Ludwigslust : Afrikaner im Freiwilligendienst

Treffen auf dem Flur: Alexandrinenresidenz-Bewohner Gerda und Rudolf Zimmermann, Servicekraft auf Zeit Francis aus Ghana, Personalvermittlerin Ramona Röper, Anja Göldenitz vom Netzwerk „Arbeit für Flüchtlinge“, Ulrike Haak, Leiterin der Alexandrinenresidenz, Pflegedienstleiterin Mary Möller und Deutschlehrerin Ines Zimmer (v.l.n.r.).
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Treffen auf dem Flur: Alexandrinenresidenz-Bewohner Gerda und Rudolf Zimmermann, Servicekraft auf Zeit Francis aus Ghana, Personalvermittlerin Ramona Röper, Anja Göldenitz vom Netzwerk „Arbeit für Flüchtlinge“, Ulrike Haak, Leiterin der Alexandrinenresidenz, Pflegedienstleiterin Mary Möller und Deutschlehrerin Ines Zimmer (v.l.n.r.).

Abdi aus Somalia und Francis aus Ghana arbeiten für ein Jahr als Servicekräfte im Seniorenheim Alexandrinenresidenz Ludwigslust

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07. November 2014, 07:00 Uhr

Francis aus Ghana wohnt in einer Gemeinschaftsunterkunft. Seit August haben er und Abdi aus Somalia, die als Asylbewerber in Deutschland sind, einen Job: Sie sind Servicekräfte im Awo-Seniorenheim Alexandrinenresidenz in Ludwigslust.

Einen Job zu haben, ist ein Glücksfall für die beiden. „Viele bei uns in der Unterkunft würden gern arbeiten, aber dürfen es nicht“, erzählt Francis.

Der Glücksfall für die beiden jungen Männer heißt „Bundesfreiwilligendienst“. Ulrike Haak, die Leiterin der Alexandrinenresidenz, hatte den Stein ins Rollen gebracht. „Ich hatte gelesen, dass auch Immigranten den Bundesfreiwilligendienst versehen können. Zu dem Zeitpunkt haben wir gerade Bewerber gesucht“, erzählt sie.

Also hat Ulrike Haak die richtigen Kontakte geknüpft. Den Bundesfreiwilligendienst (BFD) gibt es seit 2011. Die Bundesregierung hat ihn als Reaktion auf die Aussetzung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes eingeführt.

Abdi und Francis haben über die SBW – Aus- und Fortbildungsgesellschaft für Wirtschaft und Verwaltung – einen Deutschkurs begonnen und in dessen Rahmen in der Vergangenheit bereits ein Praktikum in der Alexandrinenresidenz gemacht. „Wir haben eine große Verantwortung für unsere Bewohner. Es muss alles zusammen passen“, sagt Mary Möller, Pflegedienstleiterin in der Alexandrinenresidenz.

Im Falle von Abdi und Francis hat alles gepasst. Im August dieses Jahres haben sie ihr BFD-Jahr begonnen. Beide arbeiten als Servicekräfte für die Bewohner des Hauses. Und das tun sie mit großem Engagement.

„Die Arbeit macht Spaß. Wir sind jung und haben die Verpflichtung, den älteren Menschen zu helfen“, sagt Francis, der die Motivation auch aus seiner Religiosität zieht. Der 29-Jährige ist von Haus aus eigentlich Bauarbeiter, sucht aber eine neue berufliche Herausforderung.

Gab es schon von Seiten der beiden jungen Männer keine Berührungsängste, so beruhte das ganz auf Gegenseitigkeit. Auch die Bewohner der Alexandrinenresidenz hätten sich sofort mit der neuen Situation angefreundet. Scheu, weil die Männer einem anderen Kulturkreis entstammen, ja, anders aussehen? Fehlanzeige, wie die Mitarbeiter des Seniorenheimes bestätigen.

Bis Juli 2015 werden Abdi und Francis ihr BFD-Jahr in der Alexandrinenresidenz ableisten. Mit der Option auf Verlängerung.

Die „Türöffner-Funktion“ ist ein Motto des Netzwerkes „Arbeit für Flüchtlinge“. Zum Beispiel, dass Menschen mit Migrationshintergrund die Förderprogramme in Anspruch nehmen können, die auf europäischer und nationaler Ebene aufgelegt worden sind. Dazu gehört beispielsweise die berufsbezogene Sprachförderung, die auch Abdi und Francis durchlaufen. Und die ist durchaus anspruchsvoll: 300 Stunden berufsbezogenes Deutsch, 258 Stunden EDV, berufsbezogene Kenntnisvermittlung mit Deutschbegleitung sowie Betriebsbesichtigungen, 160 Stunden Praktikum.

Die beiden Männer nutzen ihre Chance der Integration.

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