Airbeat One : Interview mit Felix Jaehn: „Es ist mein Heimatfestival“

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Star-DJ Felix Jaehn spricht im Interview über seinen Auftritt bei „Airbeat One“, den Luxus in MV und seine Musik

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10. Juli 2019, 12:00 Uhr

Im Zenit in Schwerin, im K2 in Grevesmühlen, im Mensakeller in Wismar. Hier hat DJ Felix Jaehn seine ersten Sets gespielt. Jetzt steht der 24-Jährige mit Hits wie „Ain’t Nobody“ (Loves Me Better), „Bonfire“ und „Cheerleader“ auf den Bühnen der Welt – spielt in Tokio, Miami und Stockholm, jettet für seine neue Single durch ganz Deutschland und ist eigentlich immer auf dem Sprung. Eines lässt er sich aber nicht entgehen: das „Airbeat One“-Festival, das heute auf dem Flugplatz in Neustadt-Glewe startet. Hier hatte er seinen ersten großen Auftritt, nennt es sein Heimatfestival.

 

Umso mehr freut er sich, zurückzukehren – und auf einen Besuch in der Heimat. Mit dem DJ sprach Katharina Golze.

Bevor du am Sonnabend um 2 Uhr nachts auf der Bühne bei der Airbeat One stehst, spielst du um 19 Uhr auf dem Panama Open Air bei Bonn. Kommst du extra eingeflogen?
Felix Jaehn: Wir haben tatsächlich einen Jet gechartert für den Tag. Das versuche ich eigentlich zu vermeiden, aber anders war es zeitlich nicht möglich, auf beiden Festivals zu spielen. Ich werde den
CO2-Ausstoß auf jeden Fall ausgleichen.

Warum tust du dir für das Airbeat diesen Stress an?
Es ist mein Heimatfestival. Ich bin ja in MeckPomm aufgewachsen und das Airbeat war das erste Festival, bei dem ich privat zu Gast war und auch das erste Festival, auf dem ich aufgelegt habe. Auf der Newcomer-Stage 2012. Ich habe einen DJ-Contest gewonnen und dann für 30 Leute auf dem Campingplatz gespielt. Seitdem bin ich tief mit dem Airbeat verbunden.

So wie die Karriere gewachsen ist, sind es auch deine Auftritte beim Airbeat One. Das stimmt, definitiv. 2017 war ich das letzte Mal da. Da hatte ich im Terminal meine „Felix Jaehn & Friends“- Stage und das ist eine Nummer krasser als der Campingplatz. (lacht)

Mal abgesehen von der Heimatverbundenheit, warum spielst du gern beim Airbeat?
Es ist eins der größten Dance- Festivals, das es in Deutschland und Europa gibt. Es kommen unglaublich viele internationale Headliner. Wenn ich Samstag spiele, sind zum Beispiel die Chainsmokers da. Die treten in Europa nur selten auf. Das Airbeat schafft es, die internationale Dance-Szene zu versammeln.

Wie fühlt es sich an, vor Tausenden auf der Bühne zu stehen?
Das ist eine ganz große Energie, die auf einen zukommt. So beschreibe ich das immer, denn bei so großen Festivals sieht man kaum noch die einzelnen Gesichter und Menschen. Es ist eine Masse, die tanzt, die feiert und Freude verbreitet. Ich kriege da immer einen Adrenalin-Kick.

Was ist deine Strategie, um dich vorher zu beruhigen?
Ich meditiere vor meinen Auftritten. Ich habe Noise Cancelling Kopfhörer dabei und angeleitete Meditationen. Dadurch kann ich den Lärm vom Festival etwas von mir fernhalten, mich nochmal sammeln und meine Gedanken zur Ruhe kommen lassen.

Und dann ziehst du die Kopfhörer ab und gehst direkt auf die Bühne?
Ich versuche, dass immer noch ein paar Minuten dazwischen liegen. Ich ziehe die Kopfhörer ab und dehne und lockere mich. Dann gehts, möglichst ohne mit jemandem zu sprechen, direkt auf die Bühne. Damit ich mit diesem Fokus den ersten Song direkt in Energie umwandeln kann.

Bleibst du nach dem Auftritt noch auf dem Airbeat?
Ein paar Stündchen werden wir noch bleiben. Mike Williams spielt an dem Tag noch nach mir und er spielt auch in Bonn. Wir könnten eigentlich zusammen fliegen. (lacht)

Nach dem Airbeat fährst du nachts noch nach Hause. Du nutzt also das Festival für einen Abstecher an die Ostsee, wo du Haus und Studio hast?
Zwischen all den Reisen bin ich dort. Und beim Airbeat biete sich das an. Ich versuche,wann immer es möglich ist, nicht im Hotel zu schlafen, sondern zu Hause.

