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Ludwigsluster Tageblatt

18. Oktober 2017 | 02:31 Uhr

dömitz : Altes Amtsgericht vor dem Abriss

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Stadt Dömitz will Gebäude für symbolischen Preis kaufen, wenn es von der Denkmalliste verschwindet / Große Gefahr für Passanten

svz.de von
erstellt am 07.Apr.2014 | 18:00 Uhr

Einst stattliches Gerichtsgebäude in exponierter Lage, heute eine Gefahr für die Allgemeinheit: Das alte Amtsgerichtsgebäude in Dömitz hat seine besten Zeiten längst hinter sich – und wohl nicht mehr viel Zeit vor sich. Denn nach jahrelangen Bemühungen um die vernünftige Sicherung des direkt an der Landesstraße gelegenen Hauses werden derzeit die Weichen für den Abriss gestellt.

Die Stadtvertreter haben auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, das Amtsgericht für einen Euro vom derzeitigen Privatbesitzer zu kaufen. „Voraussetzung für den Kauf ist, dass das Haus aus der Denkmalliste gestrichen wird“, erklärte Bürgermeisterin Renate Vollbrecht. Denn nur dann wäre ein Abriss möglich, ohne eine formelle Genehmigung dafür einholen zu müssen. Stattdessen würde eine Abrissanzeige genügen.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat bereits Entgegenkommen signalisiert. „Es ist vorstellbar, dass wir das Objekt von der Denkmalliste streichen, sofern sich jemand findet, der es beseitigt“, hatte Andreas Wißuwa, Fachdienstleiter Bauordnung, erklärt. „Es ist innen und außen alles kaputt, so dass der Denkmalwert infrage steht, zumal bei einer Sanierung vieles verändert werden würde.“ Es gehe um die öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Das seit der Wende ungenutzte Haus ist inzwischen zu einer Gefahr geworden. Die Fenster sind kaputt, Mauersteine brechen heraus und fallen herunter, Decken sind durchgebrochen. „Inzwischen ist die Standsicherheit akut gefährdet“, so Andreas Wißuwa. Der Gehweg vor dem Amtsgericht wurde deshalb für Passanten gesperrt.

Die Hoffnung, dass sich ein Eigentümer findet, der das Gebäude samt ehemaligem Gefängnistrakt saniert, haben alle Beteiligten längst aufgegeben. „Das ist ein unrealistischer Traum“, sagte Renate Vollbrecht. „Aber es ist schade um das Gebäude.“ Andererseits sei sie froh, dass der Gefahrenpunkt endlich beseitigt werden kann.

Die GOS mbH als treuhänderischer Sanierungsträger ist nach Aussage der Dömitzer Bürgermeisterin nun dabei, eine Bestandsaufnahme vom Gebäude zu machen, um dann den Abriss ausschreiben zu können. „Läuft alles nach Plan, könnten die Arbeiten im Herbst erfolgen“, so Renate Vollbrecht. „Ich hoffe, dass das Haus bis dahin noch durchhält.“ Der Abriss würde über Städtebaufördermittel finanziert werden. Das beräumte Grundstück könnte dann als Bauplatz verkauft werden, so Vollbrecht.

Mit dem alten Amtsgericht wird ein geschichtsträchtiger Bau verschwinden. Er sei in den 1880er-Jahren errichtet worden, nachdem die Stadt das Grundstück 1878 an das Herzogliche Justizministerium verkauft hatte, erzählte Renate Vollbrecht. Bis zum Zweiten Weltkrieg sei das Haus dann als Amtsgericht genutzt worden. Danach diente es unterschiedlichen Zwecken. Unter anderem die Förderschule, das Pionierhaus und zuletzt die DRK-Rettungswache hatten dort einen Platz gefunden. Nach der Wende hätte das damalige Amt Dömitz das Gebäude gern von der Treuhand gekauft, um es als Verwaltungssitz zu nutzen. „Damals befand es sich noch in einem recht guten Zustand“, so die Bürgermeisterin. „Der geforderte Preis war aber so hoch, dass Kauf und Sanierung für das Amt zu teuer geworden wären.“ So wechselte das Haus im Laufe der Jahre von einem Privateigentümer zum nächsten und verfiel immer weiter.


 

 

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