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Lungenkranke Frau aus Göhlen wurde abgewiesen : Ärger über ärztliche Bereitschaft

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Der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst ist an sich eine gute Angelegenheit für jene, die nicht bis zur nächsten Sprechstunde ihres Hausarztes warten können. Die Göhlenerin Mona Nossol hat da andere Erfahrungen gemacht.

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2012 | 10:24 Uhr

göhlen/schwerin | Der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst ist an sich eine gute Angelegenheit für jene, die nicht bis zur nächsten Sprechstunde ihres Hausarztes warten können, sondern vorher Hilfe benötigen. Die Göhlenerin Mona Nossol (43) hat hingegen andere Erfahrungen gemacht. Frau Nossol leidet an einer Alveolarproteinose. Eiweißablagerungen in der Lunge verursachen regelmäßig Lungen- oder Ripenfellentzündungen, starke Schmerzen und hohes Fieber. So auch am 8. Juli, einem Sonntag: Starke Schmerzen in der rechten Seite und hohes Fieber. Außerdem konnte Mona Nossol ihren rechten Arm nicht mehr bewegen. "Ich wollte es mit Tabletten versuchen, wie ich das sonst immer mache. Aber das wurde nichts. Mein Lebensgefährte war zur Nachtschicht gefahren. Weil das Fieber inzwischen auf 39,4 gestiegen war, fing ich morgens um drei Uhr an (Nacht zum Montag), meine Tasche zu packen. Wenn sie sehen, dass ich lungenkrank bin und schon mal in der Klinik in Großhansdorf bei Hamburg behandelt wurde, wollen sie mich immer gleich dorthin schicken", erklärt die Göhlenerin weiter.


Gegen 6 Uhr Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst

Gegen 6 Uhr schließlich rief sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst an und wurde mit einer Ärztin verbunden. "Sie erklärte mir, sie sei nur dazu da, die Patienten über die Nacht zu bringen. Ihre Schicht sei in einer Stunde zu Ende und ich möchte mich doch an meine Hausärztin wenden", schildert unsere Leserin.

Sie wartete dann noch zwei Stunden und ging allein zu ihrer Hausärztin, von dort aus ins Stift zum Röntgen und zur Sauerstoffmessung. Letzteres, weil Frau Nossol schon mal ein Dreivier teljahr ein Sauerstoffgerät trug. Das Ganze hat sich noch drei, vier Stunden hingezogen, bis ihre Hausärztin ihr eröffnete, dass sie eine beidseitige Lungenentzündung habe und sie sofort ins Krankenhaus einwies.

"Das Verhalten der Bereitschaftsärztin sehe ich als unterlassene Hilfeleistung. Ich habe immer meinen letzten Krankenhausbericht dabei. Wenn sie hierher gekommen wäre und gesehen hätte, was los ist, hätte sie mich sofort einweisen müssen. Da geht es wirklich um was", ist Mona Nossol noch heute empört.

Sie ist in den letzten Jahren nicht auf Rosen gebettet gewesen. Drei Lungenspülungen in der Spezialklinik Großhansdorf und vier Lungenentzündungen in dreieinhalb Jahren. Ein Behinderungsgrad von 60 Prozent. Wenn die Feinmechanikerin Mona Nossol arbeitet, muss sie öfters Pause machen. Wenn drückende Luft herrscht, kann sie gar nicht rausgehen. Zwar voll erwerbsunfähig geschrieben, darf Mona Nossol ein paar Stunden hinzuverdienen, "damit ich keinen Kollaps kriege", wie sie sagt. Frau Nossol ist schon seit 20 Jahren in der Firma Litronic in Neustadt-Glewe tätig. "Mein Chef hat sehr viel Verständnis für meine Situation. Ich kann hingehen, wenn es mir gut geht." Mona Nossol fühlt sich bei ihrem Arbeitgeber gut aufgehoben.

Beschwerde bei der Kassenärztlichen Vereinigung

Nicht dagegen beim ärztlichen Bereitschaftsdienst. SVZ hat die zuständige Kassenärztliche Vereinigung in Schwerin kontaktiert. Presseprecherin Eveline Schott räumt ein, dass es öfter zu Beschwerden komme. Jeder Fall werde im einzelnen geprüft. Man stelle sich keineswegs nur schützend vor die Ärzte. Allerdings würden die betreffenden Mediziner angehört. Mona Nossol hat sich inzwischen bei der Kassenärztlichen Vereinigung offiziell beschwert. Binnen drei Wochen wurde ihr eine Antwort versprochen. Eveline Schott rät Patienten, die mit dem Bereitschaftsdienst unzufrieden sind, generell zu einer Eingabe bei der Kassenärztlichen Vereinigung. "Wenn sich tatsächlich ein Fehlverhalten herausstellt, werden disziplinarische Maßnahmen ergriffen", so die Pressesprecherin.

Bleibt die Frage, die schwer zu entscheiden ist: Wäre es in Frau Nossols Fall besser gewesen, die 112 zu rufen? "Das nächste Mal mache ich das bestimmt", sagt Mona Nossol.

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