Was vermisst du am meisten, wenn du auf Tour bist?
Die Ruhe. Das denke ich jedes Mal. Ich war dieses Jahr unter anderem in Dubai, Miami oder Tokio unterwegs und in den Hotels frage ich immer nach einem ruhigen Zimmer, in dem ich nicht die Straße höre. Ich bin diesen Luxus aus der Heimat total gewöhnt. Also dass ich auf der Terrasse sitze und außer Vögeln nichts höre.

Worauf freust du dich dann, wenn du nach Hause kommst?
Wenn ich mal ein paar Tage frei habe, freue ich mich, meine Familie zu sehen und alte Schulfreunde zu treffen. Ich genieße die Natur und die Schönheit von Mecklenburg-Vorpommern.

Das spiegelt sich auch in deinem Song „Cool“ wider: „Remember, you told me you’d never forget where you came from.“
Das ist auf jeden Fall die Ebene, die für mich den Song ausmacht: Niemals zu vergessen, wo man herkommt und sich selbst treu zu bleiben. Und das lasse ich mir immer wieder von meinen Freunden bestätigen. Die würden sich sofort melden, wenn ich abheben sollte.

Wahre Freunde fürs Leben. Wie trifft man sich, wenn man anonym bleiben will?
Tatsächlich machen wir alles, was jeder andere auch machen würde: Fußball spielen, grillen, quatschen, was trinken, zum Strand fahren.

Wo ist dein Lieblingsort in der Heimat?
Ich habe mehrere Lieblingsorte in MeckPomm, aber die werde ich nicht nennen, damit es meine Lieblingsorte bleiben. (lacht) Generell am Wasser, aber mir sind Wälder auch sehr nah. Ich finde es total spannend, durch Wälder spazieren zu gehen und die Natur zu beobachten. Wenn ich nach einer oder zwei Wochen nach Hause komme, habe ich ganz viel erlebt, total viele Eindrücke gesammelt. Und wenn ich dann wieder zur Ruhe komme, kommen mir die besten Ideen.

Apropros gute Ideen: Deine letzte große Überraschung war, dass du von Rammstein „Ausländer“ geremixt hast.
Die Anfrage kam über die Plattenfirma, wir haben das gleiche Label. Als ich den Song gehört habe, konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich mache fast nie was Deutsches. Ich habe unter meinem Namen nur mit Herbert Grönemeyer unseren gemeinsamen Song „Jeder für Jeden“ rausgebracht. Ich bin da sehr selektiv. Wenn ich etwas Deutsches mache, muss das etwas ganz Besonderes sein. Das ist Rammstein. Nicht nur weil es eine aus Deutschland heraus weltweit erfolgreiche Band ist, sondern auch weil sie aus einem ganz anderen Genre kommt. Als Produzent war das eine total reizvolle Aufgabe, die Rock-Vibes mit meinem melodischen House- Sound so zu kombinieren, dass das Original gewürdigt ist, der Remix aber auch in meiner Soundwelt funktioniert.

Und brandaktuell ist dein neuester Song: „Love On Myself“ raus. Wovon handelt dieser?
Von Selbstliebe. Der Song hat die ganz klare Aussage, dass ich mich erst selbst lieben musste, bevor ich in der Lage war, andere zu lieben. Das Lied regt dazu an, den Blick von Außen nach Innen zu richten.

Für dein erstes Album „I“ hast du etwa mit der Britin Jasmin Thompson („Ain’t Nobody“) und der Finnin Alma bei („Bonfire“) zusammengearbeitet. Kollaborierst du wieder beim Album?
Es gibt Texte, die ich erstmal alleine schreibe, aber in der Regel mache ich immer Co- Writes mit anderen Songwritern, weil ich a) nicht singen kann und b) weil ich die Prozesse mag, mit anderen Künstlern gemeinsam zu arbeiten. Da entstehen immer die besten Songs.

„Love On Myself“ singt der Brite Calum Scott („Dancing on my Own”). Woher kennt ihr euch?
Calum Scott habe ich tatsächlich erst kürzlich entdeckt. Ich war total von seiner Stimme und seiner Art berührt, aber vor allem von den Texten. Er verarbeitet auch sehr persönliche Themen. Deswegen wollte ich unbedingt, dass er „Love On Myself“ singt. Als er den Song eingesungen hat, hat er ihn mit seiner Stimme auf ein neues Level gehoben. Ich bin total happy, dass wir das jetzt gemeinsam machen.

Wo wirst du den Song das erste Mal live spielen?
Ich habe ihn bereits beim Lollapalooza in Stockholm gespielt, allerdings in einer Mashup-Version. Bis zum Airbeat-One-Festival wird’s auf jeden Fall Remixe geben. Ein paar Kumpels arbeiten gerade an einem Club-Remix, aber ich möchte noch nicht verraten, wer es ist. Ich könnte mir eine Premiere beim Airbeat vorstellen.

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