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neu kaliss Junge Ungarn backen in Neu Kaliß

Von mick | 27.08.2015, 07:00 Uhr

Für rund sechs Wochen sind Mario Rimoezi (16) und Martin Csik (22) Azubis in der Bäckerei von Meister Roland Görlitz

Mario Rimoezi (16) und Martin Csik (22) schauen Bäckermeister Roland Görlitz genau auf die Hände, während er die Qualität des Mehls prüft. Jeden Handgriff prägen sich die beiden jungen Ungarn intensiv ein, wollen sie doch möglichst viel mitnehmen von ihrem Aufenthalt in der Neu Kalisser Bäckerei. „Wir verständigen uns mit Mimik und Gesten, denn deutsch sprechen sie nicht und nur Martin kann ein bisschen Englisch“, sagte Bäckermeister Görlitz gestern beim Besuch der SVZ. „Aber wir haben eine Übersetzungs-App auf dem Handy vom Ungarischen ins Deutsche. Das klappt ganz gut und so wussten sie, dass es mit der Mittagsruhe heute etwas später wird, da die Zeitung vorbeikommt“, schmunzelte Roland Görlitz.

Die beiden jungen Männer aus Ungarn, die aus der Nähe von Budapest kommen und in ihrem Heimatland eine Ausbildung im Bäckereihandwerk begonnen haben, sind seit dem 26. Juli in Neu Kaliß. „Sie wohnen bei uns im Gartenhaus. Bis zum 5. September geht hier ihre Ausbildung. Die beiden Jungs arbeiten fünf Tage voll mit, von Dienstag bis Sonnabend, Sonntag und Montag haben sie frei“, erklärt Roland Görlitz. Martin möchte Konditor werden, Mario macht eine Bäckerlehre. „Sie werden voll in den Tagesablauf mit einbezogen, machen sich mit allen Aufgaben vertraut. Sie fangen morgens um 1 Uhr an, dann, nach dem anstrengenden Tagwerk folgt der Mittagsschlaf, der ist wichtig für die Erholung. Aber die beiden sind ja noch jung und ob sie da immer die Mittagsruhe halten wollen, sei dahingestellt“, lächelt Roland Görlitz in Richtung der beiden jungen Männer.

Für Mario und Martin ist es wichtig, dass sie hier in Neu Kaliß in der Praxis so viel wie möglich aufnehmen an Wissen, an Informationen, das erleichtert ihnen die weitere Ausbildung in Ungarn. Am Ende des mehrwöchigen Aufenthalts in einer deutschen Bäckerei erhalten sie von Meister Görlitz ein Zertifikat, einen sogenannten Europa-Pass, der ihnen bescheinigt, erfolgreich im Ausland gearbeitet zu haben. „In dieses EU-Programm sind 21 Bäckereien im Land Mecklenburg-Vorpommern mit einbezogen, auch in anderen Bereichen, wie in der Landschaftsgärtnerei, sind gegenwärtig auch viele junge Ungarn tätig.“

Bäckermeister Roland Görlitz, der im Jahre 1997 den Betrieb von seinem Vater übernahm und 1998 den Meisterbrief erwarb, sieht in diesem EU-Ausbildungsprojekt vor allem den Sinn, dass sich die Handwerksbetriebe in Zukunft ihre Fachkräfte auch über diese Ebene sichern. „Es ist für das Handwerk sicher hilfreich, wenn junge Leute, die schon einmal in unserem Land waren, nach einigen Jahren zurückkommen und hier arbeiten“, so Roland Görlitz, der sich perspektivisch vorstellen könnte, auch mit ausländischen Arbeitnehmern seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Aktuell steht sein Unternehmen aber gut da, in der Bäckerei sind 16 Leute voll beschäftigt. „Vier Gesellen arbeiten mit mir in der Backstube, die anderen Mitarbeiter sind im Verkauf tätig. An dieser Stelle möchte ich ein Lob an mein gesamtes Team aussprechen. Jeder einzelne hat die beiden Jungs aus Ungarn sehr gut aufgenommen und ihnen den Einstieg in eine doch für sie andere Arbeitswelt erleichtert.“