Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Ludwigslust Ziel: Fachkräfte an Firmen binden

Von SVZ | 04.02.2014, 07:00 Uhr

SVZ sprach mit Wolfgang Waldmüller, Vorsitzender des Unternehmerverbandes der Region Ludwigslust/Parchim

Wie bindet man die Fachkräfte? Vor dieser Herausforderung stehen die Unternehmen. Und diesem Schwerpunkt wird sich die freiwillige Vertreterschaft von über 240 Unternehmen zwischen Wittenburg und Plau am See in diesem Jahr stellen. SVZ-Redakteur Michael Beitien sprach vor dem Neujahrsempfang des Unternehmerverbandes der Region Ludwigslust/Parchim am kommenden Mittwoch in der Kreisstadt mit dem Vorsitzenden Wolfgang Waldmüller über das zurückliegende Jahr und einen Ausblick auf 2014.

Herr Waldmüller, das Einzugsgebiet ihres Regionalverbandes ist in den letzten Monaten gewachsen und reicht jetzt vom Plauer See bis an die Grenze zu Schleswig-Holstein. Die Organisation des Verbandslebens dürfte nicht so einfach sein...
Wolfgang Waldmüller: Die großen Entfernungen im zweitgrößten Landkreis Deutschlands stellen eine Herausforderung dar. Es ist nicht immer einfach, Veranstaltungen zu planen. Egal, wo wir sie machen, die Strecken sind für jeden relativ weit. 2013, das wir unter das Motto „Investition in Köpfe sichert Zukunft“ gestellt hatten, war für uns ein besonders Jahr: Das erste komplette Jahr nach der Fusion der beiden zuvor eigenständigen Regionalverbände Ludwigslust und Parchim. Der Verband war in der Findungsphase. Mit Dr. Annekatrin Gall aus Loosen und Stefan Ehbrecht aus Dömitz haben wir zwei Mitglieder aus dem Altkreis Ludwigslust im Vorstand, so dass wir jetzt Vertreter aus dem ganzen Kreis in der Regionalleitung haben.
Und wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen im Verband?
Waldmüller: 2013 haben wir 36 neue Mitglieder gewonnen. Das ist in unserem Verband mit größtem Abstand der höchste Zuwachs aller Regionen in Westmecklenburg. Seit der Fusion der Regionalverbände vor 17 Monaten kamen allein 27 neue Mitglieder aus dem Altkreis Ludwigslust hinzu. Mindestens 30 neue Mitglieder pro Jahr neu zu gewinnen bleibt unser erklärtes Ziel.
Aber es gibt sicherlich auch Unternehmen, die aus dem Verband ausscheiden...
Waldmüller: Natürlich. Aber seit Jahren wachsen unsere Mitgliedszahlen stetig. Wir sind mit insgesamt 240 Mitgliedern im Jahr 2013 mit großem Abstand die stärkste wirtschaftliche Vereinigung im Landkreis. In diesem Jahr kamen bereits vier neue Unternehmen hinzu.
Regelmäßig machen Firmen aus dem Regionalverband Schlagzeilen - so 2013 bei der Wahl des Unternehmers des Jahres.
Waldmüller: Holger Köhler, Orthopädietechniker in Lübz, erhielt den Titel „Unternehmer des Jahres“. Das Unternehmen aus dem Handwerk mit 60 Mitarbeitern betreibt eine Niederlassung in den USA. Damit geht der Preis „Unternehmer des Jahres“, den der Verband für ganz Westmecklenburg vergibt, bereits zum achten Mal an unsere Region. Das spricht für die Leistungsstärke unserer Unternehmen.
Es gab noch einen Preis für unsere Region, wie SVZ berichtete, nämlich für zwei Lehrer...
Waldmüller: Jedes Jahr gehen Auszeichnungen an Leute, die sich besonders für die Unternehmerschaft verdient gemacht haben. Es freut uns, dass im letzten Jahr Volkhard Merzsch, Schulleiter am Friedrich-Franz-Gymnasium Parchim, und AWT-Lehrer Burkhard Neels mit dem „Großen Preis der Wirtschaft“ für ihr Engagement bezüglich dem Aufbau und der Etablierung der Jungunternehmerschule geehrt wurden. Die Jungunternehmerschule, die es seit zwei Jahren auch an der Regionalen Schule Cambs gibt, wird durch Dozenten des Unternehmerverbandes rein ehrenamtlich gestaltet. Der Wahlpflichtunterricht vermittelt, wie man ein Unternehmen gründet und eine Schülerfirma führt bzw. weiterführt. Unser Ziel ist es, die Jugend frühzeitig an die Unternehmerschaft heranzuführen.
Um Fachliches geht es ja auch bei der Arbeit für ihre Mitglieds-Unternehmen.
Waldmüller: Richtig. Beim Projekt ‚FaPe“ (Flexibel arbeiten - Perspektiven erhöhen) ging es beispielsweise um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir haben fast 100 Unternehmen zu Arbeitszeitmodellen befragt. Es gab sechs Workshops und ein Arbeitgeberforum. Die Unternehmen sind offen für die Problematik. Im Arbeitskreis Personalwesen gab es im Vorjahr drei Veranstaltungen in den Regionen Parchim und Ludwigslust zum Arbeitsrecht. Zu unserer Hauptarbeit gehören die regelmäßigen thematischen Veranstaltungen - wir nennen sie Stammtische. Sehr gut angenommen wurden auch gesellschaftliche Abende im Parchimer Theater.

Ein wichtiges Ereignis 2013 war aber beispielsweise auch eine Demonstration, zu der wir aufgerufen hatten. Die Demo war in diesem Fall bitter notwendig. Wir wollten, dass der Sitz der Berufsschule nicht aus der Kreisstadt raus geht. 200 Teilnehmer kamen und die Entscheidung fiel auch zu Gunsten von Parchim.
Was wird 2014 das Motto für die Arbeit des Verbandes.
Waldmüller: Das Motto für 2014 verkündigen wir offiziell beim Neujahrsempfang. Es heißt: Menschen binden - Wirtschaft stärken. Es dreht sich um die Sicherung der Fachkräfte, um die Förderung von Ausbildung, die Gewinnung von Nachwuchs. Es geht um Fragen wie Sozialkompetenz, Übergang Schule-Beruf, betriebliches Gesundheitsmanagement, Transparenz von Löhnen und Gehältern. Wir befassen uns beispielsweise mit der Frage: Wie werden Unternehmen bei Schülern interessant?