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Ludwigslust Mauern in luftiger Höhe

Von katt | 20.12.2016, 07:00 Uhr

Der Stadtumbau im Parkviertel nimmt Konturen an: Der Rohbau für drei Mehrfamilienhäuser wächst.

Die Temperatur hat es gerade so über den Gefrierpunkt geschafft. Kalter Wind zieht über die Baustelle an der Findorff-Straße. Doch Mirco Eggert setzt unbeeindruckt von der Witterung einen Kalksandstein nach dem anderen auf die Mauer des künftigen zweiten Obergeschosses. Die Männer von der Firma Josl Bau aus Spornitz ziehen bis Weihnachten durch, denn beim Bau der neuen Mehrfamilienhäuser der Vewoba im Parkviertel drängt die Zeit. Im September, spätestens Oktober nächsten Jahres sollen die Mieter einziehen. Doch aktuell liegen die Arbeiten hinter dem Zeitplan zurück. „Das hängt aber nicht an der Baufirma“, betont Vewoba-Geschäftsführer Harry Lutzke, der zu gleichen Zeit mit Bauingenieur Dirk Kaschig und Bauleiter Markus Josl bei der wöchentlichen Bauberatung zusammensitzt. „Bei der Statikplanung hatte es zwei bis drei Wochen Verzug gegeben“, so Lutzke. „Aber wir sind optimistisch, dass das noch kompensiert werden kann.“

Das erste der drei Häuser – Haus C - ist im Rohbau nahezu fertig. Heute soll die oberste Geschossdecke gelegt werden. Viele Fensterzargen sind bereits eingebaut. Die Männer von der Firma Compas aus Lübtheen montieren sie, sobald die Josl-Leute ein Geschoss fertig gemauert haben. Parallel dazu wächst außen die Verklinkerung in die Höhe. An Haus A wird in dieser Woche das dritte Obergeschoss gemauert, an Haus B das zweite. Außerdem wird jetzt mit den Elektroarbeiten begonnen, für Heizungsbau und Sanitärinstallation läuft die Ausschreibung.

Die neuen Häuser an der Findorff-Straße sind der erste Schritt bei der Umgestaltung des gesamten Karrees. Um sie bauen zu können, war vor rund zwei Jahren an gleicher Stelle ein rund 30 Jahre alter Neubaublock abgerissen worden. Genau gegenüber – an der Suhrlandtstraße – werden aktuell die letzten Reste eines weiteren Vewoba-Plattenbaus beseitigt. Über kurz oder lang werden auch die anderen beiden Gebäude an der Suhrlandtstraße und an der Parkstraße weichen müssen. Wann genau, steht allerdings noch nicht fest. „Wenn wir auch die nächsten Häuser wieder mit Tiefgarage bauen wollen, müssen wir den Gesamtablauf des Projektes noch einmal überdenken“, betont Harry Lutzke. Die Tiefgarage sei für viele Mietinteressenten ein wichtiges Argument. Das hätten die Anfragen für die derzeit im Bau befindlichen Wohngebäude gezeigt, so Lutzke. Der neue Wohnraum ist gefragt. Für 36 der insgesamt 42 Wohnungen gibt es bereits ernsthafte Interessenten. Nur sechs Wohnungen – hauptsächlich in Parterre – sind aktuell noch zu haben.

Mit der Umgestaltung des Karrees setzt die städtische Wohnungsbaugesellschaft Vorgaben aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2003 um, das die konzentrierte Bebauung im Parkviertel moniert hatte. Nach Abriss und dem anschließenden Neubau von insgesamt sieben Häusern wird die Vewoba 70 bis 80 Wohnungen weniger haben als vorher. Bei den Wohnungen, die ersatzlos verschwinden, wurde der Abriss über das Förderprogramm für den Stadtumbau Ost gefördert. Bei den nächsten Häusern muss die Vewoba den Rückbau selbst finanzieren. „Aber jetzt wollen wir erst einmal diese Häuser fertig stellen“, sagt Harry Lutzke mit Blick auf die Baustelle.

Rund 6,5 Millionen Euro investiert die Vewoba in die drei Häuser, in denen es vor allem Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 52 bis 77 Quadratmetern, aber auch einige Wohnungen mit drei Zimmern und über 90 Quadratmetern geben wird. „Uns hat es ein bisschen überrascht, dass überwiegend nach Drei-Raum-Wohnungen gefragt wird“, erklärt Harry Lutzke. „Da müssen wir schauen, ob wir die Aufteilung bei den nächsten Häusern womöglich ändern.“ Rund ein Drittel der Mietinteressenten sind nach Aussage des Geschäftsführers Paare, die ihr bisher genutztes Einfamilienhaus – sei es in der Stadt oder auf dem Land – verkaufen wollen, um in eine Wohnung zu ziehen. „Viele können und wollen so ein Haus mit Grundstück allein nicht mehr tragen.“ Andere Interessenten sind treue Mieter der Vewoba, die derzeit zum Beispiel in einem der Häuser wohnen, die abgerissen werden sollen.