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Schwerin Neugier auf die Welt entfacht

Von Maren Ramünke-Hoefer; | 17.12.2010, 09:57 Uhr

Über den eigenen Tellerrand und die Stadtgrenzen möglichst weit hinauszuschauen, sich bei der Lösung von offenbar verfahrenen Problemen an anderen Ländern und deren Erfahrungen zu orientieren, Neugier zu wecken auf die Welt und ihre Vielfalt - das sind zentrale Arbeitsansätze der Schweriner Schule der Künste und ihrer Internationalen Woche, die bis zum Freitag in den Räumen am Platz der Jugend läuft.

Das Konzept erfolgreich umzusetzen, empfindet Geschäftsführer Holger Reschke indes manchmal als "Kampf gegen Windmühlen" in der Residenzstadt Schwerin, wo Menschen anderer Hautfarbe und Nationalität noch immer die Ausnahme sind. Umso glücklicher war der umtriebige Schweriner Künstler und Kunst-Lehrer, als er am Dienstagabend eine besondere Urkunde entgegennehmen durfte: Kultusminister Henry Tesch überbrachte der Schule der Künste als zweiter Einrichtung in MV die Staatliche Anerkennung als Kinder- und Jugendkunstschule. "Diese Urkunde dürfen Sie als Gütesiegel auffassen", betonte der Minister. "Ich habe großen Respekt davor, wie Sie mit ihren engagierten Mitarbeitern hier Kultur wirklich leben."

Wer die Homepage der Schule der Künste öffnet, wird auf Deutsch und auf Französisch begrüßt. In der Bildergalerie tummeln sich vergnügte Jugendliche jeglicher Hautfarbe. Seit vielen Jahren arbeitet die Schule eng mit Jugendeinrichtungen in Marseille zusammen. Auch zur Internationalen Woche sind Sozialarbeiter und Künstler aus der Hafenstadt gekommen, geben Trommelkurse, plaudern auf Französisch über Mauritius oder das Leben in Marseille. Auch die Dozenten der Kunstschule stammen aus aller Welt, und seit 2009 gibt es in den Räumen am Platz der Jugend das Begegnungszentrum Dambizi. Alidou Koriko, der zu den Gründern des Zentrums gehört und aus Togo stammt, gestaltet die Internationale Woche ebenso mit wie der Ghanaer Dennis Doe Tamakloe, der als Grafiker in Berlin arbeitet, oder Afrika-Experte Otto Frick. Klavierlehrerin Mira Seo und Musikdozent Pongki Park stellen koreanische Traditionen, Schrift, Masken, Kleidung und Sprache vor. Julija Becker, die in St. Petersburg geboren wurde und viele Jahre in Afrika lebte, leitet die Malkurse gemeinsam mit Iris Dörsch an.

Jugendliche aus dem Fridericianum, dem Gymnasium Crivitz, aus der Albert-Schweitzer- und der Comenius-Schule machen mit bei den Workshops der Internationalen Woche. Sie produzieren Kunst und lernen im persönlichen Kontakt faszinierende Details aus dem Alltag, aber auch der Geschichte fremder Länder kennen. "Interkulturelle Bildung wird in Deutschland oft einseitig als Ausländerbildung verstanden, um Migranten wie mich zu integrieren. Sie bedeutet aber vor allem, dass verschiedenen Nationalitäten voneinander lernen", sagt Cecile Bonnet, Bildungsreferentin bei der Schule der Künste. Um Ängste und Vorurteile abzubauen - und über den Tellerrand zu schauen.

Internationale Kunstprojekte möchten Holger Reschke und sein Team künftig öfter in Schwerin anbieten. Er hofft, dass auch die Schulen mitziehen und seine Angebote annehmen. Unterstützung aus der Stadtverwaltung hat er bereits: Schuldezernent Dieter Niesen, der das Herzblut und die Beharrlichkeit der Schule der Künste schätzt, will für die Multi-Kulti-Arbeit werben.