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wöbbelin / neustadt-glewe : Als sich das Tor öffnete...

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

In den Gedenkstätten der ehemaligen KZ Wöbbelin und Neustadt Glewe wurde der Toten und der Befreiung vor 70 Jahren gedacht

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erstellt am 03.Mai.2015 | 20:00 Uhr

Sie kehrten an die Orte zurück, wo sie vor genau 70 Jahren befreit wurden: Ehemalige Häftlinge der Konzentrationslager Wöbbelin und Neustadt-Glewe gedachten am Sonnabend ihrer Befreiung am 2. Mai 1945 sowie des Martyriums unzähliger Menschen in jener Zeit. Gemeinsam mit ihnen gedachten Verwandte ehemaliger Häftlinge sowie Vertreter des Landkreises, der Kommunen und viele Bürgerinnen und Bürger.

An der Gedenkfeier auf dem ehemaligen Lagergelände des KZ Wöbbelin an der B 106 nahmen auch Bildungsminister Mathias Brodkorb und Landrat Rolf Christiansen teil. In einer bewegenden Rede sagte der Minister, dass Gespräche mit Zeitzeugen ein wesentlicher Punkt des Gedenkens seien. „Wie aber wird das Gedenken in 10, 20 oder 25 Jahren aussehen, wenn die Überlebenden mit ihrer Autorität nicht mehr ihre Stimme erheben können?“, fragte Minister Brodkorb.

Janusz Kahl aus Warschau schilderte u. a. die Stunde der Befreiung durch Angehörige der US-Armee, wie er und ein Freund sie erlebten: „Das Tor öffnete sich und ein Fahrzeug mit zwei Soldaten kam. Wir umarmten uns und vergossen Tränen.“

Musikalisch umrahmt wurde die Feier in der Gedenkstätte durch Kinder und Jugendliche der Freien Schule Güstrow. Bereits zuvor war am Sonnabendvormittag mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche Ludwigslust des 70. Jahrestages der Befreiung gedacht worden. Gedenkfeier und Gottesdienst gehörten zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen der „Internationalen Begegnung der Generationen“ anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Wöbbelin.

In Neustadt-Glewe wurde am Sonnabend der Befreiung des Außenlagers des Frauen-KZ Ravensbrück am 2. Mai 1945 durch sowjetische Soldaten gedacht. Am Gedenkstein auf dem ehemaligen Lagergelände am Flugplatz legten u. a. Stadtpräsidentin Silvia Weinaug und Bürgermeister Arne Kröger sowie EinwohnerInnen Kränze und Blumen nieder.

Bewegend der Augenblick, als die Überlebenden des Lagers Janina Iwanska (85) sowie die Schwestern Josefa Baranska (84) und Hanna Gontarszyk (81) aus Polen Blumen nieder legten. „Wir waren mit Mutter und unserer älteren Schwester auf den Todesmarsch getrieben worden. Die Schwester wurde erschossen. Unser Vater starb in einem Arbeitslager bei Frankfurt am Main“, berichtet Hanna Gontarszyk. „Gemeinsam mit Mutter erlebten Josefa und ich hier in Neustadt unsere Befreiung.“

Ann-Sophie Roder aus Frankreich, deren heute 94 Jahre alte Mutter ebenfalls in Neustadt-Glewe befreit wurde, betonte, dass es auch heute nötig sei, gegen die Ablehnung anderer Menschen, gegen Rassismus und Antisemitismus aufzutreten.

An der Gedenkfeier nahm auch Elfriede Schütt teil, Witwe von Karl-Heinz Schütt, der der die Geschichte des Außenlagers erforscht und mehrere Broschüren verfasst hat. Sein Wirken wurde am Sonnabend ebenfalls gewürdigt. Zu den Gedenkveranstaltungen in Neustadt-Glewe gehörte am Sonnabend auch ein Gedenken auf dem städtischen Friedhof, auf dem die evangelische Pastorin Silke Draeger zu einem Totengebet einlud.

 

 

 

 

 

 

 

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