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Ludwigsluster Tageblatt

21. November 2017 | 03:55 Uhr

Ackerland erstickt unter Eispanzer

vom

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2012 | 05:45 Uhr

Stuck | Eine Eisfläche, so weit das Auge reicht. Darunter mehr als 60 Hektar eingedrillter Roggen, dessen Keime nun unter einem Eispanzer aufquellen und ersticken. Schafe und Pferde, die über Nacht im Freien von den eisigen Fluten überrascht wurden und in einer Blitzaktion früh morgens von den überraschten Besitzern sprichwörtlich vom Eis geholt werden. Ausgelöst wurde diese Überflutung vom Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg (WSA).

"Uns hat niemand benachrichtigt", berichten die Anwohner Claus und Elke Angelbeck aus Stuck. Gemeinsam mit den Landwirten Michael Pasemann, Mathias Krogmann und Reinhard Hutschreuther beraten sie nun, wie sie zukünftig den Flutungsfolgen der Alten Elde rechtzeitig begegnen können.

Die Schäden durch die Überflutung dürften nach Einschätzung der Männer erheblich sein. Was sie allerdings besonders wütend macht, ist der Umstand, dass weder das für die Flutung verantwortliche WSA Lauenburg noch der Wasser- und Bodenverband (Wabo) "Niedere Elde" in Ludwigslust die betroffenen Anlieger informierte.

Allein das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) hätte die Möglichkeit besessen, die Hochwassergefahr an der Elde abzuwenden, sind die fünf Betroffenen einhellig überzeugt. Doch StALU-Dezernatsleiter Michael Brüdigam hält dagegen: "Das Amt ist in dem Alte Elde-Bereich nicht zuständig. Bei der Januar-Flutung der Flächen erreichte uns die Information viel zu spät. Und in der vergangenen Woche, als sich eine sich auftürmende Eisversetzung den Elde-Deich in Heiddorf fast zum Bersten gebracht hätte, wurden wir nur formal informiert."

Brüdigam meint grundsätzlich, dass es bei hohen Abflüssen immer zu solchen Maßnahmen kommen könne. Wie bei der Elbe bereits erfolgreich eingesetzt, gebe es aber für die Elde-Müritz-Wasserstraße und für die Zuflüsse keinen Meldedienst, geschweige einen kompletten Hochwasser-Abwehrplan.

Und doch, sind Angelbeck und seine Mitstreiter der Auffassung, hätte das Öffnen des im Zuständigkeitsbereich des StALU liegenden Rögnitz-Überfluters ausgereicht, um der Hochwassergefahr ohne die Flutung der Flächen bei Stuck Einhalt zu gebieten. "Offensichtlich wird zwischen den Behörden nicht kommuniziert. Das beschwört solche Folgen herauf", befürchten Angelbeck und die anderen Betroffenen im SVZ-Gespräch. Nach Erinnerungen von alteingesessenen Stucker Einwohnern habe es solch eine Abwehrmaßnahme seit 70 Jahren nicht gegeben, jedoch sei es in einigen Wintern deutlich kälter gewesen. Der Vorschlag von Angelbeck wäre, die Wasser führenden Anlagen des privaten Wasserkraftwerks und die der Schleusenanlage in Heiddorf zu verbessern.

Völlig andere Töne kommen vom WSA in Lauenburg. Dort wird das Öffnen der so genannten Basis-Schleuse bei Eldena als einzige Möglichkeit angesehen, um die immer noch prekäre Hochwassersituation in Heiddorf am Wasserkraftwerk zu beherrschen, erklärt Mitarbeiterin Silke Schreier. Das StALU und der Wabo seien durch ihre Behörde sehr wohl benachrichtigt worden, was für die jüngsten Ereignisse gilt. Für die Überflutung im Januar müsse sie sich jedoch noch zusätzlich informieren.

So viel Zeit hat Biolandwirt Pasemann nicht. Er sieht große Gefahren durch die Eisflächen: "Kinder haben keine Kenntnisse über den Verlauf der Alten Elde und den tiefen Graben. Deshalb habe ich mit dem Traktor Eisflächen zerbrochen, damit niemand dort das Eis betreten kann. Das Betreten der Eisflächen ist lebensgefährlich."

"Wir haben im Januar erst Nachricht vom WSA erhalten, als schon alles passiert war. Auch vergangene Woche lief die Flut bereits, als wir nach der Mitteilung um zwei Uhr zwei Stunden später vor Ort ankamen", heißt es vom Wabo-Geschäftsführer Walter Jahnke. "Die Anwohner zu informieren, obliegt dem Landratsamt. Dort will man sich in Kürze mit der Problematik befassen."

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