Hülseburg : Alarm an Brunnen 3 in Hülseburg

Bei Hülseburg (rechte Nadel) befindet sich der belastete Brunnen.
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Bei Hülseburg (rechte Nadel) befindet sich der belastete Brunnen.

Grenzwert für Pflanzenschutzmittel um das Dreifache überschritten / Wasserbeschaffungsverband bezieht Land in Krisenlösung ein

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10. März 2014, 18:30 Uhr

Von außen sieht er völlig harmlos aus, der Brunnen drei des Wasserwerkes Hülseburg an der Straße nach Parum. Doch in 43,5 Metern Tiefe sind jetzt bei einer Überprüfung bedenkliche Mengen des Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffs MCPP (Mecoprop) nachgewiesen worden. Erlaubt sind 0,1 Mikrogramm je Liter, gemessen wurden jedoch 0,26. Der Wasserbeschaffungsverband Sude-Schaale hat sofort reagiert und sichert die Wasserqualität in Hülseburg, indem er nur noch sehr wenig Wasser aus dem befallenen Brunnen nimmt und es mit dem Rohwasser der anderen beiden Brunnen mischt. „Wir haben versucht, so schnell wie möglich zu reagieren. Eine Gefahr für die Bürger besteht nicht, im Moment jedenfalls“, so Ralph Rassmann, der geschäftsführende Leiter des Verbandes. Zugleich wurde in Kooperation mit den Behörden eine verschärfte Beprobung des Brunnens verordnet. Von Hülseburg aus werden derzeit 3500 Menschen versorgt. Dazu gehören u.a. Gammelin, Bandenitz, Hoort und der Zachuner Bereich.

Das nachgewiesene Mittel ist ein Herbizid, das seit mehr als 50 Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt wird und zurzeit auch weiterhin auf Ackerflächen, Böschungen und Grünstreifen entlang von Verkehrswegen eingesetzt werden darf, wie der Landkreis in einem amtlichen Schreiben bestätigte. Zugleich wurde in Hülseburg auch noch Dichlorprop, ein Herbizid und Pflanzenwachstumsregulator, nachgewiesen. Rassmann: „Das Zeug ist seit Jahrzehnten im Boden unterwegs, ich glaube kaum, dass wir hier einen Verursacher finden werden, zumal das Mittel heute noch zugelassen ist. “

Da die beiden anderen Brunnen in Hülseburg direkt neben dem Havariebrunnen liegen, ist es aus Sicht des Verbandes nur noch eine Frage der Zeit, dass auch sie betroffen sind. Solange wolle man nicht warten. Und so hat der Vorstand des Verbandes beschlossen, in Zwölf Apostel nahe Wittenburg einen weiteren Brunnen bohren zu lassen und von dort eine Trinkwasserleitung in Richtung Hülseburg zu bauen. In dem Dorf Zwölf Apostel gibt es bereits Tiefbrunnen (100 Meter Tiefe), die Wittenburg versorgen. Nachdem die Planungen für das Projekt begonnen hatten, kam die Nachricht vom Landesamt „Lung“, dass man in Zwölf Apostel in 40 Metern Tiefe bereits ebenfalls auffällige Proben mit Pflanzenschutzmitteln gefunden habe. Das war bereits 2009, nur der Verband wusste nichts davon. Eigentlich sollte rund um Zwölf Apostel längst ein Trinkwasserschutzgebiet entstanden sein, doch das hat bisher nicht geklappt.

Beim Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Schwerin nimmt man den Hülseburger Vorfall ernst, sehr ernst sogar. Hier habe man bei einem Brunnen das Dreifache des erlaubten Grenzwertes gemessen, das müsse man sehr ernst nehmen, so Minister Till Backhaus im Gespräch mit der SVZ. Als Sofortmaßnahme sei eine weitere Messstelle in der nahen Motel eingerichtet worden. Zudem werde der Brunnen sehr genau beobachtet und alle vier Wochen beprobt. Ansonsten sei die nachgewiesene Konzentration an Pflanzenschutzmitteln keine gesundheitliche Gefahr, wohl aber ein hygienisches Problem.

Strategische Überlegungen, wie sie der sehr erfolgreich arbeitende Verband anstelle, seien grundsätzlich richtig, aber wohl noch etwas verfrüht. Der Wasserbeschaffungsverband hatte im Ministerium schon nach Förderung für die wohl knapp zwei Millionen Euro teure Ersatzmaßnahme nachgesucht. Backhaus sieht sich durch den Hülseburger Vorfall bestätigt, dass man sich deutlich mehr mit der Reinheit des Trinkwassers beschäftigen müsse.

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