Ludwigslust : Am Mittwoch fällt die Milchquote

Im SVZ-Interview erläutert Harald Elgeti, Geschäftsführer des Bauernverbandes, die Situation der Erzeuger in der Region

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31. März 2015, 07:00 Uhr

Ab 1. April fällt die Milchquote. Landwirte können dann so viel Milch produzieren, wie sie wollen. Produzenten und Molkereien befürchten, dass die ohnehin niedrigen Preise dann noch weiter fallen werden. Dieter Hirschmann sprach mit dem Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, Harald Elgeti, darüber, welche Auswirkungen diese europaweite Entscheidung der Europäischen Union auf die Produzenten in der Region hat.

Was ist eigentlich die Milchquote?

Elgeti: Die Milchquote ist 1984 eingeführt worden, um eine Überproduktion bei Milch zu begrenzen. Einige werden sich erinnern. Wir hatten damals Butterberge und Milchseen in der EU. Die Milchquote ist zudem ein Lieferrecht.

Was bedeutet ihr Wegfall dann für den Milchproduzenten ab 1. April?

Jeder kann dann so viel produzieren, wie er will. Damit ergibt sich die Frage, inwieweit die produzierte Menge mit der am Markt benötigten übereinstimmt. In diesem Zusammenhang haben wir die Aussage der Genossenschaften, dass sie die produzierte Milch abnehmen, egal wie viel am Markt bereitsteht. In welcher Höhe dann allerdings die Bezahlung erfolgen wird, sagen sie nicht.

Wer nimmt in der Region die produzierte Milch ab?

Danone kauft im Land keine Milch mehr auf. Wir haben die beiden großen Genossenschaften „Deutsches Milchkontor“ und „Arla“, und in Wismar gibt es eine Privatmolkerei, die im Vergleich zu den Genossenschaften deutlich kleiner ist. Diese drei kaufen die Milch auf. Hinzu kommen einige Landwirte, die an Milchhändler liefern, so unter anderem die Erzeugergemeinschaft Hagenow, die zuvor an Danone lieferte. In Deutschland gibt es rund 78 000 Milchproduzenten, sieben große Supermarkt-Ketten im Lebensmittel-Einzelhandel und weniger als 100 Molkereien. Und wenn die Politik nicht eingreift, dann ist klar, wer in dieser Gesamtkonstellation immer der Verlierer sein wird, der Milchproduzent.

Denken Sie, dass sich die Politik hier nicht einmischen wird?

Ich denke, dass die Politik ein Interesse daran hat, dass Lebensmittel billig bleiben. Bei dauerhaften Preisen, die die Kosten nicht decken, wird der Strukturwandel beschleunigt. Denn die Produktionskosten für einen Liter Milch liegen aktuell im Durchschnitt bei 42 Cent. Doch der Milchpreis pro Liter liegt bei 28 Cent. Das ist doch keine Kostendeckung für den Produzenten.

Wie sieht nach Ihrer Meinung der Milchmarkt nach dem 1. April aus?

Ich denke, dass der Markt in Schieflage kommen wird, nicht zuletzt aufgrund der auslaufenden Superabgabe. Ich kann jetzt keine Zeichen erkennen, dass sich der Milchpreis für den Erzeuger normalisiert. Im Altkreis Ludwigslust haben wir knapp 100 Milchproduzenten mit Tierbeständen von wenigen Kühen bis zu über 1000 Tieren. Da wir hier in der Region keine ertragreichen Böden haben, ist die Milchproduktion ein entscheidender Einkommensfaktor. Wir haben, wie gesagt, die Zusage, dass die produzierte Milch abgenommen wird. Die Milchproduktion wird steigen, viele Betriebe haben in Erwartung dieser Situation investiert und Kapazitäten erweitert. Das wird irgendwann dazu führen, dass tendenziell mehr Milch hergestellt wird als die Molkereien verkraften. Dann werden sich die Molkerei-Genossenschaften vermutlich in einem ersten Schritt von jenen trennen, die keine Mitglieder sind. Und es wird eine Zeit kommen, in der Produzenten aufhören müssen, weil sie ihren Betrieb nicht mehr finanzieren können.

In so einer Situation sind die Betriebe im Vorteil, die effektiv produzieren?

Wir haben bei uns Betriebe mit mehr als 1000 Kühen und modernen Anlagen, die effektiv produzieren und die eine hohe Leistung erbringen. Ich glaube, dass diese Landwirte nicht zuerst aufhören, das werden eher die kleinen Betriebe sein. Dass die Gesellschaft aber eine auf wenige große Standorte konzentrierte Milchproduktion haben will, glaube ich nicht.

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