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Ludwigsluster Tageblatt

22. Oktober 2017 | 14:09 Uhr

Radtour : Acht Wochen im Sattel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Jakob-Friedrich Günther und Hannes Böttcher sind vom südlichsten Zipfel Europas bis vors Ludwigsluster Rathaus geradelt

Einmal mit dem Fahrrad von Gibraltar bis in die Griese Gegend fahren – das war der Traum von Jakob-Friedrich Günther (23) und Hannes Böttcher (25). Beide sind Studenten, die sich aus gemeinsamen Schultagen am Goethe-Gymnasium in Ludwigslust kennen und in einer WG in Berlin wohnen. Ihr letzter Bericht von ihrer Tour:

„Es ist soweit! Das Tachometer schaltet auf 4250 Kilometer und das Ortsschild, auf dem Ludwigslust steht, ragt vor uns aus dem Boden. Wir haben es geschafft und passieren nach acht Wochen gesund und munter die uns bekannten Straßen der Stadt in Richtung Rathaus. Durchnässt vom Regen und gezeichnet vom Wind überwiegen aber die Freude und das Gefühl, vom Südzipfel Europas bis in den Geburtsort aus eigener Kraft geradelt zu sein. Doch vor allem auf den letzten 2000 Kilometern aus der Weinregion um Bordeaux kommend bis an die deutsche Grenze wurde noch einiges von uns abverlangt. Nach den verregneten Tagen in der Großstadt an der Garonne verfolgte uns auf den 750 Kilometern gen Paris eine konstante Schlechtwetterfront entlang des Atlantiks. Wir ließen es uns trotzdem nicht nehmen, der Küste bis nach La Rochelle zu folgen und dabei die raue Ozeanluft und die malerischen Fischerdörfer mit den Austernbänken zu genießen. Getrieben von der Überzeugung, dass der Wind uns nach Nordosten in die Hauptstadt tragen wird, kämpften wir uns drei Tage durch das französische Niemandsland, wobei wir, wie bei der echten Tour de France, uns gegenseitig abwechselnd im Windschatten ausruhten. Somit erreichten wir nach den sportlichsten fünf Tagen unserer Reise Paris mit der Gewissheit, hier ein wenig bei Verwandten ohne Zeitdruck unterzukommen. Neben gutem Essen, einer Waschmaschine und einer warmen Dusche wussten wir den Luxus eines festen Schlafplatzes nach den stürmischen Tagen umso mehr zu schätzen.

Wir hatten durch die regnerischen Etappen so viel Zeit herausgefahren, dass wir mehrere Tage in der Hauptstadt bleiben konnten. Aus diesem Grund wurden Sehenswürdigkeiten wie Louvre, Eiffelturm, Sacre Coeur etc. ausgiebig von uns besichtigt.

Nach der längeren Pause durchradelten wir den Nordosten Frankreichs in Richtung Deutschland, und die Städte begannen sich immer mehr den uns bekannten zu ähneln. Wir passierten Metz, Reims, das berühmte Verdun sowie immer wieder unzählige Massengräber der beiden Weltkriege, die uns die lange deutsch-französische Geschichte vor dem Élysée-Vertrag mit ihren Höhen und Tiefen eindrucksvoll in Erinnerung rief. Nach eineinhalb Monaten überquerten wir die deutsche Grenze und konnten ab sofort fast ausschließlich auf perfekten Radwegen fahren. Durch die Nordpfalz und entlang des Rheinradweges gelangten wir stress- und verkehrsfrei nach Köln.

Die Metropole im Westen, in der wir bis jetzt nur den Zug gewechselt hatten, beeindruckte uns durch das blühende und bunte Leben auf den Straßen. Gleichzeitig stellte das Bergische die letzte Landschaft dar, die einige kleine Anstiege besaß, bevor wir die Norddeutsche Flachebene über Bremen durchquerten. Auf den letzten Kilometern war es schon ein besonderes Gefühl, als die uns bekannte Griese Gegend so nah rückte und sich das Ziel und Ende unserer Reise abzeichnete.

Als persönliches Fazit halten wir folgendes fest: Eine sehr sportliche und interessante Tour, durch die wir die Kultur in den anderen Ländern sowie die dort lebenden Menschen auf eine sehr spezielle Art und Weise kennengelernt haben. Besonders beeindruckend war dabei für uns immer wieder die Gastfreundschaft, die uns vielerorts entgegengebracht wurde. Da gab es z.B. den Medizinstudenten in Bordeaux, der, als er realisierte, dass sich unsere Schlafplatzsuche an dem Abend sehr problematisch gestalten würde, kurzerhand sein eigenes Appartement als Nachtquartier für uns zur Verfügung stellte. Ein weiteres Beispiel ist der Fahrradfahrer, der seine geplante Route über den Haufen warf und für uns eine Sightseeingtour durch Ayllon durchführte. Regelmäßig kamen Menschen auf uns zu, um sich mit uns über ähnliche Fahrten auszutauschen.

All diejenigen, die selbst mal eine Reise auf dem Fahrrad in Angriff nehmen wollen oder einfach nur interessiert sind mehr über Radtouren zu lesen, seien die Bücher „Durchgedreht. Sieben Jahre im Sattel“ von Claude Marthaler sowie „Zwei nach Shanghai“ von den Gebrüdern Hoepke ans Herz gelegt, die uns ebenfalls als Inspiration für unsere Tour dienten.

Ein Dank geht an alle Leute, die uns durch ihre Gastfreundschaft oder durch die Bereitstellung von Fahrradequipment unsere Reise ermöglicht haben.“

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