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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 04:49 Uhr

Alle stemmen sich gegen nahende Flut

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erstellt am 06.Jun.2013 | 08:03 Uhr

Dömitz/Heiddorf | Nur einen Steinwurf vom Deich in Heiddorf entfernt wohnt Heinrich Holtz mit seiner Frau. Der ehemalige Müller fürchtet weniger das Hochwasser, wohl aber einen Dammbruch vor der Haustür. Und das ist nicht seine einzige Sorge. "Ich befürchte, dass die neu gemauerte Dammwand entlang des Überflutungsbeckens das Grundwasser nicht in das Becken wegsickern lässt", sagte der 73-Jährige. "Stattdessen wird es, sobald es steigt, in die Keller der Häuser hineindrücken." Dennoch bleibt Heinrich Holtz ruhig und hofft auf den Deich an der Müritz-Elde-Wasserstraße. Die meisten anderen Anwohner sehen das offenbar genauso. Gestern Vormittag war in Heiddorf noch niemand zu sehen, der sein Hab und Gut vor möglicher Überflutung in Sicherheit brachte. Die eine oder andere Vorsichtsmaßnahme wurde jedoch getroffen. So fällt das große Fest in der Kindertagesstätte der Volkssolidarität in Neu Kaliß auf der Insel "Hierfindenwirunswieder" aus, wie Leiterin Käthi Geister informierte. Der Betrieb der Kita mit Hort werde aber nicht unterbrochen und auch geräumt werde nicht - noch nicht. Die Tagesstätte wäre - wie das Wasserkraftwerk und einige Wohnhäuser - durch ihre Lage eines der ersten Gebäude, die das Hochwasser erreicht.

Die Deichverteidigung an Elbe und Müritz-Elde-Wasserstraße im Amt Dömitz-Malliß läuft seit gestern auf Hochtouren. Hunderte Feuerwehrleute, freiwillige Helfer und Bundeswehrsoldaten vom Panzergrenadierbataillon 401 Hagenow sind im Einsatz, um der nahenden Flut ihre zerstörerische Kraft zu nehmen. "Als ersten und wichtigsten Schritt heute Morgen werden wir beginnen, unser Dorf zu schützen", sagte Gemeindevertreter Frank Ahlers am Fuß des Heiddorfer Deiches. Und dann werden bereits Hunderte Sandsäcke von einem Lastwagen der Bundeswehr auf der Deichkrone abgeladen. Um 50 bis 150 Zentimeter werden die Dämme in diesem Bereich erhöht, um das Niveau des Elbdeichs bei Dömitz zu erreichen. Seit der Nacht hatten die Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Lübtheen 20 000 Sandsäcke gefüllt, informierte Kommandeur Oberstleutnant Michael von Block.

Im benachbarten Dömitz ist keine große Unruhe zu spüren, allenfalls kontrollierte Vorsorge. Die Orgel in der katholischen Kirche werde voraussichtlich ab Sonnabend wieder ihren Platz auf dem Altar finden, bis die Hochwassergefahr gebannt ist, sagte Diakon Christophorus Baumert. "Gestühl und alles, was auch beim Hochwasser 2002 vor den Fluten geräumt werden musste, wird ab Sonnabend mit Helfern in Sicherheit gebracht."

Auch Christian Hoffmann will am Sonnabend räumen. Bis gestern hatte er in seiner Pension mit "Märchen-Café" noch Gäste. Eine Überflutung gleich zu Beginn der Saison wäre ein Desaster. Dass derzeit fast alle Buchungen storniert werden, sei verständlich. "Doch kommt das Wasser bis ins Haus, dauert es Wochen, bis der Pensionsbetrieb fortgesetzt werden kann", so Hoffmann. Nur das Nötigste wollen Volker und Renate Thomas ins Obergeschoss transportieren. Wird es brenzliger in ihrem Haus "Am Wall" mit Blick auf die Elbe, will das Rentnerpaar mit Dackel "Max" zum Sohn nach Breetz.

Christel Fuhrmann wird bleiben - wie beim Hochwasser 2002. Sie macht sich mehr Sorgen um ihre beiden Katzen als um ihr Haus am Werder. Mit ihren 86 Jahren hat sie alle jüngsten Jahrhundertfluten überstanden. "Ich sichere nur Heizungsanlage und Öltanks, werde im Obergeschoss leben. Das ist höher als jeder Deich." Die Elbe hat sie immer im Blick.

Die Prognosen für die Pegelstände haben sich gestern weiter verbessert. Mittlerweile wird der Scheitel in Dömitz mit 6,90 Metern erwartet. "Wir sind jetzt ein bisschen entspannter", sagte der Amtsvorsteher von Dömitz-Malliß, Burkhard Thees, "werden aber den Deich im Bereich Heiddorf/Neu Kaliß wie geplant erhöhen." Dank Bundeswehr, Feuerwehr und vieler freiwilliger Helfer sei schon viel geschafft worden. Weitere Kräfte von außen würden vorerst aber nicht benötigt werden, sagte Thees und dankte den Helfern. Auch denen, die nicht selbst zur Schaufel greifen konnten. "Einige kamen mit Getränken und Essen für die Helfer. Eine sehr nette Geste."

Die ursprünglich geplante Erhöhung des kompletten Elbdeiches ist angesichts der gestrigen Prognosen auf Eis gelegt, so ein Landkreis-Sprecher. Sollten sich die Vorhersagen ändern, könne die Aktion aber jederzeit wieder aufgenommen werden.

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