Grabow : Alter Wasserturm in der Binnung vor dem Abriss

In luftiger Höhe gehen die Gerüstbauer am alten Grabower Wasserturm in der Binnung 66 ihrer Arbeit nach.
In luftiger Höhe gehen die Gerüstbauer am alten Grabower Wasserturm in der Binnung 66 ihrer Arbeit nach.

Baudenkmal fand für symbolischen Preis von einem Euro keinen Interessenten / Bis Ende März Areal beräumt

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03. März 2015, 22:00 Uhr

Flink geht den erfahrenen Männern der Gerüstbaufirma Sörgel & Bunsen aus Fahrbinde die Arbeit von der Hand. Der alte Wasserturm in der Grabower Binnung 66 wird bis zum Freitag eingerüstet sein, dann übernehmen Mitarbeiter der Schweriner Firma Alba den Auftrag, das alte Bauwerk abzutragen. „Bis zum 31. März sollen die Arbeiten beendet sein“, war gestern bei einem Ortstermin mit Wulf-Peter Bosecke, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow, zu hören.


Seit 50 Jahren nicht mehr als Anlage benötigt


Der Wasserturm Grabow wurde 1908 gebaut. Zuvor wurde im Jahr 1905 ein baugleicher Wasserturm in Parchim errichtet, ausgenommen die Größe der Hochbehälter: Der Grabower fasst 150 Kubikmeter, der Parchimer Wasserturm 200 Kubikmeter. „Die Stadtwerke Ludwigslust-Grabow GmbH haben den Wasserturm Grabow 1993 in Rechtsnachfolge übernommen. Doch für die öffentliche Wasserversorgung wird das Bauwerk bereits seit mehr als 50 Jahren nicht mehr benötigt“, erklärt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Eine öffentliche Nutzung, wie z.B. als Aussichtsturm, musste aufgrund der kleinen verfügbaren Grundfläche, nicht vorhandener Geschossdecken mit Treppe sowie des fehlenden Fluchtweges aufgegeben werden. Der Anbau eines stählernen Treppenturmes wäre notwendig, aber denkmalpflegerisch und städtebaulich nicht zielführend.

Die Tage des Wasserturms sind also gezählt. Das bedauert auch Grabows Bürgermeister Stefan Sternberg: „Damit verschwindet ein Stück Stadtgeschichte. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren als Stadt alle Varianten geprüft, um zu sehen, was noch möglich ist. Die Bausubstanz ist aber zu schlecht, das Mauerwerk ist von Schwamm befallen. Ein Käufer hätte dann noch eine Menge an Geld investieren müssen“, so der Bürgermeister.

Im Inneren des Turms ist das alte Holz schon heruntergeholt worden, die Ziegelsteine werden dann geschreddert und der Stahl wird dem Schrotthandel zugeführt. „Wir werden auch einen Teil der Treppe erhalten, die Fenster des Wasserturms werden eingelagert, die alten Gauben des Turms sind bereits abgebaut“, so Bürgermeister Sternberg.

Der Wasserturm Grabow wurde bis zum Jahr 2013 in der Denkmalliste beim ehemaligen Landkreis Ludwigslust und der Wasserturm Parchim als Einzeldenkmal des ehemaligen Landkreises Parchim geführt. Bei objektiver Betrachtung der Bauzustände schnitt der Wasserturm Grabow schlechter ab. Die Wiederherstellung des 1998 abgebrochenen Wasserturmkopfes und die Sanieung der Fenster, des Eingangstores und der verwitterten Außenfassade hätte nach einer vorliegenden Schätzung 280  000 Euro gekostet. Deshalb wurde der Wasserturm zuletzt zu einem symbolischen Kaufpreis von einem Euro mit Investitionsverpflichtungen angeboten, aber von allen Interessenten nicht angenommen. Zu viele Baudenkmäler wurden günstig verkauft, aber ohne Auflagen, dass die Käufer hier auch investieren und etwas aus diesem Objekt machen. Und deshalb blockieren diese Bauten auch die städtebauliche Weiterentwicklung.

Dem Antrag auf Abbruch wurde stattgegeben und an gleicher Stelle soll ein Wohnhaus errichtet werden. Eine Tafel soll an den Standort erinnern. Im Grabower Museum werden Teile des Wasserturms ausgestellt und in einer Bilddokumentation beschrieben.

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