Grabow : A14-Bau: Spektakuläre Brunnenfunde bei Grabow

Bisher nicht publik gemacht: Der beim A14-Bau in Beckentin bei Grabow gefundene Baumstammbrunnen ist bronzezeitlich (1000 bis 800 v.u.Z.),   Fotos: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV
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Bisher nicht publik gemacht: Der beim A14-Bau in Beckentin bei Grabow gefundene Baumstammbrunnen ist bronzezeitlich (1000 bis 800 v.u.Z.), Fotos: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV

Jahrestreffen der 46 MV-Grabungsleiter

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25. März 2015, 08:35 Uhr

Einmal im Jahr treffen sich die aktuell 46 Grabungsleiter des Landes – zum dritten Mal hintereinander im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden. Am Sonnabend zwischen 9 und 16 Uhr ist es wieder soweit. „Es wird ein harter Tag“, so die gastgebende Museumsleiterin Heike Pilz angesichts der gleich 17 Vorträge.

Den Anfang macht Marlies Konze, die Ausgrabungsleiterin beim Schweriner Schloss. Laut Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen ist das eine „schwierige Baustelle. Es gibt noch keinen Endtermin der Grabungen.“ Marlies Konze und ihre Mannschaft seien gegenwärtig „im vorletzten Segment“ des hölzernen Wallkomplexes (965 bis 970 n. Chr.). Weitere Themen in Groß Raden sind unter anderem die „mittelalterliche Kalkbrennerei in MV“ und die „Eisenverhüttung in einer Älter Kaiserzeitlichen Siedlung bei Klevenow“, Landkreis Vorpommern-Rügen.

Zudem spricht Dominik Forler, der Grabungsleiter beim A 14-Weiterbau, erstmals über die spektakulären Brunnenfunde in Beckentin bei Grabow, was deren Zahl und Erhaltungszustand betrifft. Wie Dr. Jantzen auf SVZ-Nachfrage bestätigte, wurden „die Funde bisher nicht publik gemacht“. Genaueres könne Dr. Jens-Peter Schmidt sagen, der im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege seit 1993 das Referat Sonderprojekte leitet. Dazu gehörten solche Großbaustellen wie die Erdgastrassen Opal und NEL, hier waren die Archäologen von 2008 bis 2011 zugange. Oder eben der aktuelle Weiterbau der A 14 im Raum Grabow. Auf einer Fläche von nur 400 m2 wurde „ein ganzes Fass aufgemacht, ein Brunnen nach dem anderen trat zutage“, so die Worte von Dr. Schmidt, der nach eigenem Bekunden bei dem Thema immer noch glasige Augen bekommt. „Beckentin ist schon Klasse. Ich habe seit 1993 schon vieles gesehen, aber so was noch nicht!“

In Beckentin wurden im Herbst 2014 Brunnen aus zwei Epochen gefunden: Ausgehöhlte Baumstämme als Röhrenbrunnen, „die offensichtlich aus der jüngeren Bronzezeit von 1000 bis 800 vor unserer Zeitrechnung stammen“, so Dr. Schmidt. „Zudem sind es Kastenbrunnen aus der Slawenzeit. Hier liegen die dendrologische Daten bereits vor – um das Jahr 820 nach Christus.“ In einem Slawenbrunnen lag zudem ein großer Holzeimer von 65 cm Höhe und einem 44er-Durchmesser. Dr. Schmidt: „Bis auf den Boden ist er vollständig, so was haben wir noch nicht gehabt.“

Und noch ein anderer Vortrag verspricht Spannung: „Hinweise neuzeitlicher Glasproduktion in Badow“ von Dr. Frank Wietrzichowski. Im Zuge des Baus eines Windenergieparks im Dorf bei Lützow wurde am künftigen Startort sowie der Zuwegung von Dr. Wietrzichowski und seinem Team „ein stehendes und ein liegendes Glaszentrum der frühen Neuzeit entdeckt. Anhand von Abfallprodukten wie Reste der Glasschmelze sowie Flaschen, Schalen und Bechern, aber auch von Münzfunden konnte das Jahr exakt auf 1714 datiert werden. „Damals wurde die Glashütte von Dümmer nach Balow umgesetzt“, so der Archäologe. „Erstmals wissen wir jetzt, wie groß wirklich die Öfen waren. Bisher hatten wir nur Urkunden über solche Hütten“, erläutert der in Wessin wohnende Dr. Wietrzichowski.

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