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Vertrag mit dem Forstamt Waldumbau im Stadtwald Dömitz

Von Kathrin Neumann | 25.10.2020, 18:00 Uhr

Das Forstamt Kaliß betreut den Dömitzer Stadtwald. Waldschäden bereiten auch dort Sorgen.

Ein paar Baumstubben, einzelne Bäume und ansonsten haufenweise Astwerk am Boden. Mehr ist auf der Fläche nahe der Hochbrücke an der Müritz-Elde-Wasserstraße nicht zu sehen. Vor einem Jahr befand sich dort noch ein Fichtenbestand. "Durch die beiden letzten trockenen Jahre, das trockene Frühjahr und den folgenden Käferbefall war der Bestand abgängig", erklärt Wolfgang Mundt, Revierförster des Forstreviers Heidhof. Die 1986 gepflanzten Bäume mussten gefällt werden. "Das ist sehr schade, weil der Bestand noch lange nicht hiebreif war." Zwar habe man durch den Verkauf als Industrieholz noch Geld dafür bekommen - "aber weil wir den Bestand ja wieder aufforsten wollen, ist eine Kostendeckung hier nicht mehr möglich", so Mundt. Keine gute Nachricht für Dömitz' Bürgermeister Reinhold Suhrau und die anderen Vertreter der Stadt, der das Waldstück gehört. Sie hatten sich gemeinsam mit dem Revierförster und dem Leiter des Forstamtes Kaliß, Jörg Schröder, auf eine Bereisung durch den Stadtwald gemacht.

215 Hektar Stadtwald in ständiger Bewirtschaftung

Der Stadt Dömitz gehören 215 Hektar Wald - zu wenig, um sie selbst effektiv bewirtschaften zu können. Deshalb hatte das Forstamt Kaliß vor 19 Jahren dessen ständige Betreuung übernommen. In diesem Jahr ist der Vertrag bis Ende 2029 verlängert worden. Bei der Waldbereisung führte die Forst den Vertretern der Stadt die aktuellen Aufgaben und Herausforderungen vor Augen: Waldschäden, Walderneuerung, Kulturbegründung und das Problem der Spätblühenden Traubenkirsche. "Sie ist in der Bewirtschaftung immer eine Schwierigkeit, wenn Bestände neu begründet werden", betont Jörg Schröder bei der Ankunft auf einer kahlen Fläche im Waldgebiet Dömitzer Berge.

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Dort hatte am 5. Oktober 2017 Sturm "Xavier" mit den Bäumen Mikado gespielt, wie es Wolfgang Mundt nennt. "Aus dem geworfenen Holz haben wir aber immerhin noch mehr als 8000 Euro Erlös erzielt", so der Revierförster. Jetzt wird der Bestand mithilfe von Fördermitteln neu begründet. Vor allem mit Kiefern, aber auch mit einem 30-prozentigen Laubholzanteil, um möglichst einen klimastabilen Wald zu bekommen. Roteiche und Robinie werden dazu genutzt. "Wegen des armen Standortes haben wir hier keine andere Möglichkeit", so Mundt. Die Robinie hält er für eine Baumart, die mit den Klimaveränderungen klarkommen könnte, weil sie Trockenheit extrem gut vertrage. Das zeigt sich seiner Aussage nach auch auf einer Versuchsfläche bei Heidhof, wo Bäume unterschiedlicher Herkunft, unter anderem aus Bulgarien, Spanien, Rumänien oder Portugal, stehen. "Sie wachsen und haben zum Teil auch in trockenen Jahren einen Sprung von zwei Metern gemacht."

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Die Fläche in den Dömitzer Bergen macht aber auch das Problem der Spätblühenden Traubenkirsche deutlich, die eigentlich in Südamerika zu Hause ist, im 17. Jahrhundert aber nach Deutschland gebracht wurde. "Sie ist ein Neophyt, vermehrt sich sehr rasch und hat eine unglaubliche Ausbreitungsdynamik", erklärt Jörg Schröder. Auch das aufzuforstende Waldstück der Stadt Dömitz hatte sie quasi schon erobert. "Wir haben die Traubenkirsche auf der Fläche weggeschnitten. Aber das macht die Walderneuerung teuer."

Bedingungen für Waldbesitzer schwierig

Insgesamt seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Waldbesitzer aktuell schwierig, gesteht der Forstamtsleiter. "In den vergangenen Jahren war es immer noch möglich, einen Gewinn aus der Waldbewirtschaftung zu ziehen. Das ist bis auf Weiteres schwierig bis unmöglich." Eine Kostendeckung sollte aber selbst unter den schwierigen Bedingungen möglich sein, schob er mit Blick auf den Dömitzer Stadtwald hinterher. Ein Verkauf von Wald kommt für die Stadt nach Aussage von Bürgermeister Reinhold Suhrau trotz der Probleme nicht in Betracht. Und Stadtvertreter Christian Lochow ergänzt: "Wir sind froh, dass der Vertrag mit dem Forstamt zustande gekommen ist. Wenn Wald weggeht, muss er wieder aufgeforstet werden. Und da ist die Forstverwaltung für uns der Ansprechpartner, damit das zukunftssicher vonstatten geht."