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Wölfe in MV : 20 Schafe tot, ein Lamm überlebt: Wolfsattacke in Malliß

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

20 Kamerunschafe in Malliß höchstwahrscheinlich von Wölfen getötet. Bewohner und Tierhalter erwarten eine Reaktion aus der Politik.

von
erstellt am 02.Jan.2017 | 20:45 Uhr

Zitternd und in eine Jacke gehüllt sitzt das zwei Tage alte Lamm auf dem Arm von Holger Kettelhöhn. Das Jungtier ist von nun an auf die Hilfe des Menschen angewiesen und muss mit der Flasche großgezogen werden. Denn seine Mutter und 19 weitere Kamerunschafe wurden auf einer Weide in Malliß höchstwahrscheinlich von Wölfen gerissen.

Am vergangenen Sonnabend entdeckten Spaziergänger die getöteten Tiere auf einem Grundstück in der Nähe des Campingplatzes. Sofort wurde Gerhard Hippler aus Conow verständigt, der das Grundstück und die 52 Schafe, darunter tragende Tiere und neugeborene Lämmer, für den Besitzer aus Hamburg verwaltet. „Viele Tiere waren sofort tot, aber einige laufen auch noch immer schwer verletzt auf der Weide umher.“ Die Tiere sind verängstigt und trauen sich nicht mehr in die Nähe des Hauses. „Sonst kamen immer alle angelaufen, wenn wir sie füttern wollten“, erklärt Holger Kettelhöhn, der sich auch um die Pflege der Schafe kümmert.

Bereits am Sonntag war ein Wolfsbeauftragter vor Ort, um Spuren zu sichern, Fotos zu machen und die getöteten Schafe zu untersuchen. Aufgrund der Spuren an den Tieren gehe man davon aus, dass der Angriff bereits in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag stattfand. Demnach wurden die Schafe auf der Weide in die Enge getrieben und getötet. Einige Tiere ertranken auch in der Elde, welche die Weide komplett umgibt. Die endgültigen Ergebnisse der Untersuchungen stehen aber noch aus, erklärt die Pressestelle des Landwirtschaftsministeriums auf SVZ-Anfrage. In Malliß aber ist man sich sicher, dass mehrere Wölfe die Schafe angegriffen haben müssen. „Man sieht ja die Bissspuren und der Wolf vermehrt sich außerdem explosiv in unserer Region“, beklagt Jagdpächter Hartmut Baumgart. Seit Juni 2016 ist MV (ausgenommen sind die Inseln) offizielles Wolfsgebiet.

Die Verunsicherung nach dem Angriff ist groß. Auch Bürgermeister Volker Sielaff, der den Campingplatz in Malliß betreibt, hat Angst um die Tiere seines Streichelzoos. „Der Wolf kommt immer näher, aber die Politik unternimmt nichts. Unsere Tiere sind Teil unserer Familie, alle haben einen Namen. Aber das verstehen Menschen aus der Großstadt anscheinend nicht.“ Die Tierhalter aus Malliß und Umgebung erwarten nun eine Reaktion aus der Politik. Landwirtschaftsminister Till Backhaus erklärt in einer Pressemitteilung, dass die Rückkehr des Wolfes zwar ein großer Erfolg für den Artenschutz sei, der Umgang mit ihm aber eine große Herausforderung darstelle. Außerdem erwarte er von Tierhaltern, den Schutz der Tiere auszubauen und dabei staatliche Zuwendungen der Förderrichtlinie Wolf in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören u.a. Zäune und Hütehunde.

Heute kommt der Besitzer des Grundstückes nach Malliß, um mit Gerhard Hippler und Holger Kettelhöhn das weitere Vorgehen zu besprechen. Außerdem will man versuchen, alle Schafe in den Stall zu treiben, um festzustellen, wie viele Tiere getötet bzw. verletzt wurden.

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