als Naturdenkmal erhalten bleiben, und dieser wird auch noch Jahrzehnte lang zu sehen sein. „Vor den Stumpf setzen wir eine junge Stieleiche, der Baum ist etwa zehn Jahre alt und hat einen Stammumfang von 20 Zentimetern.“

„Xavier“ hat im Schlosspark richtig gewütet – rund 900 Bäume sind umgestürzt. „Die meisten waren zwischen 50 und 150 Jahren alt, einige auch aber mehr als 200 Jahre“, erklärt Dietmar Braune. „Nach dem Sturmtief war der Schlosspark erst einmal für zweieinhalb Monate gesperrt. Kurz vor Weihnachten gelang es dann, den Park wieder für die Öffentlichkeit freizugeben, bis auf den Johannisdamm. Das waren zweieinhalb Monate Schwerstarbeit für unsere eigenen Leute der Schlossgärtnerei und die uns unterstützenden Forstleute und Mitarbeiter aus Baumpflegefirmen. Da wurden Wege freigeräumt und Gewässer wieder gesäubert. Leider sind aber die Herbstarbeiten liegen geblieben, dabei handelt es sich um reine Pflege- und Unterhaltungsarbeiten.“

Einige hundert Meter weiter sind unterdessen Maschinengeräusche zu hören, Holz knackt. Forstleute sind im Auftrag von Gartenmeister Holger Bäthke dabei, am Wegrand gelagerte Buchenstämme in 50 Zentimeter breite Scheiben zu schneiden. Auf dem Holzspalter werden dann daraus Scheite, die als Brennholz verkauft werden.

Beräumung großer Flächen im Vordergrund

„Aktuell sind wir in unserer Behörde dabei, ausgehend von der Analyse und der Bewertung der gegenwärtigen Situation, das weitere Vorgehen abzustimmen. Das betrifft die vollständige Beräumung großer Flächen. Und auch auf den Kahlschlägen hat sich noch nichts geändert.“ Jetzt, so Dietmar Braune, läuft zunächst die Bewertung des Holzertrages durch die Fachleute der Landesforst MV. „Nach ersten Schätzungen handelt es sich bei den Sturmschäden um tausend Festmeter und wir gehen da von ganz unterschiedlichen Holzqualitäten aus. Am gefragtesten ist da Parkett- und Furnierholz aus gerade gewachsenen Eichen, auch Lärche gehört dazu, die als Bäume einen hohen Wert haben.“

Vor allem bereitet der Landesbehörde aber Sorgen, welche Folgen das Aufarbeiten der Sturmschäden im Schlosspark mit sich bringt. Denn wenn hier aus forstlicher Sicht beräumt wird, dann sind die Wege danach nicht mehr vorhanden, da sie durch die 20-Tonner zerstört werden. „Die ganzen Wege und Durchlässe sind für solch schwere Fahrzeuge, die dann ja am Tag zig Mal durchfahren, von der Tragfähigkeit her nicht geeignet“, sagt Dietmar Braune. Und er rechnet schon mal vor, dass für die Herstellung der Vielzahl an Wegen, die betroffen sind, ein sechsstelliger Betrag aufgebracht werden muss. Die Entscheidung, wann was an Arbeiten gemacht wird, ist im hohen Maße vom Wetter abhängig. „So wie es jetzt ist, mit Regen und bis zu 10 Grad warm, passt es nicht. Die Wege sind total aufgeweicht, da wird nichts gehen. Ein paar Wochen mit hohen Minusgraden wären ideal“, so Dietmar Braune. „Wenn wir keinen Winter kriegen, dann muss die Bergung zum Beispiel der Eichen mit Seilzugmaschinen erfolgen und mit kleinerer Technik abtransportiert werden. Es wäre gut, wenn das im Februar passieren könnte, denn wir müssen bis Mai, zum Beginn der Vegetationsperiode, mit den Arbeiten im Schlosspark fertig sein.“

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