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Heldenserie Nach dem Waldbrand bei Lübtheen: „Im Einsatz funktionierst du nur“

Von muen | 12.08.2019, 20:00 Uhr

Alt Jabels Ortswehrführer Michael Klamann bekämpfte den Brand, seine Familie wurde evakuiert

Unten, im Schwimmbecken, planschen ausgelassen Kinder. Einige Meter entfernt, oberhalb auf der Terrasse, steht ein Mann und schaut dem Treiben im Wasser zu: Michael Klamann. Dort, wo sich jetzt die Kinder tummeln, füllten in den Tagen des schlimmen Waldbrandes Wasserwerfer der Polizei ihre Löschtanks auf. Und Michael Klamann ist in Gedanken wieder in jenen Tagen, als auch er gegen die Flammen im Einsatz war.

Alle Informationen rund um den Waldbrand bei Lübtheen finden Sie unter www.svz.de/waldbrand

Michael Klamann ist Feuerwehrmann, Ortswehrführer in Alt Jabel. Während der entscheidenden Tage, in der es auch um die Rettung seines Dorfes ging, war der Wehrführer in der Abschnittsleitung eingesetzt. Gab es irgendwann in jenen Tagen die Angst, das Feuer nicht „halten“ zu können? „Ja“, sagt Michael Klamann ohne zu zögern. „Es war am Montagvormittag. Wir dachten, dass wir das Feuer relativ gut kontrollieren würden. Da frischte plötzlich der Wind auf und die Flammen drohten ,rüberzuspringen‘.“

Man denkt an nichts anderes

Im Einsatz funktioniere man einfach nur, sagt Michael Klamann. Man denke eigentlich an nichts anderes.

„Erst in der Ruhepause beginnst du nachzudenken, darüber, was hier eigentlich gerade passiert.“
Michael Klamann, Ortswehrführer von Alt Jabel

Für Klamann war eine solche Phase, als er nach pausenlosem Einsatz die erste Nacht nach Hause kam. „Da war nichts und niemand, es gab noch nicht einmal eine Decke, mit der ich mich zudecken konnte, kein Kopfkissen“, sagt er. Ehefrau Susanne, die zwölfjährige Paula und Antonia, neun Jahre alt – die Töchter – waren evakuiert. Die Ehefrau hatte selbst an die Decken gedacht. „Es war der Instinkt, alles, was wichtig ist und helfen kann, mitzunehmen, eben auch Decken. Der Fernseher war noch da“, sagt Michael Klamann. Vergessen in jener Nacht war auch, dass er selbst ja hätte gar nicht mehr im Haus sein dürfen: Ganz Alt Jabel war evakuiert.

Schlimm war es, als die Familie das Haus verlassen musste. Michael Klamann: „Die Kinder haben geweint, sie mussten ihre drei Pferde zurücklassen.“ Die Tiere wurden rechtzeitig weggeführt.

Wenn Michael Klamann über „seine“ Frauen und Männer von der Alt-Jabeler Feuerwehr spricht, dann voller Anerkennung. „Am Sonntag gegen elf Uhr wurde klar, dass es gefährlich wird. Die ersten Einwohner meldeten sich voller Sorge, denn der Qualm wurde immer stärker.“

Am nächsten Tag gleich wieder zur Arbeit

Etwa zu diesem Zeitpunkt traf sich Klamann mit seinen Stellvertretern bei der Feuerwehr. „Immer mehr Kameradinnen und Kameraden trafen dann am Gerätehaus ein, ohne dass es eine Alarmierung gab. Gegen 13 Uhr war unsere Wehr vollständig versammelt“, erzählt der Wehrführer. Alarm war zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht ausgelöst worden.

Mehrere lange Tage und ebenso lange Nächte dauerte der Kampf gegen den Waldbrand. Alt Jabel konnte gerettet werden. „Dann haben wir ,aufgeräumt‘, wie es bei uns heißt. Am nächsten Tag bin ich wieder zur Arbeit gefahren“, erinnert sich Michael Klamann, der Schlosser bei Airbus in Hamburg ist. Doch dann forderte der Körper doch seine Ruhepause ein und Klamann blieb am Tag danach zu Hause.

Während des gesamten Einsatzes habe er über einen Kollegen Kontakt zu seinem Arbeitgeber gehabt. „Das lief völlig unkompliziert“, sagt Michael Klamann.

Mit Leib und Seele Feuerwehrmann

Nach einer weiteren Woche auf Arbeit folgte der schon früher gebuchte Urlaub in Griechenland mit der Familie. „Aus heutiger Sicht muss ich sagen, wir hätten ihn besser stornieren sollen“, blickt Klamann auf die Woche in Griechenland zurück. „Für mich persönlich wäre es hier besser gewesen. Denn ich hatte nach dem Einsatz eigentlich keine Zeit, wieder vernünftig anzukommen. Dazu kamen die zwei Brände bei Kavelmoor.“

Michael Klamann, seit seiner Jugend mit Leib und Seele Feuerwehrmann: „Ich habe in Griechenland viel Zeit am Telefon verbracht, denn ich wusste, dass es bei Kavelmoor brennt.“ Vor allem zwei Dinge habe er aus den Tagen des großen Brandes mitgenommen: Die große Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander und die Hoffnung, dass die nun geschlagenen Schneisen im Wald, die das Ausbreiten von Bränden verhindern sollen, künftig intakt gehalten werden. „Im Frühjahr war bereits begonnen worden, Wundstreifen anzulegen. Genau hier haben wir das Feuer zum Halten bekommen“, so der Ortswehrführer.

Ein Landkreis sagt danke: Alle Einsatzkräfte, Helfer und Anwohner sind am 7. September auf den Festplatz nach Lübtheen eingeladen.

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