Forum in Niendorf : Alleingelassen mit dem Wolf

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Landwirte, Jäger und Bürger fordern Taten von der Politik

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07. März 2018, 05:00 Uhr

Schäfer Klaus Seebürger „kämpft“ seit gut zehn Jahren, um den Wolf auf Distanz zu halten. „Wir haben jeden Tag zehn bis 20 Prozent mehr Arbeit. Um noch mehr Zäune um unsere Herden zu bauen, mit den Herdenschutzhunden und, und, und“, sagt der Pretener. „Wir vollbringen also jeden Tag Taten für den Wolf. Jetzt brauchen wir Taten, was den Umgang mit ihm angeht.“

Klaus Seebürger war am Montagabend in das Gemeindehaus in Niendorf an der Rögnitz gekommen, um bei einer Informationsveranstaltung des CDU-Gemeindeverbandes Dömitz-Malliß zum Thema „Der Wolf ist da. Wie weiter?“ dabei zu sein. Es war die versprochene Fortsetzung einer Veranstaltung der Christdemokraten aus dem Vorjahr. „Wir hatten die Politiker damals aufgefordert, die Anregungen und Sorgen der Menschen mitzunehmen und tätig zu werden“, sagte Gemeindeverbandsvorsitzender Ronny Schult. „Jetzt wollen wir sehen, was erreicht wurde.“

Der Saal im Niendorfer Gemeindehaus war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, als es um den Wolf ging.
Kathrin Neumann
Der Saal im Niendorfer Gemeindehaus war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, als es um den Wolf ging.
 

Kai Umland, Leiter des Referats Obere Naturschutzbehörde im Schweriner Umweltministerium, verwies darauf, dass das Land mehr Geld für Präventionsmaßnahmen und Schadensausgleich bereitgestellt habe. Zudem werde die Förderrichtlinie Wolf überarbeitet. Die Novelle soll möglichst am 1. Januar 2019 in Kraft treten. „Wir wollen unter anderem die De-minimis-Regelung entfallen lassen und weitere zuwendungsfähige Aufwendungen, zum Beispiel das Futter für Herdenschutzhunde, aufnehmen“, so Kai Umland. Da von der EU keine 100 Prozent gefördert werden, wolle man voraussichtlich mit 80 Prozent ins Rennen gehen. Der Referatsleiter erwähnte zudem die Initiativen von Till Backhaus (SPD) in der Umweltministerkonferenz, unter anderem zur Definition des günstigen Erhaltungszustandes der Art Wolf und zum strengen Schutzstatus.

CDU-Bundestagsabgeordneter Dietrich Monstadt erklärte, dass der Wolf Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden habe. Das müsse nach der Regierungsbildung auf ministerieller Ebene ausgestaltet werden. „Wir müssen dazu kommen, dass Problemwölfe in anderer Form als bisher entnommen werden können.“ Gunnar Hennings, Referent für Landwirtschaft in der CDU-Landtagsfraktion, verbuchte auf der Haben-Seite, dass die Haushaltsmittel aufgestockt worden seien. „Aber wir warten immer noch auf die Wolfsverordnung, die vom Minister zugesagt worden war.“

Dass das Nachbarland Brandenburg da deutlich weiter ist, beschrieb Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forums Natur Brandenburg. Dort war am 1. Februar eine Wolfsverordnung in Kraft getreten, die es unter bestimmten Voraussetzungen erlaube, einen Wolf bzw. ein ganzes Rudel zu fangen, zu betäuben, zu vergrämen oder sogar zu töten. Der erste Antrag sei für das Dobbrikower Wolfsrudel gestellt, erklärte Beyer am Montagabend. Zuvor hatte er durchaus erschreckende Bilder und Zeitungsberichte von Wolfsübergriffen in Brandenburg präsentiert – und damit den Nerv fast aller Zuhörer im Saal getroffen. Denn sie fühlen sich mit dem Problem Wolf, mit den unmittelbaren und mittelbaren Schäden von der Politik alleingelassen. „Der Wolf kann machen, was er will“, sagte Hans-Werner Mau, Geschäftsführer der Niendorfer Landerzeuger. Auf einer Weide des Unternehmens war im Sommer ein 400 Kilogramm schwerer Jungochse gerissen worden. Gregor Beyer verwies auf Schweden und Finnland, wo Wölfe unter bestimmten Umständen bereits getötet werden dürfen. Seiner Aussage, dass das durch alle Instanzen durchgeklagt sei, widersprach Hans-Joachim Schreiber, Abteilungsleiter Naturschutz im Schweriner Ministerium. Seinen Informationen aus der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft nach werde gegen Schweden ein Klageverfahren der EU-Kommission vorbereitet, und Finnland wolle die Frage dem Europäischen Gerichtshof zur Entscheidung vorlegen.

Übrigens: Gestern teilte das Brandenburger Landesumweltamt mit, dass der Antrag auf Abschuss des Dobbrikower Rudels abgelehnt wurde, weil die Voraussetzungen fehlen würden.

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