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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 08:12 Uhr

Wöbbelin : Als der Krieg zu Ende ging

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Arbeitsgruppe Regionalgeschichte tauschte in Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin Forschungsergebnisse aus

von
erstellt am 23.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Auf einem Foto sind Kriegsgefangene zu sehen, auf einem anderen Baracken und wieder ein anderes Bild zeigt deutsche Offiziere. Immer wieder betrachten die Frauen und Männer, die sich an diesem Vormittag in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin treffen, die Abbildungen.

Die Teilnehmer des Treffens gehören zur vor einem Jahr gebildeten Arbeitsgruppe Regionalgeschichte, die vor allem Geschehnisse in der Region gegen Kriegsende 1945 erforscht. Ziel ist es, sich gegenseitig in der Forschungsarbeit zu unterstützen und neueste Erkenntnisse auszutauschen.

So berichtete Wolfgang Utecht aus Rastow an diesem Vormittag über seine Forschungen zur Luftwaffenmunitionsanstalt (Muna) Rastow-Pulverhof. Gerhard Düker aus Neustadt-Glewe weist auf sein kürzlich erschienenes Buch zur Stadtgeschichte hin. „Bei den Recherchen bin ich auch auf das Schicksal von Sintis und Romas gegen Kriegsende in Neustadt-Glewe gestoßen. Hier will ich jetzt versuchen, mehr herauszufinden“, so Gerhard Düker. Dr. Helga Niet aus Schwerin befasst sich vor allem mit den „Weißen Bussen“ des Schwedischen Roten Kreuzes, die kurz vor Kriegsende 1945 zur Rettung skandinavischer Gefangener unterwegs waren. Bei einem Fliegerangriff auf solche Busse nahe Schwerin wurden mehrere Skandinavier verletzt. „Acht bis zehn Personen wurden dann in einem Schweriner Krankenhaus behandelt, aller Wahrscheinlichkeit nach im Krankenhaus Werderstraße“, fand Dr. Helga Niet jetzt heraus. Den Fall eines Häftlings aus einem KZ-Zug untersucht Dr. Reinhold Kunze aus Lübesse. „Er wurde bei Ortkrug verscharrt. 1949 gab es dazu polizeiliche Untersuchungen“, berichtete Dr. Kunze.

In diesem Zusammenhang informierte Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, darüber, dass es viele Anfragen zum Thema der KZ-Züge gibt. „Speziell geht es um die Bahnstrecke zwischen Wittenberge und Ludwigslust. Entlang der Gleise wurden offenbar verstorbene Häftlinge verscharrt“, sagte Ramona Ramsenthaler. „Es gibt Briefe von Überlebenden, allerdings stimmen die Ortsbezeichnungen oft nicht, vermutlich durch die Übersetzung ins Französische.“

Ein weiterer Schwerpunkt auf der Sitzung der AG war das Stalag II E einschließlich der Zwangsarbeit in der Region. Bei Stalag II E handelt es sich um das damalige Kriegsgefangenenlager am Stadtrand von Schwerin nahe des heutigen Großen Dreeschs mit seinem Außenlagers Stern Buchholz. Hobby-Forscherin Anja Fischer aus Schwerin stellte ihre Forschungsergebnisse dazu vor, präsentierte auch eingangs erwähnte Fotos. Sie will jetzt herausfinden, wo welches Foto genau entstanden ist. Die Arbeitsgruppe wird nun in naher Zukunft vor Ort auf Spurensuche gehen: im ehemaligen Lagergelände Stern Buchholz.

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