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Lübtheener Heide Toter Wolf könnte Arno sein

Von Redaktion svz.de | 19.12.2016, 11:08 Uhr

Von „Arno“ gibt es kein Signal mehr. Der Wolfsrüde war vor gut einem Jahr als erster von bislang drei Wölfen in Mecklenburg-Vorpommern mit einem GPS-Gerät ausgestattet worden. Die Bewegungsdaten wiesen ihn als lauffreudig aus. Doch nun ist er womöglich tot.

Einer der drei mit Peilsendern bestückten Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern ist vom Radar der wissenschaftlichen Beobachtung verschwunden. Agrarminister Till Backhaus (SPD) äußerte am Montag in Schwerin die Vermutung, dass das bislang sehr bewegungsfreudige Tier tot ist. Am Samstag war in der Nähe der Gemeinde Woosmer am Straßenrand ein Wolfskadaver entdeckt worden. Laut Backhaus trug das Tier zwar kein Halsband mit Sender, aber einen Chip, der den drei eingefangenen Jungwölfen zur Identitätsfeststellung eingepflanzt worden war.

Vermisst werde der Rüde „Arno“ aus dem Rudel in der Lübtheener Heide, der im Oktober 2015 als erster Wolf im Land mit einem GPS-Gerät ausgestattet worden war.

Untersuchungen im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin sollen nun klären, ob es sich um „Arno“ handelt und was zu seinem Tod führte. Ein sogenannter Rissgutachter hatte das Tier laut Polizei untersucht und nicht ausschließen können, dass es erschossen wurde. Wölfe stehen unter strengem Schutz und dürfen nicht geschossen werden. Die Polizei ermittelt daher wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Bereits Ende August war auf der Autobahn 24 Berlin-Hamburg unweit der Landesgrenze Brandenburgs zu Mecklenburg ein Wolf angefahren und getötet worden.

In dünn besiedelten Regionen Mecklenburg-Vorpommerns werden seit zehn Jahren immer wieder Wölfe gesichtet. In der Ueckermünder Heide und in der Lübtheener Heide sollen sich bereits Rudel gebildet haben, die regelmäßig Nachwuchs zeugen. Jäger und Landwirte stehen der Entwicklung mit Skepsis gegenüber. Mehrfach kam es in der Vergangenheit zu Übergriffen auf Nutztiere. Zuletzt hatte ein Wolf im Oktober eine Rinderherde bei Niendorf attackiert. Eine Kuh starb.

Das Land gewährt Nutztierhaltern finanzielle Hilfen für Schutzmaßnahmen gegen Angriffe auf ihre Weidetiere. Dazu gehören der Bau spezieller Zäune oder die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden. Die Anschaffungskosten können mit bis zu 75 Prozent gefördert werden. Vielen Schafhaltern geht die Förderung aber nicht weit genug. Entschädigung für getötete oder verletzte Tiere gibt es zudem nur, wenn zuvor Schutzmaßnahmen für die Herden ergriffen wurden.

Backhaus brachte angesichts der Zunahme bereits eine Obergrenzen für den Wolfsbestand ins Gespräch. Der Bund solle festlegen, ab wann ein „guter Erhaltungszustand“ der geschützten Art vorliegt, der dann auch Eingriffe zulasse. „Wenn eine bestimmte Schwelle überschritten ist, muss man nachdenken, ob ein anderes Management nötig ist“, sagte Backhaus. Bundesweit werde die Zahl der Wölfe inzwischen auf 470 geschätzt.

Nach Worten von Andreas Krüß vom Bundesamt für Naturschutz ist Deutschland noch weit von einer stabilen, selbsttragenden Population entfernt. Eine wachsende Zahl Wölfe sterbe eines unnatürlichen Todes.

Seit dem Jahr 2000 seien bundesweit rund 100 Tiere bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, mindestens 18 wurden illegal getötet. Zwei wurden kontrolliert geschossen.