Niendorf an der Rögnitz : Abschuss von Wölfen leichter?

In ihren Händen  hält Anja Schröter eine Broschüre zum „Wolfsmanagement“ in der Praxis geschrieben, von Gregor Beyer.
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In ihren Händen hält Anja Schröter eine Broschüre zum „Wolfsmanagement“ in der Praxis geschrieben, von Gregor Beyer.

Pünktlich zur Änderung im Bundesnaturschutzgesetz findet das Wolfsdiskussionsforum in Niendorf an der Rögnitz statt

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27. Februar 2020, 05:00 Uhr

„Der erste Schlag muss sitzen“, sagt Maik Gersonde. 800 Volt stehen zwischen seinen 1 400 Schafen und dem Wolf. Ein Elektrozaun. Doch der allein reicht bei weitem nicht, um den Wolf auf Abstand zu halten. Der Schäfermeister aus Schlesin hat 20 Pyrenäenhunde, die seine Weidetiere mit ihrem Leben verteidigen. Und auch das reichte in der Vergangenheit nicht, so Maik Gersonde.

Dass es vielen anderen Weidetierhaltern in der Region schon seit Jahren genauso geht, weiß Anja Schröter vom CDU-Gemeindeverband Dömitz / Malliß. So lädt auch in diesem Jahr der Verband zu einer Informationsveranstaltung, die passenderweise „Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz – Und nun?“ heißt, ein. Denn kürzlich haben Bundesrat und Bundestag einer Änderung im Umgang mit Wölfen zugestimmt: Wölfe und sogar ganze Rudel dürfen nun unter bestimmten Voraussetzungen per Antrag entnommen werden. Der Gesetzgeber hat die Hürden dafür herabgesetzt.

Am kommenden Mittwoch, 4. März, um 18 Uhr wird das Wolfsdiskussionsforum im Gemeindehaus in Niendorf an der Rögnitz zum vierten Mal stattfinden – auch Schäfermeister Maik Gersonde wird dabei sein.

„Als regionale politische Akteure vor Ort nehmen wir die Ängste und Sorgen der Bürger ernst und lassen bei diesem, teilweise auch hochemotionalen Thema, nicht locker“, äußerte sich Ronny Schult, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Dömitz / Malliß, der den Abend moderieren wird, gegenüber der SVZ. Erst wird es ein Resümee des Forums aus dem vergangenen Jahr geben, dann werden die Zuhörer im Gemeindehaus in Sachen Wolf auf den neuesten Stand gebracht.

„Dabei steht im Vordergrund, sachlich an die Sache heranzugehen und ergebnisorientiert zu arbeiten“, so Anja Schröter. Schließlich sei eine gute Balance zwischen Akzeptanz in der Bevölkerung und einem regulierten Abschuss das Ziel. Letzteren könne die Wolfspopulation in Mecklenburg-Vorpommern auch laut Expertenmeinung gut vertragen, so Anja Schröter. Der Wolf gehöre ins Jagdrecht.

Die neue Gesetzeslage hält Gregor Beyer, Gastredner und Geschäftsführer von Forum Natur Brandenburg, für „ein Schrittchen in die richtige Richtung.“ Denn es bedürfe noch einer Rechtsverordnung, die die Details des neues Bundesnaturschutzgesetzes reguliert und das wäre in Mecklenburg-Vorpommern Aufgabe des Landwirtschaftsministers. Das Bundesgesetz selbst regele nur die Grundsätze, keine Details. Deshalb habe Till Backhaus auch sein Kommen am 4. März angekündigt, so Anja Schröter. „Wir freuen uns, den Minister erneut begrüßen zu dürfen. Und sind gespannt, wie das Land das neue Bundesnaturschutzgesetz umsetzen wird.“

Ein weiteres Thema des Abends soll die neue Förderrichtlinie sein, die den hundertprozentigen Ausgleich für den Elektrozaun als Prävention für Ziegen, Schafe und Dammwild fördert, nicht aber für Rinder und Pferde, so Anja Schröter. Es bleibt nun also abzuwarten, welche Verrenkungen letztlich gemacht werden müssen, um wirklich einen Wolf zu entnehmen, so Wildbiologe Gregor Beyer.

Drei Fragen an Schäfer Maik Gersonde:

Was halten Sie denn eigentlich von dem neuen Bundesnaturschutzgesetz?

Im Prinzip ist das gut. Der richtige Weg. Nur kommt es zu spät und ist sicherlich nicht die Lösung für uns Weidetierhalter.

Was wäre für Sie eine gute Lösung?

Wenn der Wolf gar nicht da wäre oder man ihn zumindest schießen dürfte. Und wenn die Kosten für den Mehraufwand bei den nötigen Schutzmaßnahmen auch gefördert werden würden. Das was bisher gefördert wird, ist quasi nur das i-Tüpfelchen. Das Geld reicht bei weitem nicht aus.

Wie schützen Sie Ihre Herde?

Mit einem Elektrozaun, der sehr gewissenhaft aufgebaut werden muss. Denn es ist wichtig, dass der erste Schlag sitzt. Und mit Hilfe von 20 Pyrenäenhunden. Die schützen die Schafe mit ihrem Leben. Wenn ich merke, dass Wölfe da sind, lasse ich auch das Auto mit dem Hundeanhänger dort stehen. Zur Ablenkung, das ist für die Wölfe eine neue Situation. Dann kommen sie erstmal nur gucken.

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