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Neustadt-Glewe Wie ein großes Klassentreffen

Von Katharina Hennes | 26.12.2017, 21:09 Uhr

Raus aus dem Familienfest, rein ins Partygetümmel: Neustädter „Kinder dieser Stadt“ feiern am Barracuda Beach ihr Wiedersehen

Andre Zapp will zum Tresen. Aber er kommt nicht weit. „Bist du nicht? Warte...“ Immer wieder bleibt er kurz stehen, blickt den anderen in die Augen. „Ich erkenne die Gesichter“, sagt er. „Aber auf den Köpfen sind wir doch alle etwas grauer und lichter geworden.“

Die Wiedersehensparty „Kinder dieser Stadt“ in der Nacht zu Dienstag ist wie ein großes Klassentreffen. Ehemalige Neustädter, die die Feiertage zu Hause bei den Eltern verbringen, schauen am späten Abend im Partyzelt am Strand vorbei. Der Neustädter See war schon damals vor dreißig Jahren ihr liebster Treffpunkt. „Wir hatten als Kinder und Jugendliche hier ein prima Leben“, erzählt Andre Zapp. „Ob am Strand, auf dem Zeltplatz und später bei den vielen Tanzparties im Parkrestaurant.“ Doch nach der Wende fand Zapp in Neustadt keinen Job und so ging er. Erst nach Bramsche, dann nach Osnabrück, später nach Schwerin und Hamburg. Heute lebt der 48-Jährige mit seiner Frau vor der Küste Venezuelas auf der Insel Bonaire. Nur zu Weihnachten besucht er seine Eltern in der alten Heimat. Und eigentlich wäre er jetzt auch gar nicht hier, wenn ihm nicht seine Mutter von dieser Party erzählt hätte. „Die meisten hier kenne ich aus der Schulzeit“, sagt er. „Nur die Namen fallen mir so schnell nicht ein.“ Dafür erkennen ihn andere. „Zappi?“, ruft ihm ein älterer leicht ergrauter Mann hinterher. Es ist Jörn Zysk. Früher, als Zappi noch zur Schule ging, war Zysk Betreiber vom Imbiss „Dorles Bistro“. „Zappi“ hatte damals oft bei ihm gegessen.

Die beiden haben sich heute viel zu erzählen. Vom Leben in der Karibik. Von den alten und den neuen Zeiten in Neustadt-Glewe. Ganz schön tot sei die Stadt geworden, findet Zapp. „Früher, als es noch die Lederwerke gab, war hier mehr los. Die Straßen waren irgendwie belebter. Und man musste nicht lange nach einem Lokal suchen, in das man abends einkehren konnte.“

Die Idee der Wiedersehensparty gefällt dem Auswanderer. Es sei schon spannend zu sehen, wie sich die Heimat verändere und was aus den Menschen von damals geworden sei. Dass er heute auf einer fernen Insel wohnt und arbeitet, wussten die wenigsten. Auch sein ehemaliger Schulkamerad Tobias Prager nicht. Prager ist Betriebsleiter vom Barracuda Beach. Vor zwei Jahren hatte sein Team die „Kinder-dieser-Stadt-Party“ ins Leben gerufen. Bisher trafen sich die Neustädter mit den Heimkehrern immer am Ostersonntag. Allein in diesem Frühjahr kamen fast 500 Besucher. Was Ostern geht, klappt auch Weihnachten, dachte sich Prager. „Denn dann fahren wirklich fast alle zu ihren Lieben in die Heimat.“ Er will das große Wiedersehen fest etablieren: „Am 1. April steigt die nächste Party“, sagt Prager. „Bis dahin haben sich alle von dieser Nacht heute erholt.“