Neustadt-Glewe : Algenpark: Stadt zieht Reißleine

Nur die Gewächshäuser stehen auf dem Gelände.  Fotos: arciv
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Nur die Gewächshäuser stehen auf dem Gelände. Fotos: arciv

Ein halbes Jahr nach symbolischem Produktionsbeginn ist im geplanten Algen-Park Neustadt-Glewes noch nichts passiert

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05. November 2014, 07:00 Uhr

Der geplante Algenpark in Neustadt-Glewe – jetzt zieht die Stadt die Reißleine. Denn noch immer tut sich auf dem Gelände an der Laascher Straße nichts.

Vertreter der Algen-Parks AG Berlin (ALPAG) hatten beim symbolischen Spatenstich im Mai verkündet, hier eine Produktionsanlage zu errichten und ab Ende August mit der Mikroalgen-Produktion zu beginnen (SVZ berichtete). Zuletzt fragte SVZ am Montag dieser Woche bei ALPAG nach. Wieder wollte sich Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Brückner nicht genau festlegen: „Eine kleine Algen-Erntemaschine wird Ende dieser oder Anfang nächster Woche ausgeliefert. Theoretisch könnte dann mit der Produktion begonnen werden. Doch es müssen noch einige Module installiert werden. Im Laufe des November geht es los.“

Offenbar glaubt man in der Stadtverwaltung solchen Versprechungen nicht mehr. Bürgermeister Arne Kröger: „Wir haben hier einem möglichen Investor die Möglichkeit eröffnet, eine sinnvolle Weiternutzung der vorhandenen Hallen vorzunehmen. Hier wurden Versprechungen gemacht und nunmehr werden wir vertröstet. Ich habe dem Investor eine ganz klare Botschaft übermittelt, wann hier Geduldsfäden überspannt sind. Insofern werden wir hier jetzt die notwendigen Schritte gehen und beim Landkreis mitteilen, dass die im Baulastenverzeichnis für dieses Grundstück eingetragene Rückbauverpflichtung aus unserer Sicht greift, da seit mehr als drei Jahren keine Nutzungen vorliegen.“

Bereits im August 2012 hatte die Kreiszeitung aus Bassum (Niedersachsen) berichtet, dass dort der erste Spatenstich für Europas größter Indoor-Produktionsanlage für Mikroalgen durchgeführt wurde. Beteiligt waren damals die Firma Novagreen aus Langförden und die Ökologische Projekte AG (ÖPAG, nach Insolvenzverfahren im Frühjahr 2014 aufgelöst) aus Berlin. Aufsichtsratsvorsitzender der ÖPAG damals: Klaus Brückner, heute in gleicher Funktion bei der ALPAG.

15 Monate später berichtete die Kreiszeitung im November 2013, dass sich der „furiose Auftakt“ als „Luftnummer“ entpuppt habe. Novagreen Geschäftsführer Rudolf Cordes sagte der Zeitung damals, man habe sich von der ÖPAG getrennt, es habe von Anfang an Probleme gegeben. Cordes am gestrigen Dienstag gegenüber SVZ: „In Neustadt-Glewe zieht man offenbar die gleiche Masche ab wie damals bei uns. Man sammelt Geld für Projekte, die noch gar nicht fertig sind. Auch wir wurden damals immer wieder vertröstet.“

Nachdem er in der SVZ die Beiträge über die ALPAG-Pläne in Neustadt-Glewe gelesen hatte, meldete sich bei unserer Zeitung ein Anleger, der nach eigenen Angaben Geld bei der damaligen ÖPAG investiert hatte. „Ich habe bei der ÖPAG einen größeren Betrag investiert. Mir wurde eine monatliche Zinsauszahlung von sechs Prozent plus ein Gewinn am Jahresende zugesichert“, so der Anleger (Name der Redaktion bekannt). Von Ende 2012 bis August 2013 sei mit der ÖPAG alles gut gelaufen, ab September sei die Gewinnausschüttung plötzlich von der ALPAG gekommen, so der Anleger. „Über den Wechsel wusste ich nichts.“ Die letzte Zahlung schließlich sei im Juli 2014 von der ALPAG gekommen.

ALPAG-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Brückner: „Ich und weitere Führungskräfte sind ein Dreivierteljahr vor der Insolvenz aus der damaligen ÖPAG ausgeschieden. Die heutige ALPAG hat nichts mit der ÖPAG zu tun.“ Auf die Frage, an wen sich Personen, die Geld bei der ÖPAG angelegt haben, sagt Klaus Brückner: „Sie müssen sich an den für die ÖPAG zuständigen Insolvenzverwalter wenden.“ Gleichzeitig versichert Brückner, dass ALPAG (laut Handelsregister im Oktober 2013 gegründet) kein Geld von Privatpersonen verwendet. „Wir nutzen nur eigenes Geld.“

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