Göhlen : Am liebsten bei den Mutterkühen

Keine Angst vor großen Tieren. Laura Homberger wird Landwirtin und arbeitet am liebsten bei den Mutterkuhherden.
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Keine Angst vor großen Tieren. Laura Homberger wird Landwirtin und arbeitet am liebsten bei den Mutterkuhherden.

Laura Homberger erlernt in Göhlener Genossenschaft den Beruf der Landwirtin / Sie möchte später den Betrieb der Eltern übernehmen

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26. April 2017, 07:00 Uhr

Tagtäglich in einem Büro zu hocken, das wäre nichts für Laura Homberger. „Ich arbeite gern draußen und könnte mir nicht vorstellen, den ganzen Tag auf einem Stuhl zu sitzen“, sagt die 18-Jährige. Sie hat einen anderen Platz für ihren Berufsstart gefunden. Seit anderthalb Jahren absolviert sie ihre Ausbildung in einem Beruf, für den sich gewöhnlich vor allem die Jungs interessieren. Laura wird Landwirtin und lernt bei der Agrarprodukte Göhlen eG.

Stroh einstreuen, den Stall ausmisten, füttern, Silo abdecken, Trecker fahren, Wasser auf die Weide bringen, Kälbchen auf die Welt helfen oder versorgen – in ihrem Arbeitsalltag muss Laura Homberger kräftig zupacken. „Aber das ist kein Problem“, sagt die junge Boizenburgerin. Und ihr Betreuer, Landwirtschaftsmeister Maik Mann, fügt hinzu: „Die Arbeit kann auch eine Frau machen. Für die ganz schweren Sachen haben wir ja Technik.“ Laura sei jedenfalls ein Glücksfall für den Betrieb, auch weil sie gut mit den Tieren umgehen kann. Ein Zufall ist das nicht. Die 18-Jährige ist mit Rindern groß geworden. „Meine Eltern haben einen Bio-Mutterkuhbetrieb mit Angus-Rindern“, erzählt sie. „Dort arbeite ich schon seit Langem mit.“

Auch in ihrem Ausbildungsbetrieb arbeitet Laura Homberger am liebsten in den Mutterkuhherden. Angst vor den Tieren hat sie nicht. „Sie sind ja relativ zutraulich“, sagt sie und krault Lieselotte, einer Färse mit der Nr. 605, den großen Kopf, während sich die anderen Tiere um sie drängen. „Das ist auch wichtig, falls man ihnen später mal beim Kalben helfen muss.“

Laura ist nicht der erste weibliche Azubi der Göhlener Genossenschaft. „In der Ausbildung zur Tierwirtin hatten wir schon einige“, sagt Vorstandsvorsitzender Steffen Wegewitz. Und dafür seien sie auch gut geeignet. „Bei Frauen ist die Tierliebe und das Einfühlungsvermögen in der Regel stärker ausgeprägt als bei den meisten Männern“, so Wegewitz. Viele Jungs würden lieber in die Pflanzenproduktion gehen, um Trecker und andere große Maschinen fahren zu können. Viele der jungen Frauen haben den Betrieb nach erfolgreichem Abschluss jedoch wieder verlassen, um zum Beispiel zu studieren. „Trotzdem engagieren wir uns weiter für die Ausbildung in der Hoffnung, dass der eine oder andere doch bleibt“, so der Vorstandsvorsitzende. Jetzt wollen die Göhlener sogar in Lehrlingsunterkünfte investieren, um überregional nach Auszubildenden suchen zu können. „Die in der Region angebotenen Zimmer und Wohnungen sind für einen Auszubildenden einfach zu teuer“, erklärt Steffen Wegewitz. Die neuen Unterkünfte sollen im Bürokomplex in Göhlen entstehen.

In rund anderthalb Jahren wird Laura Homberger ihre Ausbildung abschließen. Doch auch danach will sie weiter lernen. „Ich will noch meinen Meister machen“, sagt die junge Frau, die eines Tages den elterlichen Betrieb weiterführen möchte. Ursprünglich hatte dieser Gedanke sie verunsichert. „Es ist doch eine sehr große Verantwortung und weil es ein Bio-Betrieb ist, gehört auch eine Menge Schreibkram dazu“, so die 18-Jährige. „Aber all das lerne ich ja.“ Die junge Frau weiß auch sonst genau, was auf sie zukommt: „Ich werde wenig Freizeit haben, aber dafür bin ich auch mein eigener Chef.“

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