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Neuhof Lewitzfischer hoffen auf Förderung

Von mick | 13.08.2015, 07:00 Uhr

Gesprächsrunde im Neuhofer Unternehmen Lewitz Fisch mit Minister Till Backhaus / Europäischer Meeres - und Fisch Fonds könnte helfen

Krantechnik und mehrere Lkw aus DDR-Zeiten stehen auf dem Areal des Wirtschaftshofes der Lewitz Fisch am Karpfenteich 1 in Neuhof. „Hier hat sich ja kaum was verändert“, sagte Minister Till Backhaus, als er gestern Vormittag im Rahmen der Sommertour des SPD-Landtagsabgeordneten Detlef Müller vor dem Büro von Hermann Stahl ausstieg. „Ja, von diesen Kränen haben wir noch fünf, wir können uns aktuell keine moderne Technik leisten und nicht groß investieren“, so der Inhaber des Unternehmens. Bei einer Rundfahrt mit einem VW-Transporter zeigt Hermann Stahl den Gästen, unter ihnen auch Referatsleiter Gerhard Martin vom Ministerium in Schwerin, und Ulrich Paetsch, Präsident des Binnenfischerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, die Hälteranlagen und die Fischteiche. Am Neuhofer Teich, der eine Größe von 88 Hektar aufweist, unter der großen Eiche, machten die Gäste Rast. Hermann Stahl berichtete aus der Historie und zur aktuellen Situation, mit 750 Hektar ist die Neuhofer Teichwirtschaft die größte in Norddeutschland.

Seit 1897 wird hier in Neuhof Teichwirtschaft betrieben, und nach der Wende hat sich Hermann Stahl mit seinen Mitarbeitern den Herausforderungen gestellt. Aktuell werden in der Saison von September bis April rund 300 Tonnen Fisch produziert – 150 Tonnen Speisefisch und 150 Tonnen Jungfisch. Gegenwärtig sind neun Mitarbeiter im Betrieb von Hermann Stahl beschäftigt, in dem sich vorrangig alles um den Karpfen dreht. Das jährliche Abfischen in den Lewitzteichen im November ist immer ein Highlight. Es ist ein besonderes Spektakel, wenn die halbwüchsigen Fische in Spezialbehälter umgesetzt werden, wo sie weiter wachsen können. Karpfen gehen besonders gut zu Weihnachten und Silvester, Absatzprobleme hat Hermann Stahl nicht.

Aber es fehlt das Geld für Investitionen, die erwirtschafteten Mittel reichen gerade für Unterhaltung, bei größeren Reparaturen werde es schon schwierig. Die vielen Umweltschutzauflagen tun ein übriges. Zudem ist der Kormoran als Fischräuber ein nicht zu unterschätzender Faktor, würde er nicht gejagt werden, läge der Verlust bei den Fischen bei 99 Prozent. Schon heute liege er bei über 70 Prozent, sagte Ulrich Paetsch, Prokurist bei der Müritz-Plau GmbH. „Ohne Unterstützung des Landes werden wir die Teichwirtschaft auf Dauer nicht halten können“, so Ulrich Paetsch.

Das sieht auch sein Kollege Hermann Stahl ähnlich. Die Teichwirtschaftsförderung war bereits 2014 mit dem Landesverband der Binnenfischer zweimal erörtert worden. Das war der erste Schritt in Vorbereitung eines zu erstellenden operationellen Programms der Bundesrepublik Deutschland für den EMFF, den Europäischen Meeres- und Fischerei Fonds. Die Chancen auf eine Teichwirtschaftsförderung stehen so schlecht nicht, sagte Till Backhaus. „Gemeinsam mit Detlef Müller war ich in Brüssel und wir sind mit der Zusage nach Hause gekommen, wenn die Bundesrepublik ihre Hausaufgaben macht, könnte der Fonds ab Ende August bestätigt sein und würde dann auch für Mecklenburg-Vorpommern gelten.“

In Zahlen hieße das, dass MV rund 65 Millionen Euro, plus Landesmittel, für die Fischerei und Infrastruktur bekommen würde, und damit der Großteil der EMFF-Mittel nach MV fließen würde. Denn andere Länder wie Sachsen, Brandenburg, Bayern und jetzt auch Niedersachsen fördern die Teichwirtschaft auch, in MV ist das bislang nicht der Fall. Erhalten in diesen Ländern Fischereibetriebe nicht unerhebliche Subventionen, wären durch einen günstigeren Fischverkauf Unternehmen in MV nicht mehr konkurrenzfähig, so Binnenfischereiverbands-Präsident Ulrich Paetsch. Vieles müsse aber im Vorfeld geprüft werden, da dem Land die Teiche und Flächen gehören und die Fischereibetriebe Pächter sind. „Die Teichwirtschaft muss als ein lebendes Denkmal erhalten bleiben“, so Till Backhaus. „Ihr bringt ja auch viel für den Naturschutz ein. Sorgt mit dafür, dass Tierarten geschützt und lebensfähig erhalten bleiben“, so der Minister, der darin eine ökologische Dienstleistung sieht, die bei der Begründung des Antrages für Brüssel eine Rolle spielen sollte.