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Neu Kaliss : „Abenteuerland“: Zukunft ungewiss

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Sanierung, Platznot und Fachkräftemangel beschäftigen das Team der Kindertagesstätte der Volkssolidarität in Neu Kaliß

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Manche sagen, das „Abenteuerland“ in Neu Kaliß sei die schönste Kita des VS-Kreisverbandes Ludwigslust. Andere meinen, die Jugendstilvilla sei aber auch das größte Sorgenkind des Trägers.

Bei der kleinen Delegation um Minister Till Backhaus löst schon der historische Eingangsbereich Entzücken aus, aber das darauf folgende Gespräch mit Kreisverbandsgeschäftsführer Holger Mieth und Kita-Leiterin Bärbel Kruse sorgt auch bei dem Politiker für Sorgenfalten. „Wir brauchen dringend Lösungen“, sagt Holger Mieth nur knapp. Aber wo anfangen? Die Villa benötigt eine Verjüngungskur, heißt Sanierung. Die Kita braucht dringend mehr Plätze. Und die Leiterin sucht händeringend nach Erzieherinnen.

Wie saniert man eine historische Kita-Villa? Der VS-Kreisverband hatte das herrschaftliche Haus auf einer naturbelassenen Insel gelegen vor etwa 25 Jahren gekauft, immer wieder repariert und umgestaltet. Aber nach mehr als zwei Jahrzehnten reichte Reparatur nicht mehr aus und es stellte sich die Frage: Sanierung oder Neubau?

Beide Vorschläge besitzen Vor- und Nachteile. Beide Ideen verschlingen Unsummen, aber es nützt nichts. Nach mehrmonatigen Überlegungen steht nun fest: Sanierung. „Aber nun müssen wir viele Sachen mit bedenken“, holt Holger Mieth aus. Ein Beispiel: Die einfach verglasten Holzfenster können nicht einfach durch moderne ersetzt werden. Der Denkmalschutz wird voraussichtlich die Sanierung der alten Fenster verlangen. Um Energie zu sparen, müssen zusätzlich neue, energiesparende Alternativen davor gesetzt werden. Ein weiteres Beispiel: Klimafreundlich und kostengünstig wäre eine Gasheizung, die aber aufgrund der Insellage nicht realisierbar ist. Die Alternative heißt Ölheizung. Dieser Beispiele gibt es viele. Die Liste ist lang.
Wie schafft man Platz für mehr Kinder?

In den umliegenden Dörfern sind in den vergangenen Jahren mehr als 20 neue Eigenheime aus dem Boden gestampft worden. Zunehmend junge Familien ziehen auf den Landstrich und die Warteliste von Bärbel Kruse wächst und wächst. „Wir brauchen zehn bis zwölf zusätzliche Krippenplätze“, sagt sie und bekommt Rückendeckung vom Bürgermeister des Amtes Dömitz-Malliß, Burkhard Thees. Er brauche die Kita-Plätze ebenso dringend, um die jungen Familien an die Gemeinde zu binden. Ein Krippenkind, wächst in die Kita und anschließend in die Grundschule hinein. Strukturen, die ein Amt wie Dömitz-Malliß dringend benötigt. „Ist die Kita weg, verschwindet bald auch die Grundschule“, fasst Minister Till Backhaus zusammen. Die Prophezeiungen von sinkenden Geburtenraten seien in der Kita „Abenteuerland“ in Neu Kaliß zumindest nicht spürbar. „Das ist eigentlich toll“, sagt Burkhard Thees.

Bärbel Kruse braucht mehr Platz, um Kinder aufnehmen zu können. Eine Sanierung könnte den schaffen. „Wir müssten aber alles umbauen“, fügt sie hinzu. Holger Mieth weiß das und würde so gerne helfen. Als Geschäftsführer hofft er natürlich ein bisschen auf Fördergelder vom Land. Minister Till Backhaus würde gern viel versprechen, steckt aber im Wahlkampf und hält sich zurück. Mecklenburg-Vorpommern sei dezentral strukturiert und der ländliche Raum dürfe nicht weiter ausbluten. Schon allein deshalb halte er die Kita in Neu Kaliß für förderungswürdig, ganz abgesehen von dem Schmuckstück von Villa, das erhalten gehört. „In schönerer Umgebung können Kinder doch nicht aufwachsen“, sagt er, selbst stolzer Papa. Wie findet man Erzieher und Erzieherinnen? Mehr Platz ist super. Mehr Erzieherinnen braucht Bärbel Kruse dann allerdings auch. Leider ist der Fachkräftemangel in der Fläche inzwischen besonders hoch. Und leider darf eine Kita wie das „Abenteuerland“ nur begrenzt fachverwandte Kräfte wie Kinderkrankenschwestern oder Grundschullehrer beschäftigen. „Eine Crux, die wir nicht lösen können“, sagt Holger Mieth.

Der Minister nickt verstehend mit dem Kopf. Eine schnelle Lösung für Neu Kaliß sieht auch er nicht, aber eventuell eine Möglichkeit. Man bleibe in Verbindung und müsse natürlich die Landtagswahl abwarten. Danach sei es an der Zeit, neue Pläne für das „Abenteuerland“ zu machen und vor allem auch umzusetzen.


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