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Schwerin Provozieren statt schmeicheln

Von Maren Ramünke-Hoefer | 19.09.2009, 01:57 Uhr

Wie motiviert man Erstwähler, am 27. September ihre Stimme abzugeben? Auf jeden Fall nicht mit Lächel-Plakaten und Infoständen voller Luftballons. Schweriner Designschüler präsentierten ihre Version einer gelungenen Erstwähler-Kampagne. Das zentrale Stichwort dabei heißt "Guerilla-Marketing".

Sie nennen sich "Traktor 10". Traktor steht für eine treibende Kraft. Und die 10 ist die Zahl der Köpfe, die in der imaginären Werbeagentur des 5. Semesters Grafik-Design an der Schweriner Design Schule mitarbeiten. Im Fach "Werbekampagne" arbeiteten sie unter Fachbereichsleiterin Stephanie Roth ein Konzept aus, mit dem junge Nichtwähler umgestimmt werden sollen. Während Profi-Politiker versuchen, junge Leute mit freundlichen Fotos wahlbereit zu stimmen, setzt "Traktor 10" auf Provokation. Von ihren Plakaten lächelt kein einziger Kandidat. Dort glotzen Menschen mit Kuh-, Ziegen- oder Fischköpfen, die den brutalen Stempel "Dumm bleibt stumm" tragen. Zudem machen Plakate nur einen Bruchteil der von den Designschülern erdachten Kampagne aus. Diese lebt von öffentlichen Aktionen auf Straßen, in Einkaufszentren, auf Schulhöfen. Statt die eigene Werbung in Zeitungen und Fernsehen teuer zu bezahlen, wollen sie die Medien mit ausgefallenen Auftritten zur kostenlosen Bericht erstattung locken. Beispiele: eine Schafherde durch die City. Oder öffentliche Toiletten mit riesigen Folien bekleben: Darauf zu sehen ist ein unangenehm weit aufgerissener Mund, darunter der Spruch "Du schluckst wohl alles". Oder an U-Bahn-Stationen gespannte Absperrbänder mit dem Logo "dumm-bleibt -stumm", oder Polonaisen von tiermaskierten Jugendlichen durch die Straßen oder "defekt"-Aufkleber an allen Fahrradklingeln. Das ist der Stoff, aus dem nach Meinung der Designschüler moderne und kostengünstige Werbung gemacht ist. Guerilla-Marketing heißt der Ansatz in der Fachsprache.

Der Begriff wurde bereits in den 80er-Jahren entwickelt und heute mit immer neuen Inhalten gefüllt. Guerilla-Marketing zeichnet sich dadurch aus, dass es den "Kunden" bei seinen alltäglichen Tätigkeiten erreicht und von ihm eine Reaktion fordert.

Besonders hofiert werden die Jungwähler durch die Kampagne der Agentur "Traktor 10" nicht. Aber neugierig gemacht."Weder auf den Plakaten noch bei den öffentlichen Aktionen wird aufgelöst, was das alles eigentlich soll", erklärt Studentin Maria Vollmann. "Wir verweisen immer nur auf die Homepage." Im jugendlichen Lieblingsmedium Internet kann man dann im 3-D-Design mit Flash-Animation sowohl die Motivation der Kampagne kennen lernen als auch die Termine der Aktionen erfahren oder Video-Mitschnitte sehen. Natürlich gibt es auch Links zum Bundestag. "Schließlich soll die Kampagne nachhaltig für Politik interessieren", so Vollmann.