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Heiddorf Windschiefe Häuschen aus Ton

Von KATT | 22.12.2017, 21:00 Uhr

Angela Müller hat im Töpfern ihre Passion gefunden. Viele Häuschen, Schälchen und Engel als Weihnachtsgeschenke gestaltet.

Woher es kommt, weiß Angela Müller nicht. Aber Häuser haben es ihr angetan. In ihrer Hobbykeramikwerkstatt lässt die Heiddorferin oft kleine, leicht windschiefe Häuschen entstehen, die für den Blumenkasten oder durch ein Teelicht erhellt für die Fensterbank gedacht sind. Und wenn sie dann doch einmal Schälchen oder Becher formt, verziert sie sie mit winzigen Häuschen. In der Adventszeit hatte Angela Müller besonders viel zu tun, um all die kleinen Geschenke für Freunde und Verwandte pünktlich zum Fest fertigzubekommen. Auf den Gabentischen werden Heiligabend dann auch Engel aus dem Hause Müller stehen. Die kleinen Figuren mit den wilden Frisuren und lustigen Gesichtern sind in der Weihnachtszeit das zweite Steckenpferd der Hobby-Kunsthandwerkerin.

Erst vor vier Jahren hatte Angela Müller zum Töpfern gefunden. Dass es zu einer solchen Leidenschaft wird, war bei der ersten Begegnung mit dem Werkstoff Ton nicht abzusehen. „Eine Freundin hatte mich damals mit zum Töpferkurs ins Ludwigsluster Zebef genommen“, erzählt Angela Müller. „Während alle anderen munter drauflos töpferten, kam ich mir fehl am Platz vor.“ Da sie aber schon zehn Kilogramm Ton gekauft hatte, machte sie sich noch am selben Abend allein in ihrer Küche wieder ans Werk. Und schuf das erste windschiefe Häuschen, dann das zweite, das dritte... Wie viele es inzwischen sind, weiß die 69-Jährige nicht.

Ihre ersten getöpferten Werke stellte sie im Schaufenster ihrer Boutique aus, die sie viele Jahre lang in Dömitz betrieben hatte. „Da kamen gleich ein paar Frauen und fragten, ob man die Häuschen kaufen kann“, erinnert sich Angela Müller. „Aber die waren ja nur Dekoration. Die Kunden machten mir aber Mut weiterzumachen.“

Und so besuchte die Heiddorferin viele Kurse in ganz Norddeutschland und las unzählige Fachbücher. „Rund 70 Prozent sind erlernbares Handwerk, und wenn dann noch 30 Prozent eigene Kreativität hinzukommen, können schöne Dinge entstehen“, sagt sie. Anfangs töpferte Angela Müller in der eigenen Küche. „Da habe ich dann manchmal nachts um eins noch aufgewischt, weil Ton doch sehr viel Schmutz macht“, erzählt sie. Inzwischen hat ihr Mann ihr eine kleine Werkstatt mit Blick in den Garten und CD-Player auf dem Regal eingerichtet. „Wenn ich dort sitze, meine Musik höre und töpfere, tauche ich in eine andere Welt ab und vergesse die Zeit und alles um mich herum“, sagt Angela Müller. „So wie jede Frau, die sich mit Handarbeiten beschäftigt.“

Viel Zeit investiert die Heiddorferin in die vielen kleinen Details, in Fensterrahmen, Türen oder Dächer. Um den Kleidern der Engel ein Muster zu geben oder Herzanhängern zu verzieren, drückt sie zum Beispiel Spitzendeckchen in den noch weichen Ton und überträgt so die Motive. Ihre typischen Farben bekommen die Stücke durch Metalloxide, die die Kunsthandwerkerin auf den getrockneten Ton aufträgt. „Da muss man sehr vorsichtig sein, weil der Ton noch sehr zerbrechlich ist“, erklärt sie. Kobaltoxid sorgt für bläuliche Häuschen und Engelchen, Eisenoxid für rötliche. Mit kleinen Schwämmchen gibt sie der Farbgestaltung den letzten Schliff. Wie das Stück am Ende aussieht, weiß Angela Müller nie ganz genau. „Das Ergebnis hängt von so vielen Faktoren ab. Da ist es immer eine Überraschung, wenn ich den Brennofen öffne“, sagt sie. „Manchmal bin ich enttäuscht, aber meistens freudig überrascht.“ Aber eines gelingt ihr dadurch nie: „Ich kann keine exakte Kopie von einem Häuschen gestalten.“

Angela Müller, die ihr Geschäft in Dömitz inzwischen geschlossen hat und in Rente gegangen ist, arbeitet täglich in ihrer kleinen Werkstatt, „so lange, bis ich nicht mehr mag“. Sie ist froh, dass sie nach dem ersten Abend des Töpferkurses nicht aufgegeben und nun dieses Hobby hat. „Gerade hier auf dem Lande, wo es nicht so viel Abwechslung gibt, ist das wichtig. Sonst wäre es schon einsam“, sagt sie. „So ein Hobby sollte sich jeder zulegen, wenn er in Rente geht.“

Auch wenn in der Weihnachtszeit ein paar Häuschen und Engel mehr benötigt werden – Stress macht sich Angela Müller nicht. „Es soll Spaß machen, es soll sich ergeben.“ Und für alle, die dieses Jahr vielleicht leer ausgehen: Im nächsten Jahr wird ja wieder Weihnachten. Aber in den nächsten Wochen will die Heiddorferin erst einmal Ideen für die neue Gartensaison verwirklichen.