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Hagenow Konsum trennt sich von Textilsparte

Von SVZ | 14.02.2014, 07:00 Uhr

Läden in Hagenow/Boizenburg und Neuhaus schließen noch in diesem Jahr / Sanierungskurs führt Genossenschaft zurück in schwarze Zahlen

Der nächste Schritt bei der Sanierung der Konsumgenossenschaft folgt, die Hagenower trennen sich jetzt von ihrer chronisch defizitären Textilsparte. Der Vorstand bestätigte gestern, dass zunächst das Textilhaus in Hagenow zum 31. August schließen wird. Zum 30. Oktober folgen dann die Textilläden in Boizenburg und Neuhaus. Das haben Aufsichtsrat und Vorstand der Genossenschaft in der vergangenen Woche beschlossen.

Von den Schließungen sind insgesamt 16 Mitarbeiter betroffen, die auf einer extra Versammlung bereits informiert wurden und für die jetzt eine möglichst sozialverträgliche Lösung gesucht werden soll.

Auslöser für das schnelle Aus der Textilhäuser war wohl die Jahresbilanz 2013 der Genossenschaft, die im Schwerpunkt eigentlich Lebensmittelmärkte betreibt. Nach der Bilanz arbeiteten die Häuser absolut defizitär. Und das schon seit Jahren. Der bereits 2012 gestartete Versuch, die Läden mit vielen Marken, frischen Angeboten als Fashion-Häuser wieder in den Gewinnbereich zu bringen, sei absolut gescheitert, bestätigten Vorstandsvorsitzender Ralf Bade und sein Vorstandskollege Jan-Michael Kappe gestern im SVZ-Gespräch. Zur exakten Höhe der Defizite wollten beide gestern keine Angaben machen, die Lage sei aber sehr eindeutige gewesen. „Die mit dem Neustart im März 2012 verbundenen Erwartungen und Umsatzplanungen waren überhöht und sind nicht im entferntesten eingetreten. Wir mussten erkennen, dass sich die Läden in dem Wirtschaftsraum, in dem wir handeln, nicht wirtschaftlich betreiben lassen“, so Kappe. Alle Mitarbeiter hätten grundsätzlich die Möglichkeit, in den Lebensmittelbereich zu wechseln. Man werde sich aber auch über Abfindungen oder Übergangsregelungen in die Rente reden müssen. Es habe auch das Angebot gegeben, die Läden als Selbstständige in Eigenregie weiter zu betreiben. Das Aus der Textilsparte kommt allenfalls in seinem Tempo überraschend. Grundsätzlich hatte der Vorstand aber schon seit Monaten auch öffentlich klar gesagt, dass der Bereich unter besonderer Beobachtung stehe. Es ist der nächste harte Sanierungsschnitt, nachdem in den vergangenen Jahren bereits Konsumläden in der Langen Straße in Hagenow, in Kaarßen und zuletzt auch in Dodow geschlossen wurden. Und das zeigt Wirkung: „Nach zwei Verlustjahren ist unser Konsum mit der Bilanz 2013 wieder in den Gewinnbereich zurückgekehrt. Wir haben ein leicht positives Ergebnis erzielt. Für uns ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir auch in Sachen Textil keine Zeit verlieren durften“, so Bade weiter.

Und so wird beim Konsum nicht nur geschlossen, sondern vor allem im Lebensmittelbereich in die Standorte investiert, wo das Geschäft gut läuft. In Vellahn zum Beispiel, dort will der Konsum neben seinem jetzigen Standort einen neuen Supermarkt errichten, der eine Gesamtverkaufsfläche von 1100 Quadratmetern haben soll. Die Verhandlungen mit der Gemeinde sind schon sehr weit fortgeschritten. Geplant ist erst der Neubau, später soll der alte Markt abgerissen und das Grundstück mit Parkplätzen versehen werden. Der Konsum in Vellahn läuft gut. Das gilt auch für Neuhaus. Dort soll direkt an der jetzigen Filiale ein neuer Getränkemarkt gebaut werden. Insgesamt soll damit das Angebot für die Neuhauser Kunden spürbar ausgebaut werden können. Ein Beweis dafür, wie richtig man mit Investitionen in gute Standorte liegen kann, liefert die erst vor wenigen Monaten umgebaute Filiale des Konsum im Hagenower Kietz. Dort hat sich der Umsatz im Vergleich zum alten Standort bisher um sage und schreibe 75 Prozent erhöht. Richtige Marktgröße, gute Lage, moderner Markt mit einem großen Angebot - das, so Kappe vom Konsumvorstand, habe sich bisher hervorragend ausgezahlt. Einen Bereich außerhalb der Lebensmittel gibt es noch, der für den Konsum seit Jahren gut läuft. Das sind die beiden Schuhläden in Hagenow und Boizenburg. Diese bleiben natürlich erhalten.