Gnadenhochzeit in Karstädt : 70 Jahre verheiratet: „Wir haben ,Schwein’ gehabt“

Ilse und Willi Hasenhorst sind seit 70 Jahren verheiratet.
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Ilse und Willi Hasenhorst sind seit 70 Jahren verheiratet.

Ilse und Willi Hasenhorst aus Karstädt feierten gestern das seltene Fest der Gnadenhochzeit

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10. Januar 2018, 05:00 Uhr

Was braucht es eigentlich, um sozusagen auf „ewig“ verheiratet zu sein? „Eigentlich nur zwei Dinge: Liebe und gegenseitiges Vertrauen“. Die das sagt, muss es wissen. Ilse Hasenhorst (89) aus Karstädt feierte gestern mit ihrem Willi (91) das Fest der Gnadenhochzeit. Vor 70 Jahren gaben sich beide das Ja-Wort.

Gefeiert wurde gestern im Saal der Gaststätte „Zur Quelle“ in Karstädt, wo vor rund 72 Jahren alles begann. „Wir haben uns 1946 genau hier auf dem Tanzboden kennen gelernt. Damals hieß die Gaststätte noch ,Fortan’“, erzählt Ilse. „Willi kam auf mich zu, forderte mich zum Tanzen auf und das war’s: Liebe auf den ersten Blick.“ Und dann verrät sie: „Ich wollte immer einen Mann mit richtig dunklem Haar. Willi hatte genau das – ganz volles schwarzes Haar.“

Wie damals, als sich die gebürtige Güritzerin Ilse und Willi aus Karstädt kennenlernten, war der Saal der Gaststätte auch gestern voll besetzt. Viele Freunde, Bekannte und Verwandte waren gekommen, um zu feiern und zu gratulieren. Wie einst zur Hochzeit gab es auch 70 Jahre später wieder einen Strauß weißen Flieder. Ilse Hasenhorst: „Damals, im Winter 1948 gab es natürlich weit und breit keinen weißen Flieder. Wir haben ihn dann durch Bekannte über Westberlin bekommen.“

Beide blicken auf ein arbeitsreiches Leben zurück, betrieben eine kleine Landwirtschaft und waren dann 25 Jahre in der LPG. „Wir arbeiteten im Schweinestall, Willi war sogar Meister“, sagt Ilse. Und Willi meinte gestern mit einem Schmunzeln zu seiner Ilse: „Die Schweine haben uns offensichtlich Glück gebracht. Wir haben eben ,Schwein’ gehabt.“

Zu den Gratulanten gestern gehörte natürlich auch Tochter Inge Bresche, die in Grabow wohnt. „Ich besuche Mutti und Vati so oft es geht, helfe im Haushalt und vor allem am Wochenende beim Mittagkochen. Einiges macht Mutti aber auch noch selbst.“ Ilse Hasenhorst bestätigt: „Unsere Tochter ist unsere Stütze.“

Inge Bresche wiederum freut sich: „Es ist unglaublich, wie fit beide in diesem hohen Alter noch sind. Vati sagt sogar noch Gedichte aus seiner Schulzeit auf und Leute aus der Gemeinde, die sich mit der Chronik beschäftigen, fragen ihn oft, wie dieses oder jenes damals war.“

Das Jubiläumspaar zog drei Kinder groß (zwei Söhne sind inzwischen verstorben), hat zwei Enkel und drei Urenkel.

Auch Karstädt Bürgermeisterin Kriemhilde Franck gratulierte gestern. „Ich freue mich, dass beide immer noch in der Volkssolidarität am Dorfleben teilnehmen, Ilse kommt zu den Würfelnachmittagen und Willi spielt Skat.“ Andreas Neumann, Beigeordneter des Landkreises hebt hervor: „Das Fest der Gnadenhochzeit ist schon äußerst selten. Aber dass man in dem Alter noch so rüstig ist und sogar in der Gaststätte mit so vielen Menschen feiert – alle Achtung.“

Und auch, was außerhalb des Dorfes passiert, interessiert beide Senioren immer noch. „Ich schaue oft Fernsehen, mein Willi hört nicht mehr so richtig, liest aber jeden Tag seine SVZ“, lacht Ilse.

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