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Ludwigsluster Tageblatt Kein Sonderrecht

Von Christoph Slangen | 15.09.2009, 07:10 Uhr

22 einzelne Verletzungen stellt der Obduktionsbericht fest.

Die Brutalität der beiden Jugendlichen, die einen 50-Jährigen an einer S-Bahn-Station in München völlig enthemmt zu Tode prügelten, macht fassungslos. Und die Gefahr besteht, dass nach dieser Tat die Unkultur des Wegschauens wächst, die Neigung, sich lieber nicht einzumischen in vermeintlich fremde Angelegenheiten. Doch wenn Kinder oder Erwachsene - Mitbürger eben - im öffentlichen Raum bedroht und geschlagen werden, ist es Bürgerpflicht, dem entgegenzuwirken: Die Polizei verständigen, sich einmischen. Die Vertreter des Staates, im Bund, den Ländern und den Kommunen, müssen sorgfältig prüfen, was getan werden muss. Eine Debatte über schärfere Gesetze ist sicher notwendig, doch wirkt manche Forderung hilflos: 15 statt 10 Jahre Höchststrafe für Jugendliche - wird das die Abschreckung erhöhen? Grundsätzlich 18 bis 21-Jährige nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen, erscheint dagegen nur recht und billig. Wer mit 18 Jahren als volljährig gilt dem sollte bei der Bestrafung kein Sonderrecht offen stehen. Es müssen aber auch praktische Erwägungen angestellt werden: Videoüberwachung und mehr Sicherheitskräfte im Nahverkehr stehen ganz oben. So kann nicht nur das subjektive Sicherheitsgefühl erhöht, sondern auch die Möglichkeit verbessert werden, in der Not schnell einzugreifen. Sicherheit ist auch eine Frage des Geldes.