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Ludwigslust : Absage aus Hamburg für Neubau der Steinschule

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Erzbistum entscheidet sich aus Geldnot gegen Neubau in Ludwigslust. Eltern enttäuscht von Hinhaltetaktik. Suche nach Alternativen beginnt

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Das Erzbistum Hamburg gibt kein Geld für den Neubau der Edith-Stein-Schule. Schulleiterin Marion Löning erfuhr davon Montagabend am Telefon. Der Ludwigsluster Gemeindepfarrer Ludger Hölscher musste die schlechte Nachricht im Auftrag des Erzbischofs überbringen. Grund für die Absage sei die wirtschaftliche Lage des Erzbistums. „Die Situation ist nicht nur prekär, sondern fordert einschneidende Veränderungen und Entscheidungen“, heißt es in einem Schreiben des Erzbistums, das zeitgleich auch den Schulträger, die Bernostiftung in Schwerin, erreichte.

Ein halbes Jahr hatte das Bistum die Lehrer, Eltern, Schüler und nicht zuletzt auch die Bernostiftung hingehalten. Statt auf die Entscheidung zu warten, hatte sich in Ludwigslust schnell eine Elterninitiative gegründet und Monat für Monat auf den notwendigen Schulneubau aufmerksam gemacht. Zuletzt mit der Aktion „Stein für Stein“, bei der die Schüler auf dem bereits gekauften Bauland in der Naumann-Allee symbolisch mitgebrachte Steine zu einer Baugrundplatte legten. Von der Absage aus Hamburg erfuhren die Eltern gestern Vormittag. „Wir sind tief enttäuscht“, sagt Katrin Maurer von der Elterninitiative. „Und wir wundern uns wirklich sehr, warum die Entscheidung erst jetzt kommt. In der langen Wartezeit hätte man schon längst aktiv werden und Alternativen auf den Weg bringen können.“ Die ganze Zeit über müssten die Kinder in einer Schule im Ausnahmezustand lernen. „Die bauliche Situation ist milde gesagt eine Frechheit.“ Wie miserabel die Lernbedingungen zurzeit in der Steinschule sind, dürfte auch den kirchlichen Vertretern in Hamburg nicht entgangen sein. Gepostete Fotos im Internet zeigen aufgeweichte Wände im Klassenzimmer, Pfützen auf den Fußböden und sogar Wassertropfen auf dem Schulklavier. Für Schulleiterin Marion Löning ist das alles schwer auszuhalten. „Über uns schwebt das Damoklesschwert“, sagt sie. „Gestern erst musste der Elektriker in die Schule kommen. Was passiert, wenn der Brandschutz uns demnächst die Betriebserlaubnis entzieht?“ Das Erzbistum als Eigentümer des Gebäudes sei hier in der Pflicht. Genauso wie es sich vor drei Jahren durch den Grundstückskauf in der Naumann-Allee quasi verpflichtet hatte, in Planung und Neubau zu investieren. Die Planungen sind abgeschlossen, doch mit dem für 2015 vorgesehenen Bau wurde wegen finanzieller Schwierigkeiten nie begonnen. In der gestrigen Pressemitteilung des Bistums ist die Rede von „weniger Kirchenmitgliedern, weniger Kirchensteuereinnahmen, von steigenden Personalkosten und erheblichen Pensionsverpflichtungen für die katholischen Schulen“. So müsse das Bistum u.a. für einen dreistelligen Millionenbetrag aufkommen, der dem katholischen Schulverband Hamburg für künftige Lehrerpensionen fehle. Unter diesen Bedingungen sei ein Neubau von zwei Schulen (auch die Lübecker Johannes-Prassek-Schule ist betroffen) für etwa 20 Millionen Euro nicht machbar.

Bei den Eltern findet diese Erklärung kein Verständnis. „Warum sollen Schule und Stiftung, die erfolgreich gearbeitet haben, jetzt für die Inkompetenz ihrer Führung aufkommen?“ fragt Stefan Sternberg, dessen Tochter die Steinschule besucht. „Das ist unverantwortlich den Kindern und Eltern gegenüber.“ Sternberg, der als SPD-Mitglied gestern in Schwerin bei der Amtseinführung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig war, weiß aus Gesprächen am Rande: „Die Leistung der Steinschule ist im Land hoch anerkannt.“ Er hält eine Schließung für ausgeschlossen. „Es wird neue Wege geben, und dafür müssen Stiftung, Landesregierung und kommunale Vertreter vor Ort hart arbeiten.“

Beim Schulträger, der Bernostiftung, wird die Absage außerordentlich bedauert. Laut Stiftungsdirektor Thomas Weßler wird nächste Woche auf einer Stiftungsratssitzung zu Konsequenzen für das Schulbauvorhaben beraten. Sicher ist: „Die Stiftung wird sich um alternative Finanzierungen bemühen.“
 

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