Vielank : Alte Sprache des Nordens bewahren

Die Mitglieder des Vereins Vielanker Plattsnacker e.V. proben für die Aufführungen, damit am kommenden Sonnabend und Sonntag im Vielanker Brauhaus alles glatt läuft.  Fotos: Franziska Meier
Die Mitglieder des Vereins Vielanker Plattsnacker e.V. proben für die Aufführungen, damit am kommenden Sonnabend und Sonntag im Vielanker Brauhaus alles glatt läuft. Fotos: Franziska Meier

Vielanker Plattsnacker studieren neues Programm ein / Am Wochenende erste Vorstellungen im Brauhaus

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03. November 2015, 09:35 Uhr

Vielank Wenn Christel Drewes, Bürgermeisterin von Vielank, das Lied „In mien‘ Drohm“ anstimmt, bleibt dem Zuhörer gar nichts anderes übrig, als automatisch mitzuwippen. Die Melodie erinnert an den alten Country-Song „Take Me Home, Country Roads“ von John Denver und vermittelt ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Jürgen Brix, seit vier Jahren Vorsitzender des Vereins Vielanker Plattsnacker e.V., kontrolliert derweil Ton und Technik.

 „Wir lassen auch gerne mal besinnliche Lieder oder Stücke in unser Programm mit einfließen und versuchen dadurch, es dem Publikum so abwechslungsreich und spannend wie möglich zu machen“, erklärt Christel Drewes. Die 66-Jährige ist eines der Gründungsmitglieder und die stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Zur Truppe der Vielanker Plattsnacker, die 1982  gegründet worden war, gehören rund 20 Mitglieder an. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die plattdeutsche Sprache nicht aussterben zu lassen. In ihrem neuen zweieinhalbstündigen Programm führen sie ein Sammelsurium aus Liedern, Gedichten und Sketchen auf.

„Wir schreiben unsere Stücke selbst. Dazu trifft sich eine Gruppe von bis zu fünf Mitwirkenden. Dann werden Ideen gesammelt und gleich niedergeschrieben. Wir verwenden hauptsächlich Themen aus dem Alltag. So fühlt sich das Publikum angesprochen und findet sich in manchen Szenen wieder“, erklärt Hedi Jeewe, ebenfalls Gründungsmitglied. Marianne Leu ist seit zehn Jahren bei den Plattsnackern dabei und immer noch mit Freude. „Man kann auf der Bühne in die verschiedensten Rollen schlüpfen und sich jedes Mal neu erfinden“, erklärt die 59-Jährige. Sie arbeite bei der Sparkasse in Lübtheen und habe dort vor zehn Jahren die ehemalige Vorsitzende des Vereins, Edeltraud Litschko, getroffen. Sie sei mit ihr ins Gespräch gekommen und so habe alles seinen Lauf genommen, erinnert sie sich. „Ich denke, gerade weil wir Themen aus dem echten Leben aufgreifen, sind unsere Auftritte immer gut besucht“, sagt Marianne Leu. Die Vorstellungen am Sonnabend (19.30 Uhr)  und Sonntag (16 Uhr, Einlass ab 14.30 Uhr) auf der Bühne des Vielanker Brauhauses seien jedenfalls so gut wie ausverkauft.

Die Anzahl der Zuschauer ist offensichtlich  kein Problem, wie sieht es aber mit dem Nachwuchs aus? „Wir haben zwar ein paar junge Leute in unseren Reihen, würden uns aber über mehr Mitstreiter unterhalb der 30 Jahre freuen“, wünscht sich Christel Drewes. Sie spreche ganz gezielt Heranwachsende an und werbe für den Verein, wo immer sie sei, erzählt sie. „Bei Interesse kann man sich jederzeit an mich oder andere Mitglieder wenden“, betont die ehrenamtliche Dorfobere. Aktuell sind zwei junge Mädchen im Alter von 18 und 19 Jahren, Aline und Luise Heitmann, sowie Christine Holm, 30 Jahre, die jüngsten Protagonisten der Truppe.

„Durch meine Mutter bin ich zu diesem Verein gekommen“, sagt Christine Holm. Sie sei schon seit acht Jahren dabei und habe viel Spaß bei den Aufführungen. „Ich habe die plattdeutsche Sprache zum größten Teil hier erlernt. Und ich würde sagen, dass ich selbst nach dieser Zeit immer noch dazulerne“, verrät sie. Es mache ihr viel Freude, mit den Menschen aus dem Verein zusammenzukommen, um zu schauspielern oder zu singen.

Diese leidenschaftliche  Spielfreude aller Plattsnacker trägt an diesem trüben und vernebelten Abend dazu bei, dass man fast vergisst, dass es  ja erst einmal nur eine Probe ist.  Aber so soll es schließlich auch sein: ein Verein, der vielen eine zweite Familie ist, in der die alte Sprache des Nordens bewahrt bleibt.
 

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