Ludwigslust : Als Kind stets Buch dabei gehabt

Berndt Seite (r.) im Gespräch mit Bürgermeister Reinhard Mach und Astrid Kloock.
Berndt Seite (r.) im Gespräch mit Bürgermeister Reinhard Mach und Astrid Kloock.

Ex-Ministerpräsident Berndt Seite las in Ludwigslust aus einem seiner Bücher / Kukululu startete mit der Lesung neues Projekt

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27. März 2014, 07:00 Uhr

Er war Tierarzt, Landrat und Ministerpräsident. Jetzt arbeitet er als Schriftsteller. Am Dienstagabend stellte Berndt Seite Besuchern, darunter Bürgermeister Reinhard Mach, im Ludwigsluster Haus der Volkssolidarität sein Buch „Die Rampe oder an der Lethe wachsen keine Bäume“ vor. Nach eigener Aussage enthält es auch autobiografische Züge.

In dem Buch beschreibt Seite das Bild der Rampe als einen Ort, an dem sich Mensch und Tier auf der Schwelle von Leben und Tod gegenüberstehen. Es geht um das Geschehen in einer Quarantänezone auf dem Land. Bevor der Autor Passagen vorlas, erläuterte er den anwesenden Besuchern: „Der Ansatz des Buches war, zu zeigen, wie sich bei Menschen unter zunehmender Belastung die Persönlichkeitsstruktur verändert.“

Der Kunst- und Kulturverein Ludwigslust (Kukululu) startete mit der Buchlesung am Dienstagabend ein ganz neues Projekt mit dem Titel „Literatur und Gesellschaft“. Kukululu-Vorstand Astrid Kloock: „Bis August sind insgesamt sechs Lesungen und Gespräche mit ausgewählten Autoren geplant. Das Projekt wird von der Landeszentrale für politische Bildung gestützt. Die Veranstaltung am Dienstag wurde gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltet.“

Bereits vor Beginn der Lesung hatte Berndt Seite gegenüber SVZ betont, dass er schon immer den Gedanken gehabt habe, etwas aufzuschreiben. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und hatte immer Bücher bei mir, selbst beim Hüten der Kühe“, sagte Seite. Er habe aber nie wirklich Zeit gehabt, zu schreiben. „Heute bedauere ich es sehr, dass ich mit Beginn meiner Politikerzeit kein Tagebuch geschrieben habe. Aber ein Mitarbeiter riet mir ab und meinte, ich könnte mich mit einem Tagebuch später in Schwierigkeiten bringen. Wenn zum Beispiel ein Untersuchungsausschuss gebildet würde und die Eintragungen öffentlich gemacht würden.“

Erst 1998, nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, begann Seite Gedichte und Prosa zu schreiben. 2015 will er zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Tochter ein Buch herausgeben, dass sich mit der Stasiakte (über 6000 Seiten) seiner Familie beschäftigt. Arbeitstitel: „Gefangen im Netz der Dunkelmänner“. Seite machte deutlich, dass er keine Unterschiede zwischen „guten und bösen IM’s“ macht. „Alle müssen sich dafür verantworten“, sagte er. Er machte auch kein Hehl über seine Abneigung gegenüber der DDR. Auf eine daraufhin geäußerte Besuchermeinung, dass er doch „gut durch den Sozialismus“ gekommen sei, entgegnete Seite, dass er ja als Bauernsohn im „Arbeiter- und Bauernstaat“ studieren durfte.

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