Ludwigslust : Abtauchen nach Absurdistan

„Unter dem Meer ist ganz schön was los: Qualle (Kathrin Wenzel), Seestern-TV-Moderator (Katherina Willert), Kamera-Fisch (Raphael Klein), Prinzessin Isabella (Julia Kuntoff), Fisch Felix (Maximilian Willert) und Schleierfisch (Anke Kreffta), v.l.n.r.
„Unter dem Meer ist ganz schön was los: Qualle (Kathrin Wenzel), Seestern-TV-Moderator (Katherina Willert), Kamera-Fisch (Raphael Klein), Prinzessin Isabella (Julia Kuntoff), Fisch Felix (Maximilian Willert) und Schleierfisch (Anke Kreffta), v.l.n.r.

Bei der ausverkauften 32. Elternsinge am Sonnabendabend in der Stadthalle ging das Liedtheater „Live“ den Dingen auf den Grund

von
29. November 2015, 17:04 Uhr

„Wir wollen ein Licht in diese dunkle Zeit bringen.“ Mit diesem Anspruch hatte Eva-Maria Naujoks, „Spiritus rector“ der Elternsinge, die 32. Auflage dieser beliebten Ludwigsluster Familienveranstaltungen, eröffnet. Natürlich war die Stadthalle wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Und wie immer gab es zwei Programmteile. Zunächst eroberte der Nachwuchs die Bühne: Die Rehkids spielten „Der Weihnachtsgeist“.

Nachdem sich alle am Büfett gestärkt hatten, begann die Haupt-Show. Das Liedtheater „Live“ ging in seinem aktuellen Stück manchen Dingen auf den Grund – genauer gesagt auf den Meeresgrund. „Unter dem Meer“ (so das Motto) herrscht Krisenstimmung. Gott Poseidon (Thomas Willert) hat genug vom Regieren. Gut, dass er eine Tochter hat, die gerade volljährig geworden ist. Sie soll endlich heiraten, damit Poseidon abdanken kann. Doch passende Männer sind rar. Zwei aus dem Publikum müssen auf die Bühne und Aufgaben erfüllen. Sie machen das ganz gut, fallen aber trotzdem in der Gunst durch. Bei allem immer gegenwärtig: Seestern TV mit platten Fragen, auf die ebenso platte Antworten erfolgen. Überhaupt erinnert die Anhäufung von Absurditäten auf merkwürdige Weise dem Alltag über der Meeresoberfläche.

Da gelangt Isabella übrigens unfreiwillig hin, als sie in den Strudel eines schwarzen Rohrs gerät und an einem Strand landet. Im Korb eines Fischverkäufers findet sie ihre Tante Frieda wieder, die „Julia Leischik (Tränendrüsen drückende Suchtante aus dem Fernsehen, d. Red) schon seit drei Jahren sucht“. Einen Mann findet sie indessen nicht, nur Müll, der alles verpestet und am Ende übrigens durch einen Tsunami wieder auf der Erde landet. Zwischendurch ereilen die aktuellen Ereignisse unserer Zeit auch den Meeresboden, denn ein Flüchtlingsfisch aus dem Süden kommt angeschwommen. Sensibel gelöst von den „Livern“ ohne erhobenen Zeigefinger, aber auch ohne seichtes Geplätscher. „Wir schaffen das“, sagt Poseidon. Wie er dabei die Fingerspitzen aneinander legt: Irgendwie hat das jeder im Publikum schon mal gesehen und die Heiterkeit ist entsprechend.

Aber sofort wird der Meeresboden wieder zum Absurdistan, wenn der Finanz-Hai (Mandy Balmer) ihr wichtigstes Problem heraus singt: Die Falten im Gesicht…

Das Happy End hält unserer Welt der verzerrten medialen Werte dann den Spiegel vor: Isabella bekommt ihren Mann: Fisch Felix aus dem Volke, der in den Stand eines „Meerjungmannes“ erhoben wird.

Das Licht in dieser dunklen Zeit hat wohl nicht nur mit dem Wetter zu tun. Die „Liver“ wollen es in den Köpfen jener Menschen anzünden, die selbst Mauern um sich herum aufgebaut haben und nichts mehr sehen außer sich selbst.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen