Ludwigslust : Helden von Lübtheen: Ein Anruf, der alles veränderte

 Verschnaufpause der Einsatzleitung beim Waldbrand in Lübtheen: Stefan Geier (l.), Wolfgang Krause und Uwe Pulss (r.).
Verschnaufpause der Einsatzleitung beim Waldbrand in Lübtheen: Stefan Geier (l.), Wolfgang Krause und Uwe Pulss (r.).

Helden-Serie: Stefan Geier, Wolfgang Krause und Uwe Pulss, die Einsatzleitung des Waldbrandes von Lübtheen, erinnern sich an den 30. Juni

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07. September 2019, 05:00 Uhr

„Uwe, auf der anderen Seite geht es los“, diesen Satz vom Lübtheener Ortswehrführer Carsten Blohm wird Kreiswehrführer Uwe Pulss wohl nie vergessen. Auch das Datum nicht. 30. Juni 2019. Aber so geht es allen drei Männern, die zur Einsatzleitung während des Waldbrandes von Lübtheen gehörten: Stefan Geier und Wolfgang Krause, ebenfalls Vorstandsmitglieder des Kreisfeuerwehrverbandes Ludwigslust-Parchim. Beide waren zu Hause, als sie den „Marschbefehl“ von Uwe Pulss bekamen. Noch heute – gut acht Wochen – nach dem größten Waldbrand in der Nachkriegsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns hat Uwe Pulss eine ellenlange Anruferliste auf seinem Smartphone. „Tausende Anrufe habe ich bekommen in dieser Zeit und auch geführt.“

 

Die extremen Wetterbedingungen erschwerten die Situation. „Vor allem der Wind war sehr tückisch“, sagt Stefan Geier. Gemeinsam ging die Fahrt nach Lübtheen, dort richteten die Männer die Einsatzleitung ein. „Zu diesem Zeitpunkt brannten bereits gut zehn Hektar“, sagt Wolfgang Krause. „Wenn wir überhaupt etwas gesehen haben“, sagt Stefan Geier. Schließlich war alles ziemlich verraucht. „Der Rauch konnte durch den Wind nicht nach oben steigen. So eine extreme Lage habe ich noch nie erlebt“, so Stefan Geier. Zeitgleich zum Waldbrand gab es im Landkreis sieben weitere Flächenbrände. „Es war dadurch sehr schwierig, Einsatzfahrzeuge nach Lübtheen zu bekommen“, sagt Uwe Pulss. Am Abend des 30. Juni aber waren Einsatzkräfte von Plau am See bis Boizenburg vor Ort – für die gesamte Woche.

Keiner der Einsatzkräfte verletzt

Der Einsatzleitung ist schnell bewusst, dass dieser Brand schlimm ist. „Wir wussten, wenn die Wetterkonstellation so kommt, wie sie gekommen ist, gilt es vor allem eines: Wir müssen die Ortschaften sichern“, sagt Stefan Geier. Heute sind alle heilfroh, dass keiner der Einsatzkräfte verletzt wurde. „Wir haben während des Einsatzes auch ganz andere Gedanken gehabt“, sagt Stefan Geier.

Weiterlesen: Chronologie des Waldbrands von Lübtheen: Es brennt!

Uwe Pulss, Stefan Geier und Wolfgang Krause sprechen sich während des Waldbrandes immer wieder ab. „Wir haben alle feuerwehrtaktischen Entscheidungen gemeinsam getroffen“, sagt Wolfgang Krause. Ihm ist aber auch wichtig, dass der Personenkult um die Einsatzleitung aufhört. „Wir haben unseren Job erledigt“, so Wolfgang Krause. „Und das konnten wir nur machen, weil die anderen Einsatzkräfte uns den Rücken freigehalten haben“, fügt Stefan Geier hinzu.

Technik kam an ihre Grenzen

Nach und nach wird der Einsatz jetzt aufgearbeitet. Im Kreisfeuerwehrverband, mit der Landkreisverwaltung, mit den Kameraden aus dem Einsatz... Nicht nur für die Einsatzkräfte ging der Waldbrand an die Substanz. Auch von der Technik wurde einiges abverlangt. „Einige Pumpen sind kaputtgegangen“, erklärt Wolfgang Krause. Beim Fazit sind sich die Männer einig: „Wir brauchen vernünftige Löschtechnik“, sagt Uwe Pulss. Oberste Priorität aber hat auch der 1000-Meter-Radius um die Ortschaften. „Es muss klar sein, wer die in den nächsten Jahren pflegt. Sonst haben wir in zwei, drei Jahren wieder dieselbe Situation“, verdeutlicht Stefan Geier und appelliert an die Politiker.

Eines aber darf auch bei der Einsatzleitung nicht fehlen: „Wir möchten uns bei allen Einsatzkräften bedanken. Es war ein gutes Zusammenspiel mit allen Truppen“, sagt Uwe Pulss. Der Dank geht auch an Landrat Stefan Sternberg und seinen Stellvertreter Wolfgang Schmülling für das entgegengebrachte Vertrauen. Denn in die Taktik der Einsatzleitung haben die beiden nie eingegriffen. Auch die Arbeitgeber bedenken sie in ihrem Dank. „Und vor allem unsere Frauen dürfen wir beim Dank nicht vergessen“, sagt Uwe Pulss. An die 15 Stunden am Stück im Einsatz waren die Männer, drei Stunden Schlaf. „Und schnell noch eine Tasse Kaffee mit der Familie. Dieser Rückhalt in der Familie ist ganz wichtig“, sagt Wolfgang Krause.

Ein Landkreis sagt danke: Alle Einsatzkräfte, Helfer und Anwohner sind am heutigen Sonnabend, 7. September, auf den Festplatz nach Lübtheen eingeladen.

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