Ludwigslust : Streit um Discounter bleibt

Im Gespräch über Einzelhandel und Discounter: v.l.n.r. Michael Prill, Irmtraud Kunkel vom Schweriner Infrastrukturministerium, René Krüger, Dorothea Schüning, Stefan Schiefele und Moderatorin Regina Schroeder von der Beratungsfirma Cima.
Im Gespräch über Einzelhandel und Discounter: v.l.n.r. Michael Prill, Irmtraud Kunkel vom Schweriner Infrastrukturministerium, René Krüger, Dorothea Schüning, Stefan Schiefele und Moderatorin Regina Schroeder von der Beratungsfirma Cima.

Ludwigsluster Einzelhandelsforum sorgte auf keiner Seite für einen Stimmungswandel. Investor hält an Lidl-Projekt fest

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31. Januar 2019, 05:00 Uhr

Die Stadt ist geteilt. Zumindest was die Ansiedlung eines weiteren Discount-Marktes im Nordosten angeht. Daran hat das Einzelhandelsforum, bei dem am Dienstagabend Bürger, Innenstadt-Einzelhändler, Fachleute für Stadtentwicklung und ein potenzieller Investor diskutierten, nichts geändert. Die Stadtverwaltung zog aber eine erste Schlussfolgerung. „Wir müssen uns um die Nahversorgung dort kümmern“, sagte gegenüber SVZ Stefan Schiefele, Mitarbeiter der Verwaltung im Bereich Stadtentwicklung, „und dafür einen integrierten Standort suchen, der die gesamte Versorgungslücke abdeckt.“ Neu ist die Erkenntnis, dass der Bereich Neustädter Straße, Laascher Weg und Georgenhof unterversorgt ist, allerdings auch nicht.

Weiterlesen: Kunden, Händler und Investor im Gespräch

Die Anwohnerin

Dorothea Schüning lebt seit 1958 in der Vogelgegend. „Damals waren wir ganz jung, jetzt sind wir fast die Ältesten.“ Früher habe es in der Wohngegend Konsum, HO, Bäcker und mehr gegeben. „Es ist wichtig, dass wir wieder eine Nahversorgung bekommen“, sagte die Ludwigslusterin. „Egal ob auf dem Bama-Gelände oder neben der Tankstelle.“ Um ins Stadtzentrum zu kommen, müssten die Bewohner aus dem Nordosten über die Hochbrücke oder die Fußgängerbrücke gehen, merkte ein anderer Einwohner an. Und dort streiken die Fahrstühle gern mal.

Der Einzelhändler

„Wir brauchen keinen zusätzlichen Lebensmittel-Einzelhandel“, sagte Michael Prill, Edeka-Händler in der Innenstadt. „Das würde die anderen Geschäfte mehr oder weniger schädigen.“ Er gehört zu den 51 Unterzeichnern eines Briefes, den Einzelhändler an die Stadtvertreter geschickt hatten. „Ein zusätzlicher Discountmarkt mit vergleichbarem Angebot führt nicht zu einer Vergrößerung des Einzugsgebietes und damit nicht zu einer Erhöhung der Kaufkraft in Ludwigslust, sondern zu einer Umverteilung auf eine dann noch größere Anzahl von Anbietern“, heißt es darin. Er würde dem (außer Kraft gesetzten) Einzelhandelskonzept widersprechen und Kunden am Ortseingang „abfangen“. „Ein Lidl hat nicht nur Lebensmittel im Angebot, sondern auch Regale voll mit Non-Food-Ware“, sagte Andrea Danda, Managerin des Lindencenters, gestern. „Und der Kunde kann Geld nur einmal ausgeben.“ Sie sehe auch den Bedarf, dass im Bereich Neustädter Straße etwas gemacht werden muss. „Aber das muss nicht unbedingt ein Lidl sein.“

Der Investor

René Krüger hat das Bama-Gelände gekauft. Auf einem Teil des Grundstücks möchte er einen Lidl-Markt bauen und perspektivisch daneben eine Markthalle. Er kritisierte, dass immer ein 700-Meter-Bereich für die fußläufige Erreichbarkeit eines Standortes betrachtet wird. „Der Stadt fehlt die Weitsicht“, sagte der Schweriner und verwies auf den geplanten Tunnelbau und Wohnungsbauprojekte. Auch er selbst will am Rande des Bama-Geländes perspektivisch einen Wohnstandort entwickeln. „Und ich bin im Gespräch mit einer Fastfood-Kette“, so Krüger. Man wolle nicht dem Fach-Einzelhandel in der Innenstadt Konkurrenz machen, sondern das Areal aufwerten. Der Investor monierte, dass man mit der Stadt „nicht vernünftig ins Gespräch kommt“. „Die Einwohner und eine Mehrzahl der Stadtvertreter wollen mich, die Stadtverwaltung und deren Oberhaupt nicht.“

Der Stadtentwickler

„Wir würden dort einen Parallelstandort schaffen“, sagte Stefan Schiefele. „Ist das gewollt? Wir wollen doch die Leute in die historische Altstadt locken.“ Zu einem attraktiven Zentrum gehören Einzelhandel, Gastronomie und ein ansprechendes Flair. „Wenn wir die Innenstadt mit der Nutzung, wie wir sie haben, erhalten wollen, müssen wir diesem Ziel im Zweifel Vorrang gewähren“, so Schiefele.

Sich einander von ihren Standpunkten abbringen, konnten die Gesprächsteilnehmer am Dienstagabend nicht. Die Stadtverwaltung will das Einzelhandelsforum noch im Detail auswerten. „Wir müssen überlegen, wie wir die Versorgungslücke schließen“, so Stefan Schiefele.

Und René Krüger hält an seinem Vorhaben, für das die Bauvoranfrage läuft, fest. „Wenn wir mit dem Markt unter 800 Quadratmetern Verkaufsfläche bleiben, kann die Stadt ihn nicht verbieten“, so Krüger gestern. „Es sei denn, sie würde einen Bebauungsplan über das Gebiet legen.“

Weiterlesen: Lidl, Aldi oder lieber keinen Discounter?

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