Karenz : Als „Chef“ zurück in die eigene Kita

Nicht mit Hühnerbeinen, aber genauso ulkig wie das Hexenhaus von Baba Jaga. Die Kita-Kinder freuen sich über ihren Spielplatz, der im vergangenen Jahr neu gestaltet wurde.
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Nicht mit Hühnerbeinen, aber genauso ulkig wie das Hexenhaus von Baba Jaga. Die Kita-Kinder freuen sich über ihren Spielplatz, der im vergangenen Jahr neu gestaltet wurde.

In Karenz ist eine Elterninitiative Träger der Kindereinrichtung. Thomas Schult ist seit zwei Jahren deren Vorsitzender.

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06. März 2016, 22:00 Uhr

Das Backsteinhaus im Karenzer Schulweg 2 kennt Thomas Schult schon seit Jahrzehnten. Erst ging er dort selbst in den Kindergarten, später brachte er sein Kind dorthin. Und auch heute ist der Karenzer noch regelmäßig dort – nun aber quasi als Chef der Einrichtung. Seit rund zwei Jahren ist er Vorsitzender der Elterninitiative Kinderland e.V., die Anfang der 1990er-Jahre die Trägerschaft über die Kita übernommen hatte, als die Gemeinde sie abgeben wollte und nach einem freien Träger suchte. Damals wie heute eine große Verantwortung und Herausforderung für einen ehrenamtlich geführten Verein. Ansonsten ist das „Kinderland“ eine Kita wie jede andere – fast.

Es ist 9.30 Uhr. Die „Großen“ sitzen an ihren Tischen, schneiden Papier und kleben die bunten Schnipsel auf braune Pappröhren. „Wir bauen ein Flüsterrohr“, erklärt Maximilian. Ganz fertig sind die Kinder mit ihrer Arbeit noch nicht, aber ausprobiert haben sie die bunten Rohre schon. „Ich habe Fußballtor reingeflüstert und Marion Blume“, erzählt Lennart. Die Arbeit ist Teil des Projektes „Schnipseln, Kritzeln, Modellieren“, das die Mädchen und Jungen über mehrere Woche begleitet. „Die Kinder haben es sich selbst ausgedacht“, erklärt Kita-Leiterin Simone Gaethke. Im Flur hängen schon Figuren aus Zeitungsschnipseln.

Während die „Großen“ ihre Bastelsachen wegräumen und die Kleinen schon auf den gerade neu gestalteten Spielplatz stürmen, räumt Petra Reder, die technische Kraft der Kita, das Geschirr vom Frühstück weg. „Wir essen gemeinsam Frühstück. Die Kinder schmieren sich das Brot selbst, suchen sich aus, was drauf kommt“, erklärt Simone Gaethke. Die Ganztagsverpflegung gibt es in der Karenzer Kita schon lange. „Viel länger, als es das Gesetz dazu gibt“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Simone Timmermann, die ebenfalls aus Karenz stammt. Und Thomas Schult ergänzt: „Uns lag es am Herzen, dass die Kinder gemeinsam essen, ohne dass soziale Unterschiede eine Rolle spielen.“

In der Karenzer Kita kümmern sich vier Erzieherinnen um derzeit 31 Kinder. „Wir haben mehr Personal als gefordert“, sagt Thomas Schult mit Blick auf den Betreuungsschlüssel. Und nicht nur das. Es gibt auch keine Schließzeiten, solange Kinder betreut werden müssen. Trotzdem seien die Elternbeiträge niedriger als anderswo. „Wir achten darauf, kostendeckend zu arbeiten“, erklärt Thomas Schult. „Aber wir müssen keinen Gewinn machen.“ Dass der Vorstand des Vereins alle Verwaltungsarbeiten – ob zu Personal, Bauvorhaben, Elternverträgen oder anderem – ehrenamtlich und unentgeltlich erledigt, hilft dabei. Aber auch das Engagement von Eltern, die nicht nur Kuchen für Feste backen und diese begleiten. „Auch wenn mal etwas kaputt ist, findet sich meist ein Vater, der es repariert“, sagt die Kita-Leiterin. Selbst die Wickelauflagen haben zwei Väter, die Tischler sind, selbst gebaut.  

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