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Ludwigslust Zwischen Traum und Nervenkitzel

Von Harald Schulz; | 11.08.2013, 06:00 Uhr

Da werden tausende Gäste mit einem unverständlichen "Heiawotschnackitsch" von menschlich großen Ameisen begrüßt, und zahlreiche Besucher des "Kleinen Fests im großen Park" machen bei diesem künstlerisch anspruchsvollen Unfug auch noch mit.

Oder: Gleich vor dem Schloss auf dem Rasen des Parks bekunden die Artisten des "Circus unArtig" ihre Liebe zueinander in Schwindel erregender Höhe. Damit nicht genug, wird dem danach begeisternd applaudierenden Publikum atemberaubende Akrobatik am Trapez geboten.

Oder: Dass zwölf Toulouser Gänse durchaus Menschenmassen begeistern können, das präsentierte das niederländische Duo Marc Geurtz und Oscar de Groot mit ihren schnatternden Begleitern. Auch die 19. Auflage im Schlosspark gelang zu einem künstlerisch anspruchsvollen Spektakel samt zweier fantastischer Feuerwerke in den Ludwigsluster Nachthimmel am Freitag und Sonnabend. Diese Fest lud ein, "die Zeit anzuhalten und das Jetzt zu genießen", wie es die rechte Hand vom Künstlerischen Direktor Harald Böhlmann, seine Frau Githa Cleri-Böhlmann ausdrückte. Dieses Fest dürfte mittlerweile zum größten Besuchermagneten der Stadt aufgewachsen sein.

Der Titel "Kleines Fest" passt eigentlich nicht so recht zu den künstlerischen Feuerwerken an leisen, lauten, humorreichen und atemberaubenden Darbietungen. Da brillierte erneut der "stumme" Clown "Frans" ohne Worte, nur mit Freundlichkeit und Gesten. Der Niederländer Frans Custers verriet in einer seiner kurzen Pausen, dass er eigentlich von Kindheit an vom Clownsein träumte, es mittlerweile seit 28 Jahren professionell ausübt. Clown Frans spricht nie mit einer anderen Person - "selbst nicht mit dem Künstlerischen Direktor" - im Verlauf eines Auftritts. Custers hat die Faszination des Clowns auf das Wenige reduziert: Er spielt aus dem Herzen heraus. Gurken statt Bananen gehören mittlerweile zum Auftritt, "weil zu viel Bananen nicht bekömmlich sind und die ja in der Sonne übel reifen".

Jede Menge Sonnenschein und viele Fragen mussten auch "Prinzessin Amalie von Barocko" und ihr auf über drei Meter hochgeschossener Hofmarschall Alfons über sich ergehen lassen. Birgit Isaloh und Ralf Lamprecht vom "Kinder- und Jugendtheater Traumbaum gegen Rassismus & Gewalt, für Akzeptanz & Toleranz" aus Bochum wünschten sich aber exakt solche Publikumsreaktionen. "Nur so entwickelt sich ein Spiel von unserem Märchen und der Gegenwart unseres Publikums. Dieses Wechselspiel fesselte in Ludwigslust an beiden Festtagen immer wieder."

Der Japaner "Tempei" trat im Wechsel mit dem "Trio Satchok" auf. Die Bühne 24/25 bot Akrobatik in Perfektion: "Tampei" jonglierte in atemberaubender Geschwindigkeit mit Bällen, Keulen und Diabolos, während das deutsch-französisch- polynesische Trio menschliche Pyramiden aneinander reihte. Höhepunkt war sicher der mehrfache Salto. Der Künstlerkommentar danach: "Nach drei solcher Vorstellungen können wir wirklich nicht mehr einen Fuß vor den anderen setzen."

Eine umjubelte Premiere erlebten "Frau Emmi und Herr Willnowsky". Immer wenn Christoph Dompke, als spitzfindig keifende Ehefrau Emmi, und Christian Willner, als kompromisslos beleidigender Ehemann aus den weiten Osteuropas - allerdings mit festen Programm in "Schmidt´s Tivoli" auf der Hamburger Reeperbahn - aufbegehrten, verfolgte dies stets eine johlende Menschentraube.

Einen Hauch von Mystik verbreiteten auf Stelzen grazil durch den Park wandelnde Elfen und die dazwischen sich hinschleppenden, gruseligen Trolle vom "Stelzentheater Waldwesen". Wer ein wenig Mut aufbrachte, der konnte sich von der kilometerlangen Tour entlang der Bühnen auf der "Lebendigen Couch" zwischen den "Tukkers Connexion"-Damen ausruhen.