Groß Laasch : 50 Jahre alte Leitungen erneuert

Mehrmals muss geprüft werden, ob noch Sauerstoff in der Leitung ist. Erst dann können die Schweißarbeiten beginnen.
Foto:
Mehrmals muss geprüft werden, ob noch Sauerstoff in der Leitung ist. Erst dann können die Schweißarbeiten beginnen.

Teilsanierung der Gasleitung bei Groß Laasch fast abgeschlossen / Hamburger HanseWerk AG arbeitet mit amerikanischem Verfahren

svz.de von
29. April 2017, 10:03 Uhr

Spülen, messen, abwarten. Nach einigen Minuten wieder messen und abwarten. An der Baustelle an der K 39 bei Groß Laasch war dieser Tage große Geduld gefordert. Im Zuge der Sanierungsarbeiten an der unterirdischen Gasleitung wurden die alte Rohre mit dem rund 2,5 Kilometer langen neuen Abschnitt unter hohen Sicherheitsvorkehrungen zusammengeschweißt. In der nächsten Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres haben die Bauarbeiten an der Gasleitung an der K 39 begonnen. Dabei wurde ein 2,5 Kilometer langes Stück der insgesamt 250 Kilometer langen Gastransportleitung erneuert. „Teile der Leitung stammen aus dem Jahr 1967, deshalb war eine Sanierung jetzt notwendig. Außerdem lagen die Leitungen laut neuesten Vorschriften nicht mehr tief genug“, erklärt Axel Dietrich, Projektmanager bei der HanseWerk AG. Das Hamburger Unternehmen investiert mit der Sanierung rund 800 000 Euro in die Versorgungssicherheit in unserem Landkreis. Die Hochdruckleitung transportiert das Erdgas mit einem Druck von rund 20 bar nach Süd-West-Mecklenburg und in Teile Brandenburgs. Als Subunternehmen für die Arbeiten wurde die Firma DAU Rohrleitungsbau GmbH aus Lübz angefordert.

Während der gesamten Bauzeit war die Gasversorgung der angeschlossenen Städte, darunter Ludwigslust, Hagenow und Zarrentin, nicht eingeschränkt. Grund dafür ist ein Absperrverfahren der amerikanischen Firma T.D. Williamson. „Mit uns gibt es nur sieben Firmen in ganz Deutschland, die dieses Verfahren anwenden und dadurch können wir ohne Versorgungsstopp arbeiten“, erklärt Thomas Schmidt, Koordinator des HanseWerk Spezialistenteams der Anbohr- und Absperrwerkstatt. Bei dem Verfahren, welches die HanseWerk AG bereits seit 1985 anwendet, wird auf beiden Seiten des zu reparierenden Abschnitts eine so genannte Stopple angebohrt, die den Gasfluss stoppt. Dadurch kann an einzelnen Abschnitten der Leitung gearbeitet werden, ohne dass Gas austritt, und die Versorgung wird durch Bypässe gesichert. „Am Ende der Bauarbeiten wird die Stopple wieder runtergenommen und kann auf einer anderen Baustelle genutzt werden“, erklärt Schmidt weiter.

Teile der 2,5 Kilometer langen neuen Gasleitung wurden mit dem Horizontalspülbohrverfahren verlegt, eine Freilegung war hier nicht notwendig. „Das Verfahren haben wir auf 1,5 Kilometern angewendet und so den Eingriff in die Natur gering gehalten“, erklärt Axel Dietrich. Unter der K 39 wurde außerdem ein kurzes Stück Leitung gerammt, um die Fahrbahn nicht zu beschädigen.

Als einer der letzten Schritte mussten dann die alte und neue Leitung miteinander verbunden werden. Um ohne Gefahr schweißen zu können, musste zunächst eine Rohrspülung durchgeführt werden. „Dabei wird mit Erdgas der Sauerstoff aus der Leitung gespült. Sind wir bei 100 Prozent, kann es losgehen“, erklärt Ronald Dau, Geschäftsführer der DAU Rohrleitungsbau GmbH. Und das bedeutete zunächst langes Warten für alle Bauarbeiter. „Man muss einfach auf diesen einen Punkt warten, das kann schon mal länger dauern. Aber dann geht es plötzlich ganz schnell und jeder hat seine feste Aufgabe“, erklärt Thomas Schmidt. Dazu gehört auch die Bereitstellung einer Feuerlöschkanone mit 250 Kilogramm Pulver.

Ein Sachverständiger der Materialprüfanstalt (MPA) Hannover nahm abschließend die Schweißnähte mittels zweier Verfahren ab. Außerdem müssen einige Stücke der neuen Leitung noch isoliert und der Boden wieder aufgefüllt werden. In der nächsten Woche sollen dann alle Arbeiten abgeschlossen sein. „Und dann sieht es hier wieder aus, als wäre nichts gewesen“, versichert Ronald Dau.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen