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Ludwigsluster Tageblatt

19. Oktober 2017 | 16:45 Uhr

Ludwigslust : Als erste Spezialisten am Tatort

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kriminaldauerdienst der Kripo Ludwigslust ist seit einem Jahr im Dienst und war an Ermittlungen zu 2200 Fällen beteiligt

svz.de von
erstellt am 01.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Es gab sie nicht einmal sieben Stunden, da musste die Eingreiftruppe der Kripo schon beweisen, wie schnell sie agieren kann. „Um 6.40 Uhr saß am Neujahrsmorgen eine sexuell missbrauchte Person bei uns. Hilfe, erste Untersuchung und natürlich auch Befragung, das musste schnell gehen. Und es ging schnell, noch am Vormittag konnten wir den Täter stellen, der dann auch für seine Tat verurteilt wurde“, erinnert sich Kriminalhauptkommissar Dieter Schönrock an die erste Bewährungsprobe seines Kriminaldauerdienstes (KDD). Die rund um die Uhr verfügbare Truppe ist inzwischen ein Jahr im Dienst und sie hat sich gleich mehrfach bewährt. Das sagen die 20 zum Dienst gehörenden Kriminalisten, das sagen aber vor allem auch die Streifenpolizisten, die entlastet werden. Vor allem aber sprechen die Ermittlungsergebnisse für den 24-Stunden-Eingreifdienst. Sie sollen immer die ersten Spezialisten am Tatort sein, im zu Ende gehenden Jahr waren sie an 2200 Fällen beteiligt. „Meine Leute sehen alles, vom Unfall über den Brand bis hin zu Gewaltverbrechen. Das war früher nicht so, die Vielfalt macht es, und es gibt Kriminalisten, die diese Abwechslung in der Arbeit reizt“, weiß Schönrock. Das Schnelligkeit für die Kripo kein Werbespruch ist, zeigte sich auch bei einem Gewaltverbrechen, das in Groß Lasch passierte. Die Kripo war schnell da, konnte den Hinweisgeber, der am Ende auch der mutmaßliche Täter war, schnell befragen und überführen, weil die Spuren schnell gesichert werden konnten. So war das Tötungsdelikt schnell geklärt.

In maximal 45 Minuten ist der Dienst der Kripo Ludwigslust vor Ort, an jedem potenziellen Tatort im Kreis. Früher, als es den Dienst noch nicht gab, konnte es trotz Rufbereitschaft zwei Sunden und länger dauern. Dazu kommt, dass die Frauen und Männer vom Dauerdienst spezialisiert sind auf Spurensicherung und Sofortbefragungen. Die Polizisten der Reviere werden so entlastet. Auch in einem anderen sensiblen Punkt. „Wenn Todesnachrichten an Angehörige zu überbringen sind, machen wir das meist. Das ist für uns natürlich alles andere als angenehm, doch wir sind auch in diesem Punkt nicht nur vorbereiteter, wir können uns mehr Zeit nehmen für diese Gespräche, als es ein Kollege im Streifendienst kann“, weiß der 47-jährige Schönrock aus Erfahrungen.

Sein Dienst soll auch die anderen Kriminalisten entlasten. Tut er auch, sagt Kriminaloberrat Tom Sperling, der Chef des Kriminalkommissariats Ludwigslust. „Die anderen Kollegen haben dann Zeit für andere Ermittlungen und auch für die Schreibarbeit, die in allen Fällen enorm ist. Und durch die Arbeit des Dienstes haben wir auch besser gesicherte Spuren, als es vorher möglich war. Das macht Ermittlungen leichter.“

Sechs Fälle pro Tag sind es im Durchschnitt, die bei den Dauerdienstlern auflaufen. Und selbst wenn es keinen Tatort gibt, sitzen die Polizisten nicht in ihren Büros und drehen Däumchen. Dieter Schönrock: „Auch wir haben viel Schreibarbeit am Hals. Aber wir sind da, immer. Das hilft zum Beispiel bei Vermissten, wenn Adressen „angelaufen“ werden müssen, um jemanden zu finden, um Pressemeldungen vorzubereiten, Fotos von den Vermissten zu besorgen…“

Als der Dauerdienst vor einem Jahr gegründet wurde, musste mancher Kollege überredet werden für die neue Verwendung. Das Bild wandelt sich zunehmend. Der Dienst beim KDD ist nicht nur bei vielen Praktikanten in der Polizeiausbildung beliebt. „Es gibt auch etliche Kriminalisten, die genau dorthin wollen. Weil sie viel erleben, weil es sehr unterschiedliche Fälle sind und weil sie auch zu Ermittlungen kommen, die früher nicht von uns erledigt wurden“, weiß KDD-Chef Schönrock. Zwar ist die Kriminalpolizeiinspektion in Schwerin immer noch für die schweren Verbrechen zuständig, doch die Ludwigsluster sind schneller vor Ort und führen die Erstermittlungen. Das gab es früher nicht.

Auch Straftäter haben so ihre zeitlichen Vorlieben – freitags, sonnabends und Montagfrüh kommen die meisten Fälle bei der Kripo an. Entsprechend werden auch die Schichten verstärkt. Und es gibt auch Fälle, die gemacht werden müssen, die aber von der eigentlichen Arbeit abhalten. In den vergangenen Monaten hat die Kripo z. B. immer wieder mit „Ausreißern“ aus Kinder- und Jugendheimen aus der Region zu tun. Dabei gibt es auch Dauerausreißer, die manches Mal nur Stunden, nachdem sie gefasst wurden, schon wieder weg sind. Schönrock: „Das sind natürlich Momente, wo wir uns schon fragen, ob das so sein muss. Aber wir nehmen jeden Fall ernst, der Schutz von Leben geht vor.“

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