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Neustadt-Glewe : Alles begann mit Bus aus dem Wald

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Omnibusbetrieb & Reisebüro Kröger GmbH in Neustadt-Glewe begeht heute 70. Firmenjubiläum

Ein 26-Jähriger kehrt aus dem Krieg heim. Zu Hause ist alles knapp – auch Fortbewegungsmittel. „Was tun?“, fragt sich der junge Mann. Und kommt auf die Idee: „Ich steige ins Fuhrgewerbe ein.“ Der Heimkehrer – es ist Heinrich Kröger aus Neustadt-Glewe. In den folgenden Jahrzehnten steigt „Bus-Kröger“, wie das Unternehmen in aller Munde heißen wird, zu einer erfolgreichen Firma auf.

Am heutigen Freitag feiert das Unternehmen 70. Geburtstag. „Los ging es mit zwei recht abenteuerlichen Bussen“, erzählt Axel Kröger, Heinrichs Sohn und heute Geschäftsführer der Omnibusbetrieb & Reisebüro Kröger GmbH. Heinrich Kröger startete 1946 nämlich mit zwei Bussen, die aus dem Wald geholt und hergerichtet wurden. „Durch den TÜV wären die nie gekommen“, so Axel Kröger.

Aber immerhin: Fahrgäste gab es genug. Axel Kröger: „Die Bauern aus Zierzow, Muchow oder Ziegendorf beispielsweise wollten ihr Obst, die Kartoffeln oder Hühner in die Stadt bringen und gegen Waren tauschen. Da kam der Bus recht.“

„Bus-Kröger“ blieb in all den folgenden Jahren rechtlich selbstständig, fuhr zunächst mit Konzessionen für Überlandlinien, später im Auftrag des damaligen VEB Kraftverkehr. „So recht geduldet war das Unternehmen aber nicht“, erinnert sich Axel Kröger, der 1952 geboren wurde. Immer wieder gab es Schwierigkeiten. „Neue Busse konnten nicht einfach gekauft, sondern mussten beantragt werden. Und die waren nicht neu, sondern beim Kraftverkehr schon aussortiert und mindestens 20 Jahre alt. Sie wurden dann auf dem Grundstück meiner Eltern, wo Wohnhaus und Betrieb standen, wieder verkehrstüchtig gemacht. Allerdings hielten die Busse wegen ihres Alters meist nur zwei Jahre durch.“

Vielleicht hätten die DDR-Oberen „Bus-Kröger“ irgendwann gar nicht mehr geduldet. Axel Kröger: „Doch es gab einen Vorteil: den Industriestandort Neustadt-Glewe. Bis zu 3500 Menschen mussten täglich aus den umliegenden Städten und Dörfern in die Industriebetriebe Neustadts gebracht werden, wo in drei Schichten gearbeitet wurde.“

Zu Hochzeiten rollten vor der Wende in der Region bis zu zehn „Kröger-Busse“. Doch irgendwann kamen auch keine Ersatzfahrzeuge mehr. Die DDR stand auch vor dem Kollaps. „Es gab einfach nichts mehr, auch keine Busse vom Kraftverkehr“, erinnert sich Axel Kröger. Doch Vater Heinrich wusste sich auch jetzt zu helfen. In Gera gab es einen „Geheimbetrieb“. Der baute Busse aus alten Teilen zusammen, steckte alles samt Motor in eine Ikarus-Karosserie und fertig war ein „neuer“ Bus. Axel Kröger: „Offiziell durfte die DDR als Mitglied im ,Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe’ keine Busse bauen. Aber der Trick funktionierte und die ,neuen’ Busse wurden mit alten Papieren zugelassen.“

Zur Wende dann stand „Bus-Kröger“ vor der Entscheidung: „Entweder oder...“ „Mit dem Fuhrpark damals – die Busse waren im Durchschnitt 20 Jahre und älter – konnten wir uns den Mitbewerbern nicht stellen“, so Axel Kröger, der im Lederwerk Schlosser gelernt hatte und bereits 1973 als solcher im Betrieb des Vaters anfing.

Die Entscheidung fiel: Es wird investiert, der Betrieb geht weiter. Heinrich Kröger knüpfte entsprechende Kontakte, und schon bald rollte der erste „West-Bus“ auf den Hof: ein Kässbohrer GTH, den ein Busunternehmer von jenseits der Elbe, den Heinrich Kröger kennen gelernt hatte, zur Verfügung stellte.

„Mit diesem Bus ging es auf die erste Paris-Tour“, erzählt Axel Kröger, der in dieser Zeit in die Führung des Unternehmens „hineinwachsen“ musste. Denn Heinrich Kröger war 1990 zum ersten Neustädter Bürgermeister nach der Wende gewählt worden und nun in der Politik gebunden, wie Sohn Axel erzählt. „Nun musste ich mich kümmern und mit der Struktur des Unternehmens beschäftigen“, schmunzelt Axel Kröger. Ganz offensichtlich tat er das gründlich. Denn heute ist „Bus-Kröger“ ein weit über Neustadt-Glewe bekanntes Unternehmen mit elf Bussen (acht im Linien- und drei im Reiseverkehr) sowie 16 Mitarbeitern. Im Linienverkehr werden täglich 1400 Personen befördert, im Jahr 235  000 Kilometer im ÖPNV gefahren. Im Unternehmen, das seit 1999 in der Sandstraße seinen Sitz hat, gibt es einen Betriebshof mit Garage, Werkstatt, Tankstelle und Waschanlage. Im Mietverkehr, den die Firma anbietet, können Busse für Reisen einschließlich Reiseleitung, Essen und Ausflüge gemietet werden.

Übrigens gehört zur Firma auch ein eigenes Reisebüro in der Sandstraße. Wer mal nicht Bus fahren möchte, kann hier auch seine Flugreise samt Hotel buchen. Und könnte dabei an Jacqueline Kröger geraten. Die 37-Jährige gelernte Reiseverkehrskauffrau ist Axel Krögers Tochter und seine „rechte Hand“, wie der Vater sagt. Eine Familientradition setzt sich fort...

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erstellt am 13.Mai.2016 | 06:15 Uhr

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