Grabow : Akten der Amerikafahrer wie neu

Katharina Lußky zeigt Bürgermeister Stefan Sternberg die restaurierten Auswandererdokumente.
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Katharina Lußky zeigt Bürgermeister Stefan Sternberg die restaurierten Auswandererdokumente.

Katharina Lußky übergab dem Grabower Stadtarchiv die in den letzten Monaten aufwändig restaurierten Auswanderungsunterlagen

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06. April 2017, 10:17 Uhr

Katharina Lußky öffnet behutsam den Einband, zum Vorschein kommen Dokumente, die zum Teil über 180 Jahre alt sind. Die vor ihr auf dem Tisch im Büro des Bürgermeisters liegenden Aktenbücher gehören zu den ganz wertvollen historischen Beständen im Grabower Stadtarchiv. Es sind Auswanderungsakten von Menschen aus der Region, die nach Amerika übersiedelten. In den vergangenen Monaten hatte die Berliner Papierrestauratorin Katharina Lußky die Unterlagen aufwändig aufgearbeitet. „Die Auswandererakten sind nun vollständig restauriert“, freut sich Stadtarchivarin Simona Pries. Die Unterlagen umfassen den Zeitraum von 1837 bis 1897, es handelt sich dabei um ein Komplettregister mit Daten zu Personen aus Grabow und den umliegenden Gemeinden, die damals ausgewandert sind. Das Register enthält Aufnahmescheine mit persönlichen Daten, die für die Überfahrt mit den Schifffahrtsgesellschaften nach Amerika notwendig waren.


Projekt über Programm KEK gefördert


Das Interesse an diesen Unterlagen ist groß, auch während der Zeit der Restaurierung gab es Anfragen von Leuten aus der Region. „So hatte sich eine Frau aus Glaisin bei mir gemeldet, die etwas über ihre ausgewanderten Vorfahren herausfinden möchte“, sagte Simona Pries. Im Archiv Grabow schauten im Jahr 2015 acht Gäste vorbei, die Nachfahren des Carl Wiedow aus Glaisin sind, der in dem Buch von Johannes Gillhof ,Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer’ als reale Figur vorkommt.

Zum Bestand der zu restaurierenden Unterlagen gehörten auch Dokumente des Agenten Dincklage aus Grabow, der damals die Überfahrt der Auswanderer organisierte. Für Katharina Lußky gab es in ihrer Werkstatt in Berlin viel zu tun. „In der Hauptsache waren die Seiten an der Oberfläche stark verschmutzt, stark zerknittert und wiesen mechanische Schäden auf“, so die Expertin. Durch falsche Lagerung wurden die Blattkanten gestaucht und geknickt – all das hat die Papierrestauratorin wieder hinbekommen. „Wir sind auch froh, dass unser Antrag auf eine einjährige Modellprojektförderung bei der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) in Berlin genehmigt wurde und damit die Finanzierung dieses Vorhabens gesichert war“, erläutert die Stadtarchivarin. Die Kosten für die komplette Restaurierung betragen 11  000 Euro, der Eigenanteil der Stadt Grabow liegt bei zehn Prozent.

„Wir präsentieren auch eine kleine Ausstellung in einer Vitrine im Rathaus mit Kopien der Dokumente und Fotos, die einzelne Etappen der Restaurierung zeigen“, so Simona Pries. „Der Bestand an diesen wertvollen historischen Akten ist nicht nur für die Stadt Grabow und die umliegenden Orte wie Eldena, Balow, Glaisin, Ludwigslust und Neustadt-Glewe wichtig. Wir wollen, dass die Unikate für nachfolgende Generationen erhalten bleiben. Das ist Teil unserer Arbeit“, erklärt die Stadtarchivarin. Und es macht sie auch stolz, dass die Auswanderungsunterlagen im Hamburger Auswanderermuseum ausgestellt werden sollen.

„Was wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren in der Archivierung alter Dokumente erreicht haben, ist schon beachtlich“, sagte Bürgermeister Stefan Sternberg. „Angefangen hat es damals mit den Protokollbüchern, jetzt sind es die Auswandererakten und ein neues Projekt ist schon in Planung.“ Simona Pries dazu im Detail: „Das Vorhaben heißt ,Siegel trifft auf Pergament – 500 Jahre Urkundenüberlieferung von 1252 bis 1770 im Stadtarchiv Grabow’“. Ein entsprechender Antrag, ergänzt Stefan Sternberg, ist in Bearbeitung. „Und wir hoffen, dass es auch dieses Mal wieder über das Programm KEK mit einer finanziellen Unterstützung klappt“, so der Bürgermeister.

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