Ludwigslust : Abgefahren: Neue Taxi-Tarife

Das Markenzeichen: Am gelben Schild erkennt man die Taxis. Seit November gelten im Landkreis neue Tarife. Sie sind dem Mindestlohn geschuldet. Fotos: Thorsten Meier/PT
Das Markenzeichen: Am gelben Schild erkennt man die Taxis. Seit November gelten im Landkreis neue Tarife. Sie sind dem Mindestlohn geschuldet. Fotos: Thorsten Meier/PT

Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde ab 1. Januar 2015 erhöht im Landkreis Ludwigslust-Parchim die Preise bis zu 25 Prozent

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13. November 2014, 07:00 Uhr

Gut für die Fahrer, schlecht für die Kunden: Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro pro Stunde ab 1. Januar kommenden Jahres stehen viele Taxi-Unternehmen im Landkreis unter Zugzwang, wenn ihre Personalkosten nicht ausufern sollen. In ganz Deutschland haben dann etwa 200 000 angestellte Taxifahrer Anspruch auf die neue Lohnuntergrenze. Derzeit gehören sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zu den am schlecht bezahltesten Beschäftigten. Bezieht man die Wartezeiten mit ein, belaufen sich ihre Löhne auf weniger als sieben Euro die Stunde. Um dem neuen Mindestlohn gerecht zu werden, müssen daher nun auch die Fahrten teurer werden. Seit Anfang November gelten im Landkreis Ludwigslust-Parchim deshalb schon neue Taxi-Tarife.

„Taxifahren bleibt künftig trotzdem eine bezahlbare Dienstleistung“, ist sich Torsten Gaertner aus Ludwigslust sicher. Habe beispielsweise eine Stadtfahrt von drei Kilometer bisher 8,50 Euro gekostet, würden nun dafür 10,80 Euro fällig. „Eine Beförderung von Ludwigslust nach Neustadt-Glewe kostete bisher etwa 19 Euro. Nun fallen 23,40 Euro an. Früher kostete der Kilometer 1,50 Euro, jetzt 1,80 Euro. Das ist eine Preiserhöhung von etwa 20 Prozent“, rechnet der 47-Jährige vor, der in den letzten 25 Jahren rund 1,5 Millionen Kilometer gefahren ist.

„Es gibt Taxi-Unternehmen, wie beispielsweise in Thüringen, die haben ihre Fahrpreise deutlich erhöht, im Gegensatz zu uns. Dort muss man den laufenden Kilometer mit 2,10 Euro begleichen. Wir haben die Preise um 20 bis 25 Prozent angepasst. Dafür entfällt der Nachttarif“, berichtet Mario Voß. Der 50-Jährige engagiert sich im Vorstand des Landesverbandes für das Taxi- und Mietwagengewerbe MV e. V. und ist seit 1990 selbst Taxi-Unternehmer. Insgesamt beschäftigt der gebürtige Hagenower 19 Mitarbeiter, sechs in Boizenburg, drei in Dömitz und zehn in Hagenow.

„Diese Tariferhöhung ist durch das Gesetz des Mindestlohnes künstlich erzeugt. Wir machen das nicht freiwillig. Doch unsere Wirtschaftlichkeit muss ebenfalls im grünen Bereich bleiben. Aber auch ich denke, dass unsere Dienstleistung noch immer bezahlbar ist.“ Bisher habe er auch noch keine negativen Meinungen zu den Preiserhöhungen vernommen. Viele Kunden hätten Verständnis.

Voß: „Der Grundpreis pro Fahrt beträgt jetzt 3,20 Euro. Für den ersten Kilometer werden 2,80 Euro aufgerufen. Der zweite und dritte kosten dann 2,40 Euro, jeder weitere 1,80 Euro. Für Großraum-Taxis müssen wir einen Aufschlag von einmalig fünf Euro bei Mitnahme ab dem 5. Fahrgast berechnen.“

Für einige mag es überraschend klingen, aber ein Taxi ist ein öffentliches Verkehrsmittel, für das strenge gesetzliche Regelungen gelten. Die Vorschriften finden sich im Personenbeförderungsgesetz sowie in der Betriebsverordnung für Kraftfahrtunternehmen im Personenverkehr. Die Preise werden von den einzelnen Städten und Landkreisen auf Antrag der Taxiverbände festgelegt und müssen eingehalten werden. Für den Kunden ist es wichtig zu wissen, dass diese Tarife nur im sogenannten Pflichtfahrgebiet gelten, die in den einzelnen Tarifen genau benannt sind. Für Fahrten, die ihren Zielort außerhalb des Pflichtfahrgebietes haben, können Preise frei verhandelt werden. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wurden diese nun im Durchschnitt um rund 24 Prozent erhöht.

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